Frauenzimmer

von und mit
 Claudia Wiedemer und Rüdiger Krause

 

Ein höchst lebendiger Abend

 der Morde und Selbstmorde 

     

Moritaten - ernst und heiter

  Theater unter dem Dach

Die „Trilogie der klassischen Mädchen“ wird im Theater unterm Dach wieder vom 17. bis 19.5.2006 gespielt.

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„Claudia Wiedemer und Rüdiger Krause singen und spielen deutsches Volksliedgut, Küchenlieder und Moritaten. Die Quote derjenigen Besungenen, die ihr Lied nicht überleben werden, ist hoch. Um genau zu sein: es sind durchschnittlich 1,4 Leichen pro Lied.“

Wer sich von dieser Ankündigung nicht abschrecken lässt, wird aufs aller Angenehmste überrascht von dem Liederabend, den die beiden Akteure bereits 2001 in Dresden erarbeitet haben. Es ist kein Vortragsabend im klassischen Sinne, sondern Claudia Wiedemer singt, spielt, ja lebt die Menschen, die in den Liedern verewigt wurden. Rüdiger Krause begleitet sie dazu auf der Elektro-Gitarre, wobei auch er immer wieder musikalische Kommentare beisteuert und damit seinen Teil zum Spiel beiträgt.
Der Abend beginnt mit einem Lied, in dem ein Soldat stirbt und seine Mutter am Totenbett aus Trauer auch stirbt. Claudia Wiedemer zündet für die beiden „Verstorbenen“ je eine Kerze an, was sie bei den weiteren Liedern wiederholt. Es herrscht Betroffenheit und Sprachlosigkeit im Publikum. Vielleicht fragt sich mancher, ob dies hier nicht etwas viel wird für das Seelenkostüm. Und sofort wird diese Stimmung gebrochen von der Ironie, mit der Claudia Wiedemer in der Rolle einer Moderatorin den Abend eröffnet.
Inhaltlich geht es in den Texten immer wieder um das Thema Liebe, Liebeskummer, Schmerz, Verlust, Rache, Gier, Freiheit und Tod. Da werden Liebespaare, Geister, Ritter und sogar Wolga-Donkosaken besungen.
Es gehört schon eine große Portion Mut dazu, in unserer Zeit einen Abend zu gestalten, in dem es immer wieder um den Tod geht, der doch gar zu gern tot geschwiegen wird. Aber was diesen Abend so spannend macht, ist nicht der thematische Rahmen, sondern wie Claudia Wiedemer die Besungenen immer wieder lebendig werden lässt. Schon in der „Trilogie der klassischen Mädchen“ „Käthe“, „Johanna“ und „Grete“ konnte man bewundern, wie spielwütig sie zwischen den doch so unterschiedlichen Figuren hin und her sprang. Da wurden der Teufel genauso wie das unschuldige junge Mädchen oder der eifernde Diener oder die pikierte Diva lebendig erfahrbar für das Publikum gestaltet. Dabei hat sie manchmal eine unheimliche Art, am Abgrund zu balancieren. Ihr Spiel wirkt improvisiert lebendig und sie nimmt sich selbst nicht so tief ernst dabei. Das zeigt sich auch darin, wie sie ein Lied über einen Mann ankündigt und sich dann erstmal Zeit nimmt, um die Stirnfalten dieses Mannes in ihr Gesicht zu bekommen oder darin, wie sie erst dem Publikum den Inhalt eines Liedes erzählt, damit sie sich „... ganz auf den Ausdruck konzentrieren kann, statt auf die Aussprache.“
Damit schaffen es die beiden Protagonisten trotz des schwierigen Grundthemas, den Abend spannend, lebendig und immer wieder überraschend zu gestalten. Sie liefern einen eindrucksvollen Beweis, dass es möglich ist, dem Tod mit Leichtigkeit zu begegnen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass es weitere Aufführungen dieses erlebenswerten Kunststücks gibt.  M. Herbig