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Fedora, B

Im zweiten Akt ist diese Dame mit ihrer Cousine in Paris zuhause und hält Hof für Gesandte, Kommissare, Spione, Diplomaten und Künstler – Ihresgleichen. Mit ihrer der emigrierten Fürstin celebriert sie ein saloppes lebenslustiges Salonleben, das mit hübschen Parodien auf Männlein und Weiblein und auf ihre besonderen Eigenarten und Vorzüge persiflierend zielt. Aber Fedora lauert weiterhin auf Rache. Sie hat den Mörder ihres Mannes durch den Schwiegervater-Polizeichef bereits ausfindig gemacht und als Gast geladen. Nun belauert sie den Grafen Loris Ipanov ingrimmig. Sie hat ihn in ihre Gesellschaft aufgenommen, ohne ihre Identität zu verraten und wartet auf den richtigen Moment, um ihm sein Geständnis zu entlocken. Und um das Ziel zu erreichen, versucht sie, ihn zu verführen, sich in sie zu verlieben.

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Die Wunderkammer, B

Die Bühne ist im Halbdunkel gehalten, von Zeit zu Zeit mit grellem Licht, Scheinwerfern, Neonröhren gezielt und punktuell auf die Tanzszenen ausgerichtet. Die Leuchtkörper heben und senken sich und tauchen und umhüllen die Gruppe, auch vereinzelt wie in der Pyramidenspitze, die sich akrobatisch formiert hat. Die Aufführung beginnt mit einem langen Satz “Prelude of a broken Akkordeons” und einer fast bängstigenden Einbindung des Publikum, dem die Tänzer, wohl auch Tänzerinnen – obwohl hier eher kostümiert und maskenartig Unisex in den schlanken, abstrakten Figuren vorgesehen ist – , ein Ansturm also auf das Publikum, das sich kreischenden, düsteren Tönen und Gesichtern jäh frontal gegenübersieht, ihren aufgerissenen Mündern und geheimnisvollen wilden Gestikulationen.

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Mephisto, OL

Der Fokus der Aufführung und Inszenierung liegt sicherlich in erster Linie auf den Charakteren jener Zeit und jener großen künstlerischen Energie, mit der sie für ihre Freiheit kämpfen. Aber auch natürlich ist es eine persönliche Auseinandersetzung zwischen Klaus Mann mit dem Machtmißbrauch eines großen Schauspielers wie Gustav Gründgens, eine hochaktuelle Mahnung an die diabolische Kraft der rhetorisch gewandten teuflischen Propaganda- und Überzeugungskünste, die jederzeit wieder aufflackern können. Dass der Künstler hier nur als Beispiel steht und ja überdies als späterer Generalintendant aller Berliner Bühnen wohl die Autorität gehabt hat, vielen Menschen die Existenz zu retten, aber oft eben auch nicht den Mut, weil er den Preis für seine Narren-Freiheit sehr genau kannte, sollte dabei nicht darüber hinweg täuschen, dass es nicht nur ein Einzelner ist, der den Lauf des Schicksals bestimmt. Es sind tausend und abertausend Mitläufer, die blind sind. Ob das Theater sie sehend macht, ist eine andere Frage.o sollte man hier auch die Rolle des Mephisto in dieser Aufführung betrachten, in der zum Auftakt und Ende der große Schauspieler streng von gesichtslosen Bürgern nach seiner Ehre und Zivilcourage auf seinem glänzenden Weg zum Erfolg befragt wird, und der, entsprechend geschickt die Klippen von Moral und Karriere umgehend, die Rolle der Kunst und die Verpflichtung des Künstlers ihr gegenüber in den Vordergrund stellt. Hagen Bähr ist ein großer, schlanker Hendrik Höfgen, somit äußerlich der Figur des Gustav Gründgens adäquat. Auch die Maske, die grinsend teuflische, ist seither original und zeigt die verzerrte oder schmeichelnde Mimik in all den charakterlichen Facetten, die für seine politische und mentale Entwicklung stehen. Und er entspricht hier natürlich dem umstrittenen und berühmten Intendanten der Berliner Nazizeit, aber auch den Intentionen des sensibleren Autors.

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Das Bildnis des Dorian Gray,B

Von Anfang an fasziniert diese einmalig spannende und gelungene Schauspieltragödie mit exzellenten Darstellern, denen man ein Höchstmaß an künstlerischer Darstellung zollen möchte. Und sie setzt diesem unglaublich erkenntisreichen und selbstkritischen Werk des berühmten englischen Dichters ein gänzlich anderes Denkmal als die Bearbeitung von Wildes Gefängniszeit “de Profundis”, wo er, beinahe als teuflische Strafe, seine angebliche Schuld und Lebensverfehlungen wahnhaft büßt – auch diese Inszenierung wurde von großer schauspielerischer Intensität bewegt. Bei Dorian Gray geht es um die perfekte Schönheit eines jungen Mannes, der, sich seiner Herrlichkeit noch nicht bewußt, bevor ihn ein Maler und ein Lord aufs Podest stellen, der eine, um diese absolute Schönheit mit seiner Kunst festzuhalten, der andere um des eigenen Genusses willen.

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Tosca,B

Eine tiefe Verbeugung aller Gäste diesmal für den vitalen Tenor Freddi di Tomaso, der so voller Leidenschaft und Inbrunst bereits seine Auftaktsarie schmetterte und kräftigen ersten Szenenapplaus erhielt. Da wußte man, was kommen würde: ein faszinierend präsenter charakterstarker Cavaradossi, der sich nicht als gefügiger milder Maler, sondern als selbstbewußter Römer und konsequenter Kämpfer für die Freiheit Roms darstellt so wie seine starke und mutige Geliebte Fiora Tosca sich als Künstlerin zwischen rasender Eifersucht und mutiger Entscheidung ihren Platz in diesem politischen und menschlichen Drama assoluta erobert. Anastasia Bartoli ist übrigens nicht mit der gleichnamigen Sängerin verwandt, sondern die Tochter von Cecilia Gasdia, der derzeitgen Direttore Artistico der Arena di Verona. Anastasias Stimme gäbe auch der Arena ein starkes Klangvolumen.

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Nurejew, B

Diese Inszenierung des bedeutenden russischen Choreographen Krill Serebrennikov wurde in Russland verboten.Sie war für das Regime zu politisch, zu persönlich, zu modern, und der Startänzer Rudolf Nurejew (1938-1993) , seine Karriere, seine Flucht aus Russland, des “Verrats an seinem Heimatland” bis heute bezichtigt und daher geächtet, seine glänzende steile Karriere im Exil und seine persönlichen Vorlieben, extravagant und lebensgefährlich, bedeuten noch heute für die Russen eine gefährliche moralische und sittliche Herausforderung.
Nun, so wurde das aufwendige, vielfältig choreografierte Werk in Berlin, an der Deutschen Oper vom eigenen Ballett, großartigen Tänzerinnen und Tänzern, Musikern und Darstellern einem jubelnden Publikum vorgestellt, getanzt und, gespielt. Es ist eine Reise nach Berlin allemal wert!

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Die Marquise von O.und – B

Der theatralische Kniff, den Kleist sich als guter Dramatiker um die Wirkungs der Ereignisse wissend erlaubt, ist großartig. Denn als der Graf als damaliger Offizier die Dame einst im Feuer der Festung in Sicherheit vor einer Horde marodierender Soldaten in Sicherheit brachte und – wohl ihrem Reiz ebenso unkontrolliert wie unmoralisch unmittelbar erlag – und sie in den Schwangerschaftszustand versetzte, hatte ja viel Ehre auf dem Schlachtfeld wohl erlangt, aber für sich selbst in seiner erwachten Schuldigkeit alle Hoffnung verloren, diese Tat wieder gutmachen zu können. Als er sich stellen will, wird er nicht einmal angehört und als Bewerber akzeptiert. Welch ein Hohn, welch glänzende Rache, welche Selbstbewußtsein einer Frau vor 200 Jahren! Allerdings sollte man hier nicht die Tatsache außer Acht lassen, dass es adeligen Frauen selten an Selbstachtung ermangelte!
Das hätte m.E. den Kern dieser inszenierung ausmachen sollen: die Heldin, die sich weigert, Gnade anzunehmen!

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Lady Macbeth von Mzensk,B

Eine graue Wand, ein grauer Boden, ein großes Bett, spartanischer geht es nicht, und das ist genau die Atmosphäre jener Tage der tristen Daseins von ausgebeuteten Leibeigenen, kleinen Leuten und versklavten Frauen und Ehefrauen. Das ist die Welt, die Stalin nicht ertragen konnte, weil er sie nach seiner Utopie ändern wollte, sie aber nach und nach mit Todesurteilen, Verbannungen und Verboten vollends zestörte. Als Schostakovitsch die “Lady” komponierte, war er vielleicht zu jung und naiv, obwohl gerade seine 1930 uraufgeführte urkomische “Nase” nach Gogol wohl erfolgreich, aber nicht unkritisiert geblieben war und bereits das Stigma des Formalismus und der bürgerlichen Dekadenz trug, er war gerade 24 Jahre alt, frisch verheiratet und wahrscheinlich ziemlich verliebt. Denn dass diese bombastische, explosive, dramatisch vernichtende wie erotisch aufflammende Musik einen dermaßen lebensverneinenden Despoten wie Stalin nicht begeistern würde, hätte er wissen müssen. Und so komponierte und inszenierte er in sein lebenslanges Unglück direkt hinein.

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