Schöne Überraschung

von
Francis C. Winter

 

 

Eine Köchin von Format

 

 

  Komödie am Kurfürstendamm

  Regie: Adelheid Müther
Bühne: Goetz Loepelmann
Kostüme: Karin Seydtle
Musikalische Leitung: Dietrich stern
mit: Judy Winter - Norma Kline; Jürgen Zartmann - George Kline; Sabine Urban - Susan Kline; Francis C. Winter - Peter Williams; Buenaventura Braunstein - Gloria Williams; Joanne Bell - Juanita

Kurz gesagt:

Ein moralisches Lehrstück in Sachen Toleranz: was ist, wenn meine Tochter einen Schwarzen heiratet? Judy Winter und Jürgen Zartmann versuchen, dieser Situation Herr zu werden - aber das Stück ist zu schwach gebaut, als dass man sich in irgendeiner Tiefgründigkeit verlieren könnte. 

Zurück

  Das ist ja wirklich eine schöne, aber wohl eher eine atemberaubende Überraschung, wenn die heiß geliebte und verhätschelte Tochter nach vier Monaten Studium nach Hause zurückkehrt und einen festen Freund ankündigt. Endlich habe sie den Mann ihres Lebens gefunden, lautet die Vorabbotschaft, die Mrs. Kline, eine elegante und hypernervöse Gesellschaftslady, ihrem zwar gutmütigen, aber ob dieser Nachricht ganz und gar nicht begeisterten Ehemann klarzumachen versucht. Der will sein kleines Mädchen , das inzwischen bereits 25 Jahre zählt, überhaupt nicht gerne hergeben - schon gar nicht in eine feste Beziehung. Nach endlosen, halb erfolgreichen Überzeugungsversuchen brummelt Vater George ab zu einer Verlagsbesprechung und Madame hastet ebenso rasch zu einer letzten Vorbereitung der nächsten Benefizveranstaltung. Als dann das Töchterchen erscheint und seinen Schatz mitbringt, verliert zunächst die Frau Mama die Fassung, dann der nicht minder entsetzte Herr Papa: Der Freund nämlich ist dunkelhäutig, farbig also. Und der zweite Schock folgt sogleich; die jungen Leute haben bereits heimlich geheiratet. Da ist es schwer, die Haltung zu wahren und die selbstgefällige Toleranz auszuüben.

Der Schwiegersohn ist zumindest, und das ist immerhin ein gesellschaftlicher Trost, ein angehend berühmter Konzertpianist. Man könnte sich also arrangieren, wenn man ganz tief in sich gehen würde, was nun in einer Art Selbstanalyse ergreifend geschieht. Doch da macht die Mama des Schwiegersohns allen einen Strich durch die Rechnung: Sie verweigert dem jungen Paar (das ja nun schon getraut ist) ihre Zustimmung, hat sie doch selbst bittere Erfahrungen in ihrer Jugend als Geliebte eines Weißen sammeln müssen. Fazit ihrer Lebenserfahrung: man selbst kann noch so voller guter Vorsätze sein, allen Vorurteilen zu trotzen - der Rassismus wütet weiterhin unter den Menschen und macht auch nicht vor dem eignen guten Willen Halt.

 Die Story ist so übel nicht, wären die Dialoge nicht so abgrundtief banal und die Inszenierung nicht so schrecklich langweilig. Da ist die smarte Judy Winter, wie stets chic und lässig gekleidet, die Hände tief in den Hosentaschen verbeutelt oder gekünstelt um die Hälse der Beteiligten geschlungen; Jürgen Zartmann ist ein wirklich einfühlsamer Ehemann, der von seiner zielbewussten Frau durchs Leben geführt wird und als Lektor ein gutes Gespür für erfolgreiche Literatur hat ( nur nicht für gute Theaterstücke?); das Töchterchen Susan wird von Sabine Urban sehr kindlich, naiv, sehr verliebt und absolut ohne Pfiff verhuscht, während ihr smarter Ehemann Peter (auch als  Autor zuständig: Francis C. Winter) durchaus Persönlichkeit und Stolz ausstrahlt; Winter kann es sich als Schauspieler zwar leisten, auf einen musikalischen Solobeitrag zu verzichten, aber er hätte sein Werk ruhig einem guten Lektor oder Dramaturgen zur Bearbeitung geben sollen! Als seine Bühnenmutter Gloria zeigt Buenaventura Braunstein eine faszinierende Stimmbreite und ist als farbige Frau, die ihre Lebenstragödie in einer soul-Arie erzählt, absolut überzeugend.

Der stimmliche und körperliche Mittelpunkt allerdings ist Joanne Bell als schwarze, trink- und sangesfreudige Haushälterin und Köchin Juanita, von der man sich zu gern noch weitere songs gegönnt hätte. Eine wahre Wuchtbrumme - sowohl musikalisch als auch schauspielerisch!! Vielleicht gibt man ihr ja mehr Raum und Möglichkeit, ihr komödiantisches Talent voll zu entfalten, oder gar einen Soloabend! Das wäre das Beste, was der Komödie passieren könnte. A.C.