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Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk nach dem Roman
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"Um 6 Uhr im Kelch - nach dem Weltkrieg" |
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z.Zt nicht im Programm von Max Brod und Hans Reimann Prolog und Liedtexte von Peter Ensikat Regie: Klaus Gendries Musikalische Leitung: Horst Maria Merz Bühne: Edda Lingner Kostüm: Riccarda Merten-Eicher
Mit Walter Plathe Brigitte Grothum, Marek Gierszal, Eva-Maria Grein, Reiner Heise, Otmar Richter, Herbert Sand Wachen: Sven Kühne, Knut Matthes, Gregor Stein, Florian Heiberger, Hund: Jenny
Kurzbeschreibung: Dieser Schwejk ist unsterblich, aber man sollte ihn als Verkünder seiner Lebens-Weisheiten ohne erklärende Zusätze so belassen wie er ist, auch, wenn man dafür auf so nette Schauspieler, wie sie in diesem Ensemble vertreten sind, verzichten müsste. Walter Plathe ist, das wissen wir, ein Meister des Monologs. Mit ihm hätte der kleine Anti-Soldat eine neue Chance der Wiedergeburt. |
Viele Generationen haben am "braven Soldaten" Schwejk und seinen naiven Wahrheiten, die das Gesagte in ihr genaues Gegenteil verkehren und damit den Nagel auf den Kopf treffen, bereits ein diebisches Vergnügen gehabt. Die lebendigsten Darsteller des kleinen Mannes mit dem schlitzohrigen Charakter, der sich um Kopf und Kragen rede,t aber auch wieder herausredet, sind wohl Heinz Rühmann und Fritz Muliar gewesen. Jetzt also Walter Plathe in der Glanzrolle des kleinen Mannes mit dem tschechisch-deutschen Idiom, wie es kein anderer Autor nachzuahmen versteht. Dennoch ist die Inszenierung keine ungetrübte Freude; Zum einem, weil sie keine einheitliche Dramaturgie zeigt, sondern zwischen Kabarett und Theater pendelt (Da gibt es köstlich knappe Szenen mit schalkhaft- hintergründigen Dialogen zwischen Schwejk und seinen Vorgesetzten). Zum anderen übertragen die Kabarett-Texte den schnellen Witz peinlich mahnend ins politisch Ernsthafte, als ob dem Zuhörer heute erst erklärt werden müsste, dass es sich im Krieg eher um den Tod als um die Ehre handelt, mehr um den Versuch, zu überleben als um den zweifelhaften Ruhm, ein Denkmal für Tapferkeit gesetzt zu bekommen. Damit die Aufführungsdauer auch erreicht wird, sind viele Szenen hinzugeschrieben, Liedtexte ‚á la Weill arrangiert und damit einige Längen produziert worden. Reimann und Brod hatten aus den leider nicht vollendeten Schwejk-Geschichten Haseks, der selbst ein wildes Leben führte und bereit vor seinem 40. Lebensjahr starb, einen "Soldatenschwank" gemacht, den bereits Erwin Piscator ablehnte. Als es 1928 zur legendären Uraufführung mit Max Pallenberg in der Hauptrolle am Nollendorfplatz kam, hatte man sich darauf verständigt, einen Teil des Romans bühnentauglich umzuschreiben. Die Spuren der Mitarbeit von Brecht, Gasbarra und George Grosz sind noch deutlich spür- und hörbar und spielen den alten Zeitgeist ein. Nun hat man sich an dem Theater am Kurfürstendamm darauf geeinigt, Prolog und Liedtexte durch Peter Ensikat, dem Texter für die "Distel", sozusagen auf "neuesten politischen Stand" zu bringen; und damit ist vielleicht das Unbehagen erklärt, das die Stimmung lähmt. Denn 1918 ist nicht 2004, Kriege in der heutigen Welt haben ein anderes Format. Der kleine Landser, der im 1. Weltkrieg Kopf und Kragen für Vaterland und Ehre hinhalten musste, gehört der Geschichte an - nicht aber seine kleinen, köstlichen wie bitteren Wahrheiten über Dummheit und politische Kragenweiten, über das Verhältnis zwischen den Kleinen da unten und den Großen da oben, über Sinn und Unsinn von Kriegen allgemein, in denen friedliebende Menschen ihr Leben für die Interessen der Mächtigen opfern müssen. Dieser Schwejk ist unsterblich, aber man sollte ihn als Verkünder seiner Lebens-Weisheiten ohne erklärende Zusätze so belassen wie er ist, auch, wenn man dafür auf eine größere Zahl so netter Schauspieler wie hier verzichten müsste. Walter Plathe ist, das wissen wir, ein Meister des Monologs. Mit ihm hätte der kleine Anti-Soldat eine neue Chance der Wiedergeburt. A.C.
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