Mondscheintarif

nach
Ildikó von Kürthy

 

Liebe ist eine große Mühsal

 


Komödie am Kurfürstendamm

 

Bühnenfassung: Friedrich Dudy
Regie: Katja Wolff
Bühne: Karel Spanhak
Kostüme: Heike Seidler

mit: Heike Kloss, Alexander Sternberg, Jana Kozewa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Einen trendy Bestseller zu lesen, der wortgewandt, witzig und treffsicher eine bestimmte zeitgenössische Lebensart aufs Korn nimmt, ist ein Vergnügen. Eine andere Sache ist es, solch literarische Vorgabe in ein bühnenwirksames Schauspiel zu verwandeln. Wie auch bei Hera Linds Bestseller "Beim nächsten Mann wird alles anders", der hernach als Filmadaption ausgesprochen einschläfernd wirkte, so scheint auch die hübsche Liebesgeschichte, die die Journalistin Ildikó von Kürthy angeblich nach ihrem Tagesjob allabendlich in der Redaktion in Windeseile niederschrieb und zu Verkaufsrekord brachte, nicht so recht für eine spritzige dramaturgische Version geeignet.

Zu lang sind die erzählerischen Passagen, zu wenig Handlung, stattdessen sehr viel Nachdenken und Resümieren über Mann und Frau, Liebe und Karriere, die erste Nacht, die folgenden Herzschmerzen, die nimmer veraltende Scheu und Frage,  wer ruft wen zuerst an, was gehört sich für ein Mädchen, wie schüchtern sind die Männer und so weiter und so weiter.... Man hört und sieht und liest die ewige Leidens- und Liebesgeschichten der Menschheit stets in neuen Varianten. 
Während nebenan im Theater am Ku'damm eine hübsche kleine Liebesgeschichte ("Geschichten von Mama und Papa") die ältere Generation (auf der Bühne und im Publikum!) noch einmal verjüngt und mit Witz und Power und viel, viel Spaß am Spiel daherkommt, schleppt sich der "Mondscheintarif" mehr mühselig dahin. Und wäre nicht die kess-muntere und vielseitig komödiantisch begabte Jana Kozewa in verschiedenen Rollen - so als coole Karrierefrau und warmherzige Freundin der von Liebesnöten geplagten Cora sowie als flott-dreiste italienische Serviererin und als burschikos-köstlicher Medienstar - von köstlicher Bühnenpräsenz, die hier gezeigte Bühnenfassung wäre kaum geeignet, das Stück über einen Abend zu bringen. Dabei mühen sich Heike Kloss als heiß entflammte Cora und Alexander Sternberg als verliebter Doktor ohne Zweifel nach allen Regeln der Schauspielkunst. Aber es bleibt nur ein Boulevardstück mittleren Vergnügens. A.C.