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Der Kontrabass
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Über die Einsamkeit eines Musikers
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Gastspiel im Theater im Palais
mit Jan Becker 2. Sinfonie (Brahms); Richard Wagner: Vorspiel zu Die Walküre; Carl Ditters von Dittersdorf:; Kontrabasskonzert Nr. 2 E-Dur; Wolfgang Amadeus Mozart: „L'amore è un ladroncello“, Arie der Dorabella aus (Nr. 29 aus Così fan tutte); Franz Schubert: Klavierquintett A-Dur D. 667
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Diese überwiegend heitere Reflexion über ein Musikerdasein, insbesondere das eines Bassisten ist ein Ein-Personen-Stück, das 1985 erstmalig mit großer Resonanz aufgeführt wurde und den zurückgezogen am Starnberger See lebenden Autor jäh ans Licht der Öffentlichkeit katapultierte. Wenig später folgte ein zweiter literarischer Funkenschlag Patrick Süskinds mit dem poetischen Thriller "Das Parfum". Jan Becker, der nach seiner Schauspielausbildung in München in vielen Theatern sehr unterschiedliche Rollen spielte, konnte zuletzt in Berlin im Kleinen Theater am Südwestkorso mit Morten Feldmanns traurig-heiterer Persiflage "Der perfekte Mann" bewundert werden; Jetzt plaudert er im Theater im Palais mal heiter, mal besorgt in tiefer Existenzkrise über sein Schicksal als 35jähriger Orchestermusiker - Bassist am 4. Pult, einen Posten, den er wohl nie mehr verlassen wird - oder doch? In nachlässigem Alltagsoutfit erzählt Becker's Kontrabassist auf freier leerer Bühne, zeitweilig auf einem alten Hocker thronend, von seiner verzweifelten unerwiderten Liebe zur schönen Sopranistin Sarah, vor allem aber von seiner Hass-Liebe zu seinem Instrument, mit dem der Musiker zur lebenslänglichen Zweisamkeit verurteilt ist. Was bleibt dem armen Bassisten da anderes übrig, als zu träumen, zu wüten, zu weinen - und zu trinken; denn der einzige Ausweg aus dem scheinbar ausweglosen Lebenslauf, der bis ans Ende einem Streicher in seiner Position vorgegeben zu sein scheint, wäre ein absolut über sich selbst hinauswachsender Auftritt - ein Befreiungsschrei mitten unter Menschen, die der Eigenbrötler zu meiden gelernt hat. Und dennoch: dieser Mann liebt die Musik über alles, und irgendwie auch seine Partien, mögen sie noch so selten und wenig melodiös erscheinen, mögen sie auch "nur" als Grundierung für den Orchestersound dienen, der sich über die dunklen Streicher legt, mag der Notenumfang, der dem Instrument vorgegeben ist, auch noch so gering sein - die Musik, die Becker dann einspielt ( s.n.) ist so schön, dass man den Einsamen da oben am Schlafittchen packen, ihm seine zahllosen Bierflaschen entreißen und ihn hinaus stoßen möchte - mitten hinein ins Leben. Aber er wird zurückkehren und seinen unhandlichen, dröhnenden und für ihn nun auch schon bedrohlichen Partner mitnehmen müssen, sich mit dem schweren unförmigen Gefährten durch Straßen und Menschenmengen schleppen, in U-Bahnen und Busse zwängen und doch letzten Endes immer wieder dort ankommen, wo er zuhause ist: im Orchestergraben. Während der Bassist nun in seiner schallgedämmten Wohnung über sein Schicksal reflektiert und zuweilen trotz aller Lethargie zumindest rhetorisch aufbegehrt, die Eigentümlichkeiten der Psychoanalyse treffsicher aufspießt, sich über Komponisten wie seinen Lieblingsfeind Wagner mit treffendem Witz mokiert, kaschiert er seine beängstigende Einsamkeit mit beißendem Spott. Seine heftigste Attacke gilt zwar dem Kontrabass, aber auch anderen Instrumenten, wie der Pauke, mit deren Begrenztheit er eine Parallele zum täglichen Musikertrott, zum Manierismus mancher GMD' s, der Eitelkeit der Dirigenten und dem Neid der Kollegen aufzeigt! Über allen schwebt überlegen und unerreichbar der einzigartige göttliche Sopran seiner Angebeteten Sarah, die ihn noch nie gesehen und aus dem Orchester herausgehört hat, obwohl er immer ganz besonders schön spielt, wenn sie auf der Bühne steht... Ein amüsantes und bewegendes Spiel, das Jan Becker im Palais anbietet. A.C.
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