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Enigma (Rätsel) von Eric- Emmanuel Schmitt zur Zeit nicht im Programm
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Bitter-süßes Liebes-Melodram |
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Regie: Volker Schlöndorff Bühne: Werner Hutterli Kostüme: Uta Loher
mit Mario Adorf und Justus von Dohnányi
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Der 35jährige Eric-Emauel Schmitt, Bestseller-Autor von "Oscar und die Dame in Rosa" und "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" hat ein geistreich-witziges, gleichwohl bitter-süßes Liebes-Melodram geschrieben, in dem die Frau, die zwischen zwei Männern steht, niemals leibhaftig auftritt. Aber sie ist anwesend, so sehr, dass die Kontrahenten sie am Ende des langen mühseligen Ringens um Wahrhaftigkeit körperlich spüren. Und für das Publikum ist sie auch anwesend, nicht nur auf dem sinnlichen Gemälde einer Frau am Meer, das den Vorhang schmückt. Dass wir das wahrnehmen und vieles mehr, ist vor allem Schlöndorffs (Grass- und Böll-Regisseur) subtiler Regie zu verdanken und Mario Adorf, der den eitlen, weltabgewandten Einsiedler hoch droben auf einer nordischen Insel mit allen ihm zur Verfügung stehenden darstellerischen Mitteln spielt. Und derer sind beträchtlich viele. Also, dieser griesgrämige Sonderling, Nobelpreisträger immerhin, Verfasser von 20 hochgeachteten Werken zu Fragen der Philosophie, hat nun ein 21. Buch herausgegeben - in einem Sujet, das man von ihm nicht erwartet hatte, das aber gleichwohl wie eine Bombe auf dem Markt einschlägt - einen Liebesroman. Er beschreibt die Leidenschaft zweier Menschen, die ihre Glut erhalten wollen, indem sie sich trennen - für immer - und einander fortan nur noch schreiben. das aber gründlich und täglich. Nun erhält der berühmte Autor Besuch von einem sehr viel jüngeren Journalisten, dem ersten und einzigen, dem er ein Interview gewährt hat. Allerdings empfängt er diesen auf wenig gastliche Weise - indem er ihm zwei Schrotkugeln um die Ohren jagt, ihn permanent aufs Gröbste beleidigt und mehrmals hinauswirft. Doch immer, wenn der Journalist entnervt den Mantel ergreift, um wieder mit dem Schiff zum Festland überzusetzen, holt ihn der Professor zurück. Erste Merkwürdigkeit. Zweite: Warum nur bohrt und forscht der Reporter so beharrlich in der Romangeschichte des Autors, die angeblich reine schriftstellerische Intuition und die kunstvolle Beschreibung einer großen Liebe ist. Warum? Die psychologisch fein gesetzten Finten zu enthüllen, durch die das Geschehen in Gang gehalten wird, nähme dem Erstbesucher des Stückes die Spannung und der schauspielerischen Leistung ihre Einmaligkeit. Womit sich die Frage stellt: Ist "Enigma" mehr als nur eine hübsche Eintagsfliege, die um das Problem von Ehe, Liebe und Leidenschaft herumschwirrt? Kann man alle drei unter einen Hut bringen? Oder ist nicht letztendlich die Frage nach eben diesem immer neu erzählten Rätsel zeitlos und ewig? Hier geht es gleichsam um einen Brunnen, in den der fällt, der sich in seinen Gefühlen nicht mehr abzustützen vermag. Sind Trennung und Verzicht die Lösung oder nur der Widerschein der eigenen Menschenangst und Bindungsunfähigkeit? Bedeutet aber andererseits Bindung den Tod jeder Leidenschaft, die Aufhebung aller Geheimnisse, die die Liebe umgeben? Und - gibt es nur die eine oder die andere Lösung? Wo immer glühende Leidenschaft walten soll, würde der Mensch verbrennen. Der Schriftsteller im Stück weiß das; aber er lässt anderseits keine Annäherung, keine Veränderung zu, die seine Illusion einer immerwährenden Leidenschaft in einen Reifeprozess verwandeln könnte. . Eine schöne Anreihung von ewigen Fragen und aparte Antworten in diesem mit Knallbonbons reichlich bestückten kleinen Salondrama. Für das Renaissance Theater ein guter Griff. A.C.
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