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Die Gaunereien des Scapino
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Klassische Komödie in der Klosterruine
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Regie: Vladislav Grakovski, Kostüm: Renate Giersch; Ton und Licht: Michael Duckstein-Neumann; Regieassistenz: Karolin Horn, Intendanz: Nelly Eichhorn; Assistenz: Julia Cozic Scapino: Moritz Gaa,
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Zwei Jahre vor seinem Tode schrieb Moliere 1671 "Scarpins Streiche", eine etwas andere Übersetzung der jetzt in der Klosterruine gespielten Fassung des "Sommertheaters am Alex". Hier trägt es den Titel "Die Gaunereien des Scapino" und assoziiert damit eigentlich etwas mehr Schärfe als gedacht ist; denn dieser gewitzte und gewiefte, dieser eloquente, witzige und waghalsige Scapino ist wohl eigentlich ein Mann so recht nach dem Herzen der kleinen Leute, die sich von den Launen der Mächtigen abhängig und schikaniert fühlten. Zwar ist dieser Held auch nur ein Bediensteter, aber er weiß, wie man sich durchsetzt: mit dem Herzen auf dem rechten Fleck zeigt er sich als ein kluger, und wenn es denn sein muss, auch schon einmal zu seinem Vorteil bedachter junger Mann, der seinen diebischen Spaß an einer verngülichen Intrige, und wenn man so will, von Zeit zu Zeit auch an kleinen Gaunereien hat. Um seinen Einfallsreichtum werben zwei junge Herren aus reichem Hause, die nur leider äußerst verbohrte, engstirnige und geizige Väter über und gegen sich wissen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen, um ihre Interessen durchzusetzen. Aber sie wissen, dass Scapino über jenen Witz und Mut verfügt, der ihnen abgängig ist. Und so zeigt er uns und den verliebten Angsthasen, wie man mit ihren störrischen Vätern umgehen könnte - indem man ihnen das für eine Heirat notwendige Geld aus der Tasche zieht und wie unverfroren Scapino das anstellt, das ist schon ein außerordentliches Vergnügen und würde ihn zum Diplomaten allerersten Ranges erheben... doch er ist nur ein fintenfertiger, trickreicher Held der gesellschaftlichen Außenseiter, der von Gunst und Gabe seiner vermögenden Herren abhängig ist und bleiben wird, und der es für sich selbst wohl niemals zu Reichtümern bringen wird. Aber das auch ist nicht des Dichters Anliegen: er zeichnet, wie in den meisten seiner glänzenden Gesellschaftssatiren die Entlarvungen menschlicher Schwächen auf wie auch Goldoni mit seinem "Diener zweier Herren". Gleichermaßen wirbelt und schaukelt, rennt und überschlägt sich Scapino mit artistischem Körpereinsatz und und unerschöpflichen Einfällen durch die verzwickten Situationen, sein Ziel immer und unnachgiebig vor Augen - ein Mann, der nicht aufgibt, der seinen Verstand dazu benutzt, durchzusetzen, was er vorhat: wohlgemerkt, das ist nicht wenig, nämlich zwei außerordentlich am Geld hängenden Kaufleuten eine große Menge von Goldtalern abzuluchsen! Diesmal alles in altruistischer Absicht - obwohl Scapino genau weiß, dass sein Erfolg sich in der Gunst der jungen Herren letztlich auf ihn auswirken wird. Seine Gaunereien, seine kleinen Hinterlistigkeiten, seine Methoden sind nach des Volkes Geschmack. Doch, abgesehen von dem großartigen Einsatz dieser Schauspieltruppe in passenden historischen Kostümen - allen voran Moritz Gaa als quicklebendiger Scapino und sein ebenso über die harten Bühnensteine kullernder Partner Florian Kashani als Silvestro, ebenfalls von Beruf Diener - fehlt dieser Inszenierung dann doch der Molière'sche Esprit; sobald man seine pfeilspitzen Bonmots und Tiefsinnigkeiten aus dem Versmaß in schlichte deutsche Prosa überträgt, verlieren die Dialoge leider an Lebendigkeit und Charme. Was bleibt, ist ein arg lang gestrecktes hübsch verzwicktes Kommödchen, das trotz aller Widerstände alle zusammenführt, die zusammengehören, die Liebenden vereint, die Väter über den Geldverlust durch die nun doch standesgemäße Verwandtschaft hinwegtröstet und die Bräutigame, die hier ziemliche Einfaltspinsel darstellen sollen, ins gelobte Land der Liebe führt. Ob sich die zerstörte Klosterkirche wirklich so restlos eignet für ein turbulentes Spielchen dieser Art? Es ist doch letztlich eine sehr große Hallenfläche, die hier überspielt und gefüllt werden muss, und als Zuschauer, der keinen Stuhlplatz mehr erwischt, doch etwas strapaziös trotz Sitzkissen, aber ohne Rückenlehne auf den Steinen zu sitzen. Auch kann zuweilen die angrenzende lebhafte Straße, deren Schall auch der kleine Kirchgarten kaum auffangen kann, die Konzentration ein wenig beeinträchtigen. Dennoch, es ist ein löbliches Unterfangen, an diesem Ort ein Sommertheater anzubieten, das doch recht vergnüglich stimmt und den temperamentvollen Schauspielern einen Platz anbietet, an dem sie ihrer Passion frönen dürfen, die von dem seit 1992 bestehenden Förderverein Klosterruine e.V. unterstützt wird. Seit April spielt das Sommertheater am Alex unter der Leitung von Nelly Eichhorn auch "Die Möwe" von Anton Tschechow sowie das Kinderstück "Herr Sturm und sein Wurm". A.C.
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