Außer Kontrolle

von
Ray Cooney

 


Eine Katastrophe kommt nicht allein

 


Deutsch von Nick Walsh

Regie: Martin Woelffer; Bühne: Tom Presting
Kostüme: Polly Matthies

Theater am Kurfürstendamm

mit: Romanus Fuhrmann, Jacques Breuer, Gisbert-Peter Terhorst, Violo Wedekind, Wolfgang Grindemann, Bruno Reinecker, Donald Gollmann, Sabine Urig, Kosntanze Proebster

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Kurz aufeinander folgt die Komödie "Außer Kontrolle" der Tragikkomödie "Feelgood", und für ständige Gäste der Ku'damm-Bühnen mag der Besuch beider Aufführungen zu einem interessanten Vergleich führen.

Es mag sein, dass dem Autor von "Außer Kontrolle" die Verwechlsungskomödien des brillanten französischen Stückeschreibers Georges Feydaux bekannt sind; jedenfalls weist sein dramaturgisches Konzept gewisse Ähnlichkeiten zu den Turbulenzen auf, mit denen beispielsweise "Der nackte Wahnsinn"  sein  Publikum stets von neuem zu höchstem Vergnügen mitreißt. Gerne füllen auch die "großen" Bühnen ihre Besucherstatistiken mit Garantie-Erfolgzahlen auf, die sich bei gut inszenierten Komödien todsicher ergeben. Aber was Ray Cooney - oder die Bearbeitung von Walsh/Woelffer? - leider vermissen läßt, ist eine straffe Strategie, mit der er seine Darsteller durch das Spiel purzeln läßt; die Verwirrung ist total und das Geschehen gleitet sowohl dem gewieften Minister wie auch wohl dem Regisseur am Ende sichtbar aus den Händen. Außer Kontrolle also. Hinzu kommt die deutlich aufgetragene politische Anspielung auf hiesige Politiker und Parteien, die der leicht spritzig-witzigen Farce um einen Beinahe-Ehebruch und einen Beinahe-Toten das Amüsement nehmen. Denn es ist kein politisches Kabarett, das hier vorgeführt wird, sondern es handelt sich um eine ziemlich verquere Beziehungskomödie, die vielleicht sogar in einem "normalen" gesellschaftlichen Umfeld besser angesiedelt wäre - wie man es beispielsweise von Alan Ayckbourn kennt.

Doch für die Darsteller großes Lob: allen voran windet sich mit Eleganz und Schlitzohrigkeit der bei einem kleinen Seitensprung ertappte Minister Willi - Romanus Fuhrmann souverän und eloquent- durch alle Spinnennetze, die sich immer wieder auftun, von dem Hotelmanager und seinem geldgierigen Kellner lustvoll gesponnen. Auf Tempo gespielt, folgt ein Unglück dem anderen, und im Strudel der seltsamen Ereignisse versuchen Jacques Breuer als total ausgebeuteter und gestresster Staatssekretär, Viola Wedekind als hilflos-hübsche Sekretärin Susi, ihr eifersüchtiger und mordlüsterner Ehemann Ronnie - Donald Gollmann - sowie Sabine Urig als Richards lebenspraktische Frau Pamela hin und wieder Luft zu schnappen. Und auch Konstanze Proebster als ernsthafte Komikerin und Krankenschwester wird um Atem und Durchblick ringend zwischen Balkon und Kabinett hin- und her geschoben, ohne recht zu begreifen, was hier eigentlich geschieht. Mittendrin ein bewusstloser Privatdetektiv, der den ganzen Trubel auslöst (Bruno Reinecker). A.C.