Doppeltüren von Alan Ayckbourn
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Nichts ist so wie es einmal war...
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Leoprechting
Regie: Folke Braband Ausstattung: Stephan Dietrich Musik: Jeff Tarlton mit: Wolfram Teufel, Milena Dreißig, Doris Prilop, Norbert Braun, Magdalene Artelt, Romanus Fuhrmann |
Sir Alan Ayckbourn, in Anerkennung seiner Verdienste um das britische Theater 1997 von der Queen geadelt, hat ein neues Stück geschrieben - und es ist spritziger, pfiffiger, schwarzhumoriger als die meisten seiner bisherigen Bestseller- und Folke Braband, Hausregisseur an der Tribüne, bei den Vaganten und zeitweilig auch an den Ku'damm-Bühnen. Er hat es auch diesmal trefflich verstanden, sein Team den Geist des sparsam-tiefgründigen britischen Humors tief einatmen zu lassen. - ein bisschen könnte man hier und da noch cooler agieren, sparsamer mit der Gestik umgehen, verhaltener den makabren Witz verstreuen; doch im Ganzen hat die Tribüne wieder - nach "Ladies Night" - einen absoluten Renner auf die kleine, trefflich eingerichtete Bühne gebracht. Eine Nobelsuite in einem Londoner Fünf-Sterne-Hotel anno 2025! Zwei alte Männer haben sich eine flotte Prostituierte bestellt, doch lahm und taub steht dem betagten Geschäftsmann Reece der Sinn weder nach der Peinigung von einer Domina noch nach sonstigen Liebesdiensten - er will lediglich ihre Unterschrift unter sein schreckliches Geständnis, das den Mord an seinen beiden Ehefrauen beichtet. Schon dieser Auftakt ist grandios! Magdalene Artelt als Prostituierte Phoebe (Poopay) im blitzenden schwarzen Lederlook und mit einer schweren Tasche, die keine leichte Fracht beinhaltet, versteht die Welt nicht mehr. Ihre Ängste sind, als sie das furchtbare Geständnis begreift, durchaus nachvollziehbar; und so wandelt sich die kesse Dirne, schneller als ihr lieb ist, in ein ängstliches kleines Mädchen mit nun ganz und gar unpassendem outfit. Als der Geschäftspartner und Betreuer von Reece, ebenfalls recht betagt, der Kleinen nicht an die Wäsche, aber dafür an den Kragen will, flieht diese flink durch eine Seitentür. Und nun beginnt das köstlich-„erschröckliche“ Geschehen, das sich futuristische Kriminalkomödie nennt; denn Phoebe flieht in eine Zeitmaschine und landet 20 Jahre zuvor bei der zweiten Frau von Reece, am Abend vor ihrer Ermordung... Na, hier darf nun wirklich nicht mehr verraten werden. Die Inszenierung bereitet nämlich so viel Spaß, dass man sich das Stück - auch wenn die Spannung nun nicht mehr so taufrisch ist- ein zweites Mal ansehen sollte; dann nämlich erst werden die letzten feinen Gemeinheiten und bizarren Hintergründigkeiten transparent, mit denen der große englische Autor seine Stücke zu würzen beliebt (bisher allein 64 Bühnenwerke!) . Und es ist meistens scharfer Tobak, den er seinen Mixturen aus Komödie und Tragödie beigibt. Hier schlurfen und röcheln ganz vorzüglich zwei alte Millionäre, und man möchte beinahe Mitleid mit ihrnen haben, wären sie nicht so hundsgemeine Mörder. Reece ist der klapprige Greis, den kurz vor seinem Tode doch noch so etwas wie ein Gewissen plagt, von Wolfram Teufel prachtvoll parodiert, und Norbert Braun ist sein gänzlich unmoralischer Partner Julian, der sogar noch abgebrühte Liebesdienerinnen das Fürchten lehren kann. Das Geschehen wandert jetzt durch die Zeiten: mal spielt es im Jahr 2025, wo es beginnt und enden wird, dann im Jahr 2005 und weiter davor 1985 - immer sind es äußerst wichtige Lebensmomente, die von drei beherzten Damen angesteuert und - dank ihrer Courage schicksalshaft verändert werden. Doris Prilop als zweite Frau Reece hat der Regisseur vielleicht eine Spur zu herb gezeichnet, denn immerhin ist sie einmal eine Millionärsgattin geworden, und ihren Charme so gänzlich einer herben Burschikosität zu opfern, ist nicht eben recht. Denn wie gewinnend Frau Prilop sein kann, wissen wir aus ihren herrlichen Auftritten als Harolds überdrehter Mutter in "Harold und Maude", in "Herz über Bord" als trefflich taktierende Politikerin, in "Abigals Party" als nervige Gastgeberin und als Spitzenreporterin in "Antigone". Vielleicht ließe sie sich besser in andere Kleider stecken - das würde schon genügen! Milena Dreißig wandelt sich vom Hochzeitspüppchen in eine sehr resolute Dame, die weiß, wie man den Mutterkomplex böser Männer ausnutzt. Und Romanus Fuhrmann verwandelt seine Rolle als Hoteldetektiv vorzüglich in neue parodierende Rollen mit der dienstbaren Beflissenheit des Untergebenen und mit der Arroganz des Aufsteigers. Die Aufführung hält wunderbarerweise den Spannungsbogen der Handlung. Selbst als die wichtigste Szene in gefährlichen Klamauk auszuufern droht, kann das Rad der Zeit mit plötzlich verhaltener Rückführung auf die Schicksalswende das Rad der Zeit wunderbar zurückgedreht und der besorgte Zuschauer erneut in Spannungversetzt werden. So wird alles ganz anders als es je war. Die Darstellung von Wahrheit, Mut und Menschenkenntnis, Vorausschau und konsequentem Handeln bedarf nicht immer einer Zeitmaschine. Wie auch sonst ist Ayckbourn in erster Linie Moralist und Gesellschaftskritiker - ein George Bernhard Shaw unserer Tage, nur dass er liebevoller und nachsichtiger mit dem Menschengeschlecht umzugehen versteht. A.C.
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