Baden gehn

Ein Sittenbild mit Musik

von Volker Ludwig und
Franziska Steiof

Vom Sommer- zum Wintertheater

Die Kassen sind doch immer leer


  Grips Theater

Song-Choreografie: Newport

Bühne: Fischer-Dieskau

Regie: Franziska Steiof

Kostüme: Kremer

Musikalische Leitung. Koch

Mit: Ahrens. Berghofer, Doering, Engelhardt, Fischer, Friedmann, Hanser, Krause, Lehmann,, Leyh, Mondalsky, Westphal sowie

der Band No Future

Beathobven (keys), Brandt (guitarre), Kranz (drums), Zenke (bass)  

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"Baden gehen" - das war das Stichwort für Volker Ludwig und Franziska Steiof, und so entschlossen sie sich, rasch ein gesellschaftskritisches Theaterstück für Jugendliche und alle Alt-68er auf die Bühne zu stellen und dazu einige fetzige Lieder zu komponieren. Berlin geht tatsächlich baden, und ihm steht das Wasser finanziell bis zum Hals.

Der Gedankensprung reichte aber noch nicht, und so ersannen die Dichter und Denker des Grips eine kleine Gemeinschaft sonnenhungriger Berliner aus Ost und West, dazu einen türkischen Landsmann und eine junge mannstolle Russin, die allesamt das geschlossene Stadtbad entern, um sich hier ihren sozialen Frust vom Leibe zu singen. Da wird dann auch kein Mißstand ausgelassen, über das ein Berliner nicht zu meckern wüsste: leere Staatskassen, Behördenlahmheit, gefährdete Rentnerbezüge, Globalisierung, Kapitalflucht - dazu Obdachlose, Heimatlose, Arbeitslose.

Man sonnt sich im großen Jammertal, beschimpft sich tätlich und wird erst wieder friedlich, nachdem ein gewaltiger Gewittersturm ein elternloses Baby auf die Wiese geweht hat. Alle Herzen schmelzen dahin, ins Auge schleicht sich eine Träne, der Selbstmörder-Juppie erkennt plötzlich, wozu sich ein Weiterleben lohnt und schnappt sich die mütterliche Krankenschwester; die flotte Russin begnügt sich mit dem vielleicht einmal doch besser verdienenden arbeitslosen Jungakademiker, die Obdachlosen beweinen die eigene verlorene Kindheit, Mutter- und Vaterliebe erwachen hier und dort - nur das Schwimmbad bleibt leer. Ohne Wasser.

Berlin kann also gar nicht einmal baden gehen. Eine tolle Konsequenz, denn die Minuszinsen, die der Finanzsenator errechnet hat, sind mit Sparmaßnahmen gar nicht mehr aufzufangen. Der Kampf um nicht vorhandenes Kapital tobt weiter, das Baden im Freibad hat sich vorerst erledigt. Mal abwarten, was der nächste Sommer bringt. A.C.