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Eine verrückte Verwechslung von Gioacchino Rossini
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Burleske a la Bolognese |
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Dramma giocoso in zwei Akten Libretto von Gaetano Gasbarri Musikalische Leitung: Alberto Zedda Szenische Einrichtung: Gerlinde Pelkowski Chöre: Hellwart Matthiesen, Kostüme: Dorothea Katzer-Dittrich Am Cembalo: Ugo D' Orazio Ernestine: Silvia Tro Santafé Gamberotto: Bruno Praticó Buralicchio: Lorenzo Regazzo Ermanno: Antonio Siraguse Rosalia: Andion Fernandez Frontino: Walter Pauritsch
Kurz gefasst: Der deutschen Oper, die
schnell und geschickt der Komischen Oper und der Neuköllner Oper das
Sujet stibitzt hat, dazu noch mit dem großartigen Rossini-Experten
Alberto Zedda einen Dirigenten gewinnen konnte, dem, noch bevor er
überhaupt den Taktstock hob, bereits alle Herzen zuflogen, ist ein
glücklicher Auftakt in die Saison gelungen. |
Zwei junge Männer haben 1811 eine verrückte Oper geschrieben: der 19jährige Komponist Gioacchino Rossini aus Bologna und der Librettist Gaetano Gasbarri aus Venedig. Die deutsche Übertitelfassung im Jahre 2005 hat Antje Müller nach der Übersetzung von Reto Müller so lässig und pikant gefasst, dass sich der totale Blödsinn (nicht nur) dieser Opera Buffo voll entfaltet. Man darf und sollte einen ebensolchen Spaß an dem Spiel haben wie wohl seinerzeit die beiden übermütigen Verfasser. Dass das biedere, reiche Bürgertum von Bologna als Auftraggeber mit einer solch frech-frivolen Version einer Liebesgeschichte nicht einverstanden war - versteht sich vielleicht daher, dass sich so mancher in dem zu Reichtum und Ansehnen gekommenen protzenden Bauern Gamberotto wiederfand!? Wie auch immer: Die Deutsche Oper hat schnell und geschickt der Komischen Oper und der Neuköllner Oper das Sujet stibitzt und konnte dazu noch mit dem großartigen Rossini-Experten Alberto Zedda einen Dirigenten gewinnen, dem, noch bevor er überhaupt den Taktstock hob, bereits alle Herzen zuflogen. Somit ist ein glücklicher Auftakt in die neue Saison gelungen. Dass diese reizende, überaus gelungen konzertant aufgeführte und gespielte Geschichte nur zweimal zur Aufführung kommen soll, darf deshalb eigentlich nur ein Witz sein. Es ist ja nun auch völlig egal, ob die Musik die Ausgefeiltheit eines späten Rossini, die Eleganz seiner reiferen Werke hat oder ob sie in ihren Kinderschuhen noch etwas übermütig über strenge Kompositionskriterien hinausschieß; wichtig ist, dass hier ein Abend mal wieder absolute Freude bereitet! Alles in allem eine musikalische Schönweide, die hier mit hingebungsvollen Musikern und wunderbar agierenden Sängern bestückt ist. Das Orchester sitzt vor dem mächtigen Bild eines romantischen Schlosses (Vorbild Chalottenburg oder Neues Palais?) und vor den mit Wandbehängen von glitzernden Prunksälen. Es mfolgt den temperamentvollen, bis in die feinsten musikalischen Spitzbübeleien ausbalancierenden Anweisungen seines Dirigenten. Und so wechseln die Musiker zum Entzücken aller Rossini-Fans abwechselnd von megaschnellen Tempi in pikanteste Pizzicati einer sterbensschönen Lyrik. Dazu ein köstliches Buffo-Parlando, in dem die beiden Bässe - Bauer und Schwiegersohn - sich selbst, mit Goldketten und taubeneiergroßen Ringe angebend, glänzend parodieren. Auch die junge Schöne, des Bauern Tochter Ernestina, um die sich wie gewöhnlich zwei edle Männerherzen etwas tolpatschig streiten, ist von markanter Stimme und lässt ihren voluminösen Mezzo bis zum Kronleuchter hinauf schwingen - auf dass ein jeder sogleich wisse, wer hier die Fäden in der Hand hat, nämlich die ebenso energische wie reizende Spanierin Sivia Tro Santafé. Ernestinas leidenschaftlicher Verehrer Ermanno, der Italiener Antonio Siragusa, verführt allein schon durch seinen schmelzenden Tenor, und da stört es wenig, dass er gar kein echter Philosophieprofessor ist. Obwohl sein Gegenspieler Buralicchio, ein eitler Schönling und Schwachkopf, mit dem Venezianer Lorenzo Regazzo bestens besetzt, immerhin einen schönen schwarzen Haarschopf, die Gabe zum Clown und einen modulationsfähigen Bass besitzt. Doch er hat bei der Braut mangels jedweder klassischer Bildung keine Chance. Wie überhaupt eigentlich alle ganz schön von sich eingenommen sind und mit ihrer Halbbildung um sich werfen- ein hübscher und sicher zu damaligen Zeiten schwer verdaulicher Seitenhieb auf die arrogante reiche Bürgerschaft im so gelehrten ("dotta") Bologna. Andion Fernandez als Ernestinas Kammerzofe Rosalia ist mit ihrem klaren Sopran ihrer Herrin darstellerisch ebenbürtig ist, was für die bestens harmonierende Ensemblezusammenstellung spricht. Am seriösesten ist hier der Kammerdiener Frontino. Auf seinen sicheren schönen Bass und seine Freundschaft kann man sich verlassen (Walter Pauritsch). Frontino tut harmlos und erfindet doch die verrückteste Lösung, um das Liebespaar zusammenzuführen. Der wohlbeleibte und betuchte Gamberotto (Bruno Praticó) als sympathische Karikatur des Neureichen schlägt alle anderen Dummköpfe um Nasenlängen. Darum geht es hier. Das Publikum goutierte den spritzigen Theaterspaß mit langem Beifall. A.C. |