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Theater
am Kurfürstendamm
Regie:
Ingolf Lück und Hans Kieseier, Ausstattung: Gabriella Ausonio; Musik:
Ingolf Lück
mit: Ingolf
Lück, Nicola Ransom, Alexis Kara, Oliver Dupont |
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Dies ist kein Krimi im üblichen Sinne -
dass es uns graust und gruselt und wir es vor Spannung nicht mehr
aushalten. Ursprünglich schon, da haben die beiden berühmten Autoren
eine spannungsgeladene knisternde Story geschrieben und verfilmt bis zum
genialem Schlusspfiff, wo sich der Handlungsbogen wieder schließt.
Aber wie bekommt man so eine so großartige, ironisch und effektreich in
Szene umgesetzte Geschichte auf die Bühne? Zumal die Handlung
mittlerweile hinreichend bekannt ist und kaum noch Überraschung
verspricht und der große Hitchcock ohnehin unübertroffen bleibt? Patrick
Barlox hat sich eine vielfach prämierte Bühnenfassung ausgedacht, und
die ist schlichtweg überzeguend.
Er simuliert einfach alle brillanten Einfälle des Films in stilisierter
Form, läßt vier Schauspieler in mehr als 50 Rollen auftreten, während
der Hauptdarsteller, jener Richard Hannay, der - natürlich - unschuldig
eines Mordes verdächtigt wird und sich vor Polizei und den Ganoven des
Spionageringes "Die 39 Stufen" nun durch Nacht und Nebel hechtet, alle
Hindernisse in einer abenteuerlichen Suche nach dem Geheimnis von London
nach Schottland und zurück grandios bewältigt. Ingolf Lück, der diesen
standfesten mutigen Vaterlandsretter spielt, führt auch Regie, lässt die
Handlung blitzschnell rotieren, gönnt den hervorragenden Komödianten
kaum Minuten zum Rollenwechsel, führt gescheit und witzig und mit wenig
Requisiten (4 Stühle, eine Tür) durch die Turbulenzen der Liebe und
Intrige, durch Kampf und Mord, karikiert Fluchtszenen über die Forth
Bridge, Stunts aus rüttelnden Zügen, Verfolgungsjagden in Oldtimern und
Hubschraubern, die wie Fledermäuse als Schattenspiel hinter einer hellen
Leinwand im Sturzflug heranjagen. Verirrung und Verwirrung im
schottischen Hochland und schließlich das überraschende Finale im
Londoner Palladium...
Neben dem souveränen Helden des
Spiels, der mit englischer Gelassenheit und Beharrlichkeit alle
Kunststücke dieser Welt zustande bringt, zudem noch à la James Bond die
schönen Frauen am Wegesrand erobert, wie die unheimliche fremdländische
Spionin Pamela, die in seiner Wohnung leider jäh ermordet wird, nachdem
sie ihr dunkles Geheimnis dem überraschten Hanny ansatzweise verraten
hat, die blondgezopfte Naive aus dem schottischen Hochland, die mit
einem Bärbeißer von Mann verheiratet ist, der so perfekt bayrisch
grantelt, dass man kein Wort versteht und der tapferen Margaret, die den
vermeintlichen Mörder vehement bekämpft, bis sie, mit Handschellen an
ihn gekettet, ihm wohl oder übel folgen muss. Nicola Ransom genießt den
Rollenwechsel der drei Grazien mit wechselnden Perücken, graziler
Körpersprache und Temperament, was unser Auge sehr erfreut. Alexis Kara
und Oliver Dupont schlüpfen mit sparsamen Kostümwechseln und köstlicher
Verstellung artistisch in die übrigen 46 Rollen und bereiten
fortwährendes Vergnügen. Dann gibt es noch Florian Schröder, der als
Erzähler aus dem Off mit typischem Krimi-Drive die Handlung
geheimnisvoll vorantreibt. A.C.
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