Anwesend

Aufgehoben

 Texte aus der Sammlung Prinzhorn

 


Die Gaukler Gottes

 

   

Lebenszeichen aus der Anstalt

Theater Thikwa

Fidicinstr.40, Berlin-Kreuzberg

 Regie und Konzept: Gerd Hartmann

Mentorin: Bente Schmidt

Musiker: Manfred Effinger

Bühne und Kostüme: Pablo Alarc'con

Licht: Christian Maith

mit: Rafael Boczkowski; Sabrina Braemer; Jonny Chambilla, Thorsten Eisermann; Karol Golebiowski, Hand Morgeneyer, Andre´Nittel, Tim Petersen, ´Makiki Tominaga und Patricia Schulz

 

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Es sind kleine in Bilder umgesetzte Geschichten; Phantasien eher, die auf der Bühne in Kreuzberg gemeinsam von den gesunden und behinderten Mitwirkenden des Theaters Thikwa in eine träumerische Welt gehoben werden und - nur mit Sprachfetzen untermalt - auf intensive Bewegungsabläufe und körperliche Präsenz zielen. Das zum großen Teil aus Insidern bestehende Publikum - Verwandte, Betroffene, Freunde aus therapeutischen und heilpädagogischen Berufen - umgaben die Darsteller vom ersten Moment an mit einer vertrauten  behüteten Atmosphäre, was diese sicher zu einer überraschend gelösten Spielweise animierte. Zunehmend aber ging auch das milieufremde Publikum auf diese ungewöhnliche Arbeit ein und folgte mehr und mehr der Faszination, die von dieser authentischen und absolut unambitiösen Präsentation ausging. Es sind kleine, wunderbare Ausflüge in das Reich einer ungebremsten, wenn auch begrenzten Phantasie; die Dramaturgie hatte hierfür fünf Autoren ausgewählt, deren Schicksale vor vielen Jahrzehnten nicht immer ganz freiwillig in einer psychiatrischen Anstalt endeten.

So zeigen sich die  "Vorsündfluthliche" als auch die sich wiederholende Geschichte vom klugen und grausamen "König Parland", die Darstellung eines Lindwurms, die wundervoll getanzte Phantasie der "Bischofskonferenz", der überbordende Höhenflug einer neuen Vermessung der Welt (Türkei; Brief an den Anstaltsdirektor, 1919) als amüsante Parabeln und  Karikaturen der realen Welt. Die Sammlung Prinzhorn, der diese Stücke entnommen sind, enthält rund 5000 Arbeiten von etwa 450 Patienten psychiatrischer Anstalten aus der Zeit zwischen 1880 und 1920 aus dem europäischen Raum: Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Textilien, Skulpturen und schriftliche Aufzeichnungen.

Heute wird die schöpferische Kraft behinderter und gestörter Menschen mit Hilfe modernen Therapiebemühungen geweckt und gefördert und damit werden heilende Kräfte mobilisiert, die zu einer sensitiven Entwicklung ihrer Persönlichkeit und einem gestärkten Selbstbewusstsein beitragen. So wie es in diesem Theaterprojekt die Einbindung und Förderung der körperlich und geistig behinderten Frauen und Männer in das darstellende Spiel sichtbar bewirkt. Mit großer Spielfreude identifizieren sie mit den Wünschen und Ideen einer imaginären Welt, die für sie vielleicht eher greifbar ist als für den analytischen Verstand. A.C.