|
Der Widerspenstigen Zähmung von William Shakespeare
|
Ein amüsantes Spiel um den ewigen Kampf der Geschlechter |
|
|
am Monbijouplatz
Lady, Katharina - Kristin Giertler Sly, Petruchio - Michael Schwager Butler - Carsta Zimmermann Gaukler - Roger Jahnke Gaukler - Ina Gercke Gaukler - Thomas Kornmann Regie, Fassung - Jan Zimmermann Kostüme - Isa Mehnert Musik - Mila Morenè |
Das Hexenkesselhoftheater inszeniert als zweites Stück dieses Sommers von William Shakespeare "Der Widerspenstigen Zähmung". Wie schon bei Goldonis "Diener zweier Herren" war ursprünglich geplant, direkt vor dem Portal des Bodemuseums, zu spielen. Dies wurde nicht rechtzeitig fertig, und das Ensemble hat innerhalb kürzester Zeit eine nicht alltägliche Ausweichlösung gefunden. Sie spielen zeitweise auf einem alten Lastensegler namens "Marie", der auf der Spree gegenüber vom Monbijoupark angelegt hat. Er ist mit Stuhlreihen und einer simplen Bühnenkonstruktion beladen. Aber durch vier säulenartige rote Samtvorhänge wird aus dieser improvisierten Lösung schnell eine Bühne, auf der die Lust und das Leid dieser Welt zu Hause sind. Shakespeare griff bei der Ausgestaltung der Haupthandlung um Katharina und Petruchio auf ein beliebtes Erzählmotiv zurück. Zahlreiche volkstümliche Geschichten der elisabethanischen Zeit handeln von eigenwilligen und wortgewaltigen Frauen und thematisieren den Machtkampf in der Ehe. In der Hexenkessel-Bearbeitung ist diese Ehe nicht real gegeben, sondern bloß ein sadistisches Spiel zur Unterhaltung der gelangweilten Lady: Eine von ihr engagierte Gauklertruppe, deren Auftritt sich lautstark von der anderen Seite der Spree ankündigt, soll dem gerade aus dem Rausch erwachten Kesselflicker Sly weismachen, dass er ein Lord sei. Die Gaukler versuchen eine erhabene klassische Tragödie zur Unterhaltung und Ertüchtigung des vorgeblichen Lords aufzuführen. Dieser, in seiner einfachen Art, geht darüber hinweg und verändert das ihm vorgestellte Stück. Die Lady steigt als seine Frau ins Spiel mit ein. Doch das willfährige Opfer Sly erweist sich als geschickter Gegenspieler, der die ehelichen Pflichten von seiner angeblichen Gattin einzufordern versucht. Es entwickelt sich eine wortwitzige und unterhaltsame Komödie, bei dem die eigentliche Handlung Shakespeares immer mehr an Kontur gewinnt. Dadurch verstärkt sich der Spiel-im-Spiel-Effekt, und die Ebenen beginnen miteinander zu verfließen. Die von der Lady engagierte Gauklertruppe eröffnet diese Doppelbödigkeit und erweitert sie in der Hexenkessel-Produktion noch zusätzlich, da das fahrende Volk, in seiner Abwägung zwischen ökonomischen Zwängen und Kunstanspruch, ein Spiegelbild des eigenen, freien Ensembles darstellt. In dieser Selbstbeleuchtung fallen historische und faktische Realität zusammen. Mit schier unbändiger Spiellust wechseln alle Spieler außer der Lady/Katharina und Sly/Petruchio immer wieder ihre Rollen. Es ist wundervoll, zu erleben, wie Carsta Zimmermann, als Diener des Petruchio, dessen Landhaus zu reinigen versucht. Das Ensemble versteht es meisterlich, Shakespeares Wortwitz und Dynamik aufzunehmen. In der Bearbeitung wird dabei eine zeitlose Sprache gewählt und immer wieder auf den eigentlichen Ort der Handlung, der "Marie", Bezug genommen. Und so lassen sie die "Zähmung" der Widerspenstigen deutlich werden. Die Hexenkessel-Fassung ergänzt das Original auch noch um ein schlüssiges Ende der Rahmenhandlung, in der die ursprünglichen Verhältnisse wieder hergestellt werden. Vielleicht war auch alles nur ein Traum... Die Inszenierung wird noch bis zum 9. September dienstags bis samstags jeweils 19.30 Uhr gezeigt. Matthias Herbig
|