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Geschichte einer Liebe von
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...zu empfehlen der Frauen wegen... |
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Deutschsprachige Erstaufführung Uraufführung 1995 in Melbourne
Regie: Ulrike Jackwert Bühnenbild: Werner Hutterli Deutsche Übersetzung: Inge Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting Kostüme: Gabriele Kortmann
mit Judy Winter, Walter Kreye, Elisabeth Baulitz und Claudia Geisler Fehlte bei der Premierenaufführung vielleicht noch die Sicherheit der Identifikation oder das Vertrauen in die Stärken des Textes, so hatten weitere Aufführungen zum Wohl des Stückes das Tempo stark angezogen. Allerdings wird vom Besucher eine starke Aufmerksamkeit abverlangt, damit er die geistreiche, leidenschaftliche und mit ironischen Spitzfindigkeiten gewürzte Konversation um das Wesen der Liebe verfolgen kann. |
Es ist ein Beziehungsdrama, in dem Honor mit 60 Jahren jäh vor das Trümmerfeld einer 32jährigen glücklichen Ehe gestellt wird. Judy Winter (als Honor) spielt diese Dame mit der ihr eigenen beherrschten Distanz und Eleganz, mit verbaler Hingabe und ergreifender Leidensfähigkeit. Sie ist besser als sie es je als Marlene war, weil sie eine Frau verkörpert, die kein Klischee, sondern ein lebendiges Abbild unzähliger Schicksalsgefährtinnen ist. Das ganze Stück verlangt übrigens einen sehr schnellen Ablauf; denn die Handlung beseht vorwigend aus einem verbalen Ablauf, wobei die Protagonsiten zumeist auf zwei modernen Stühlen vor einem großen hellen holzgetäfelten Wand gegenübersitzen. Fehlte bei der Premierenaufführung vielleicht noch die Sicherheit der Identifikation mit den Figuren oder das Vertrauen in die Stärken des Textes, so haben weitere Aufführungen zum Wohl des Stückes das Tempo stark angezogen. Allerdings wird vom Besucher stets Aufmerksamkeit abverlangt, damit er die geistreiche, leidenschaftliche und mit ironischen Spitzfindigkeiten gewürzte Konversation um das Wesen der Liebe verfolgen kann. Es ist eine Tragödie unter klugen und gebildeten Menschen. Die hübsche Journalistin Claudia lernt das berühmte VIP-Paar durch ein Interview kennen. Sie entlockt Honor mit Charme, Verstand und kalter Berechnung das schlichte Geheimnis ihrer bisher glücklichen Ehe: Verzicht und Aufopferung, die Honor selbst Liebe nennt. Das macht sie, die sich bisher in einer glücklichen und harmonischen Ehe wähnte, verletzlich und angreifbar für jemanden wie Claudia, die Karriere machen will. Dann knöpft diese sich den erfolgreichen Ehemann vor, für dessen neues Buch Claudia ein Vorwort schreiben soll. Der verliebt sich halsüberkopf in die die kühle und scharfsinnige, ihn ungemein aufregende junge Frau; Walter Kreye schlüpft in diese wenig sympathische Rolle des Mannes, der seine glückliche Ehe mit unbeirrtem jäh in einen Scherbenhaufen verwandelt, ohne sich nur annähernd in die Gefühle anderer hineinzuversetzen. Er wird dadurch zwar nicht jünger, aber um eine späte Erfahrung reicher; denn die neue Gefährtin hat mindestens soviel Ehrgeiz und Egoismus wie er. Sie will ein Ziel erreichen, das Honor sehr früh zugunsten ihres Mannes aufgab, nämlich selbst ein Buch veröffentlichen, berühmt und anerkannt und - geliebt sein. Damit haben sich zwei gleiche Charaktere gefunden, was ja bekanntlich selten gut ausgeht. Dann gibt es noch Sophie, die Tochter von Honor und George, die sich erschüttert über den plötzlichen Harmonieeinbruch im elterlichen Wohlfühl-Haus zwar emotional auf die Seite ihrer Mutter stellt, jedoch mit jugendlicher Klarsicht nicht umhinkommt, ihr den Vorwurf der kreativen Selbstverleugnung zu machen. Zudem verändert sich ihre Wut gegen Claudia, als sie dieser gegenübersteht und in ihr die lang verehrte, hochbegabte und überlegene Mitstudentin erkennt. Es ist ein spannendes, nicht gerade spektakuläres Gesellschaftsdrama mit zunächst freundlichen, harmlosen und humorvollen Dialogen, die aber unausweichlich auf eine Lebens-Katastrophe von vier Menschen zusteuern. Die Schärfe, mit der die Autorin ihre Figuren ihr Verhalten gleichsam von außen betrachten lässt, bereitet mit typisch angelsächsischem Humor vergnügliche Aha-Momente. Aber in seiner Substanz enthält das kleine Drama die Aufforderung, über die Möglichkeiten einer Beziehung nachzudenken, die jedem den Freiraum zur Entwicklung seiner Persönlichkeit lässt. A.C. |