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Und abends Gäste von Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri |
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Regie: Andreas Schmidt
Bühne:Anja Wegener und Kostüme:Bettina
Marx
Ensemble:
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Wer möchte das so geballt schon erleben? Man erwartet Gäste, wichtige Gäste, Freunde, die man lange nicht gesehen hat, und: erste Panne: sie verspäten sich und zwar empfindlich; zweite Panne: das Essen misslingt; dritte Panne: einer der Gäste verdirbt mit seiner miesen Laune allen die Stimmung! Man hat mit französischen Gesellschaftsspielchen so seine Erfahrung seit Jasmina Reza ein Erfolgsstück nach dem anderen schreibt, und sich die deutschen Bühnen um ihre Geschichten reißen. Zugegeben, nicht alle sind Bestseller, viele sind, wie Pretiosen in den Auktionen bei Sothebys, künstlich im Wert hochgepeitscht, aber sie haben doch alle ein gemeinsames Markenzeichen: Sie sind geistreich und psychologisch fundiert. Menschliche Verhaltensweisen und Schwächen können entweder mit bemitleidenswerter Wärme und treffendem Witz oder zynisch und mitleidlos inszeniert werden. Den Schauspielern wird in jeder Version ein volles Persönlichkeitsprofil abverlangt. Die beiden französischen Autoren,
die sich jetzt mit "Und abends Gäste" ins Gespräch bringen, sind nicht
ganz so geistreich und witzig, auch nicht so scharf pointiert wie Madame
Reza, aber sie haben eine Menge Herz und realistische Beobachtung in
eine Handvoll Menschen hineingeschrieben, von denen jeder Einzelne ein
abendfüllendes Drama bieten könnte. Dass das Stück nur zeitweilig
zündet, könnte daran liegen, das die Charaktere nicht voll zur
Entfaltung kommen, ihnen - auch textlich -keine Möglichkeit gegeben wird, ihre
Problematik auszuspielen. Da ist zum einen der miesepetrige
George, von Steffen Münster müde und verbittert, eher kritisch als
menschenfeindlich aufgefasst; ein Mann, der unglücklich ist und unsicher,
der mit der eigenen Erfolglosigkeit als Schriftsteller ebenso hadert wie mit
seinen verpassten Liebeschancen. Doch da er so in sein Selbstmitleid vertieft ist, bemerkt er nicht, wie sehr er andere Menschen verletzt,
vor allem wie arg er die Gastfreundschaft von Jacques und Martine
strapaziert, bei denen er nun schon seit zwei Wochen wohnt und lebt.
Noch werden ihre Aggressionen vom Mantel der Höflichkeit bedeckt.
Doch der Ausbruch des Vulkans ist angesagt (leider in der Inszenierung
dramaturgisch verschenkt). Und da ist die überemsige, übernervöse
Hausfrau Martine, von Julia Jäger glänzend dargestellt, die versucht, es
allen recht zu machen, sich mit ihrem Sauberkeitszwang noch eine
zusätzliche Strapaze auferlegt und sich überdies noch mit dem Bruder
Fred herumärgern muss, dessen Spielschulden nur noch von seiner
Dickfelligkeit übertroffen werden. Tim Wilde wirkt, wie man sich einen
"echten" Franzosen vorstellt: lässig, ungeniert, ein kleiner Lebemann
und Frauenfreund. Seine neue Flamme beherrscht, wie man beim
Küchenplausch erfährt, die Sinne aller Männer,
und die Hausfrau fühlt sich nicht nur entnervt, sondern auch ziemlich
düpiert. Dessen zarte hübsche Frau, vor zehn Jahren noch George's Freundin, der sie aber noch immer liebt, tändelt mit aufgesetztem rotlippigen Lächeln zwischen Küchentresen und rosa Telefon umher, und läßt überwiegend ihr schönes blaues Kleid schillern. Nur dann und wann läßt sich hinter ihrer perfekten Maske der Anflug von Traurigkeit erahnen. Bettina Lamprecht ist als Journalistin Charlotte vielsagend in ein schön schillerndes, sehr enges Kleid gesteckt; alles scheint an ihr und in ihr eingeengt! Man wünschte ihr ein bisschen mehr Mut, um gegen den übermächtigen Ehemann aufzubegehren. Auch Tim Wilde als Fred - ein echtes Filou und ein leidenschaftlicher Pokerspieler - und George, der überbesorgte, spießige Gastgeber, lassen den Biss vermissen, mit dem sie ihren Rollen mehr Profil geben könnten. Der Schluss ist gut gedacht, ehrlich wie im richtigen Leben, aber er läßt die Zuschauer eben so ermüdet zurück, wie die Partygäste um drei Uhr morgens. A.C.
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