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Wie vergewaltige ich einen Mann?
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Mit Katja Riemann und Peter René Lüdecke Regie: Amina Gusner Bühne: Johannes Zacher, Kostüm: Inken Gusner, Musik: Diemar Loeffler, Paul Wilke
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Das alte Kultstück des schwedischen Autors Ingmar Bergmann hat glücklicherweise nicht mehr seine Filmlänge, sondern ist auf 90 Minuten heruntergekürzt. Das reicht völlig aus, um Aufstieg und Fall einer langweiligen Akademiker-Durchschnittsehe zu verfolgen. Die Regisseurin hat klugerweise auf Tempo gesetzt, und das ist gut so; denn so kommen die beiden (sich verausgabenden!) Darsteller und das Publikum nicht auf die Idee, sich nach dem "Warum"? zu fragen. Denn da oben auf einer kahlen, nur mit einigen kaltblau beleuchteten Stellwänden mit Großstadt-Skiline dekorierten Bühne, die auf die Austauschbarkeit und Anonymität dieser Paarkonstellation hinweist, fliegen die Fetzen, mal liebesdurchtränkt, mal hassdurchzogen - so wie das Leben manchmal spielt... Nach Tiefgang allerdings wird man vergeblich suchen - denn die anfängliche glückliche Beziehung zwischen Marianne und Johan vollzieht sich zunächst in Phrasen (Liebe ist, wenn...), später abgelöst von quälerischen Sexbemühungen und Liebessehnsüchten einer überlasteten Berufs-Hausfrau-Mutter und einem verständnislosen Ego-Ehemann. So weit so gut. Doch dann verliebt sich der Mann plötzlich in eine andere, sehr viel Jüngere; die "Beichte" Johans gehört vielleicht zu den stärksten Szenen dieser Inszenierung: wie er da klein und hilflos, ein ängstlicher Junge, der reumütig um Verzeihung bittet, dann jäh umschwenkend, die Treulosigkeit brutal überspielend, sich aufwirft zum Ankläger, zum Helden, zum Niemals-Verstandenden! Und wie Marianne sich rächt: zunächst hilflos, erschlagen, am Boden vernichtet, ein kleines hilfloses Weibchen, dass dem Gatten noch ein Brot mit auf den Weg in die Liebeslaube gibt - doch dann jäh sich aufbäumend, wächst sie zur sexwütigen Riesin empor und erklärt das Wohnzimmer zur Kampfzone. Faszinierend ist Peter René Lüdicke, der als Johan alle Register einer Nicht-Männlichkeit zieht; sanft, abwesend, verführbar, unentschlossen, weinerlich, kindlich, aggressiv-brutal - kurz, er spielt sie alle durch, die realen Wesenszüge des realen Mannes, der sich in seinem Leben und in seiner gut abgesicherten Professoren-Existenz bislang noch nie beweisen musste. Und sein Weib Marianne wird von der Riemann derart dominant gespielt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Da werden alle Register der Erotik gezogen, vom Verwöhn-, Genuss- bis zum Kampfsex! Mit einem braunen engen Kleiderfetzen knapp umhüllt und mit hohen geschürzten Stiefeln, die sie wohl tagtäglich trägt, demonstriert diese Marianne mit beinahe nymphomanischer Besessenheit, worauf es ihr in der Ehe einzig anzukommen scheint: immer und ständig guten Sex zu haben. Dazwischen gurrt und schreit und plärrt sie heiser wie ein Kind, wenn es seinen Willen nicht bekommt, kämpft wie eine Wahnsinnige gegen den jähen Liebesentzug Johans, versucht mal als Lolita, mal als Vamp, ihn an zu zu binden (als Lehrbeispiel: Wie vergewaltige ich einen Mann?), aber was die beiden außer zwei nie sichtbaren Kindern und einer vitalen körperlichen Anziehungskraft vereint, bleibt im Verborgenen. Riemann und Lüdecke durchspielen alle Emotionen - Leidenschaft und Zärtlichkeit, Wut und Verzweiflung, Hingabe und erneute Verlustangst, derer zwei Liebende, Hassende und sich wieder Versöhnende fähig sind. Und obwohl diese Ehe am Ende zerbrochen ist, jeder der Beiden verbindlich eine neue Beziehung eingegangen ist, fühlen sie sich nun erstmals zärtlich zu einander hingezogen. Da flackert ein Licht auf, bevor es auf der Bühne ganz dunkel wird - vielleicht war da doch noch etwas mehr? Dass dieses Ehedrama, das zunächst recht spaßig angekurbelt wird, nicht annähernd an die brutale Seelensezierung eines Edward Albee mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" herankommt, sollte man wissen. Und so kippt mal eben in der Ku'dammbühne der gewohnt lockere Eheschwank in ein temperamentvolles Ehedrama um. Manche mögen's heiß. Diesen beiden Vollblutschauspielern aber wünschte man andere Stücke! A.C.
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