SOAP


The Show

 

 

Badewannenballett

 

 

Camäleon

von  Markus Pabst (Regie) und Maximilian Rambaek

mit: Claudel Doucet, Adem Endris, Nata Galkina, Francois Gravel, Marie-Andrée Lemaire, Mathew Loudon, Lina Navakaite, Lena Ries, Eike von Stuckenbrok

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Dass Artisten aus aller Welt sich finden, jung und hervorragend ausgebildet, gemeinsam eine Truppe bilden und sich auf Tournee begeben, ist keine Seltenheit, auch nicht, dass ihre Leistung von atemberaubender Kunstfertigkeit und Eleganz ist. Aber dass ihre Phantasie so unerschöpflich ist, ihnen immer wieder neue Variationen und Choreographien eingibt, damit sie ihr Talente mit neuen Überraschungen ausschmücken können, das ist dann Weltklasse. Und wenn die Show dann noch so herrlich feucht-fröhlich arrangiert wird, wie dieser Badewannen-Cocktail, der auf gänzlich neue Art zeigt, wie Mann und Frau und überhaupt die gesamte Familie sich in der guten alten Wanne (die auf vier Füßen steht!) vergnügen kann, ob mit oder ohne Entchen, sogar mit oder ohne Wasser!  Und über allem Wannenspektakel thront in wahrhaft königlicher Schönheit und Würde eine blonde Sopranistin, die man gut und gerne in jeder Oper sehen und hören möchte! Lina Navakaite hat nicht nur eine volle, weitschwingende Stimme, sondern verfügt auch über eine interessante Spannbreite in ihrer Darstellung: so variiert sie beispielsweise das alte quäkige Wannsee-Lied der kleinen Berliner Göre Cornelia Froboess in klassischen Variationen  und scheut sich auch nicht, strapaziöse Akkorde a la Schönberg mit technischer Akkuratesse durch die Tonleitern zu jagen.

Mal zärtlich, mal schwungvoll, von einen weiblichen Clown grotesk durch die Abfolge geleitet, jonglieren die Künstler muskelspielend , leicht und elegant mit ihrem Körpern innerhalb und außerhalb des Wannenbades, scheinbar knochenlos in jede Richtung bieg- und beugsam. Sie heben die Schwerelosigkeit auf und schweben einhändig in der Vertikale an der Stange, turnen und gleiten an Tüchern, die zu Seilen verknüpft werden, an Bändern und Stangen in blitzartigen Drehungen und Wendungen, fallen blitzartig, um sich in letzter Sekunde aufzufangen, springen und rollen wie Gummibälle über die glatten Wände der Wannen, die, man lernt es mit Vergnügen, mehr zu bieten haben, als die traditionelle Reinigungs- und Entspannungszeremonie - allerdings sollte man vorher schon mal eine kleine akrobatische Ausbildung absolviert haben!

Aber was den Abend zusätzlich ergötzlich macht, sind die humoristischen Einlagen der aus kanadischen, russischen, äthiopischen Künstlern zusammengesetzten Truppe: da persiflieren sie "Schwanensee", jonglieren beim Entkleiden nebenbei mit widerspenstigen roten Springbällen, zeigen, wie man   Reinigungspersonal mit dem Wischmopp glücklich machen kann,  vorausgesetzt, das Dach ist dicht. Was es schier aber nicht ist - die schwerste Akrobatik wird noch durch Wasserkaskaden zu Superlativen getrieben, und das "Phantom der Oper" gurgelt durch den Abfluss... Dann wieder lugen Haifischflossen aus den Wannen, die ein schier unerschöpfliches Requisiten-Repertoire in sich bergen, die wundersamerweise stets trocken sind!

Ein Sommerhit und ein Sommertipp - und man sitzt nicht mal wie oft bei den Freiluftveranstaltungen im Regen, sondern in einem alten hohen, etwas düsteren Kinosaal in den Hackeschen Höfen, sehr eng, wie im Varieté üblich - denn auch im alten "Wintergarten", in der "Bar aller Vernunft" und im "Tipi dem Zelt" empfiehlt es sich, die kleinen Tischchen schnell mit der eigenen Familie oder Freunden zu besetzen, dann ist die Enge besser erträglich. Oder man sollte sich Vorstellungen auszusuchen, die nicht so stark besucht sind!

Dann aber kann man sich köstlich vergnügen, staunen, ängstigen, lachen und immer wieder, wie bei diesem bizarren Badewannen-Ballett, den schier unglaublichen Darbietungen begeistert applaudieren. Bis zum Ende des Jahres wird diese Show im Chamäleon zu sehen sein - dann verabschieden sich die jungen Leute, um neuen Engangements zu folgen. A.C.