Bach von
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Tanzet - Frohlocket! Eine sonderbare Zeitreise zu Johann Sebastian Bach
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Theater
und Das Leben eines Musikers in 33 Bildern Max Beckmann Saal, Luxemburger Str.20 mit dem Kammerorchester der Musikschule Fanny Hensel in Berlin-Mitte Regie:
Matthias Witting Es
spielen: Kurz
gefasst: |
In einer szenischen Biographie mit Bachscher Originalmusik, Kammerorchester und Chor bringt das Berliner ATZE Theater- und Konzerthaus das Leben Johann Sebastian Bach auf die Bühne. Das umfassende Künstlerportrait zeigt den großen Komponisten nicht nur als Menschen seiner Zeit und als genialen Musiker, sondern auch als temperamentvollen, unangepassten Individualisten - und damit im ständigen Konflikt mit den kirchlichen, starren Institutionen und den absolutistischen Landesfürsten. Die Bach-Biographie wird in zwei Versionen gezeigt, die Kurzversion (Teil 1 von der Kindheit bis zu Bachs 21. Lebensjahr und seiner Hochzeit mit Maria Barbara) ist vor allem für Kinder und Schüler ab der dritten Klasse gedacht. Die Langversion (Teil 1-3 der Lebensgeschichte, von der Kindheit bis zum Tod) sollten Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene auf keinen Fall versäumen. Denn wie geschickt Thomas Sutter und Matthias Witting die kleinen Szenen und Episoden - von der Kindheit bis zum Tode ( 1685-1750) teilweise in Rückblenden arrangiert haben, das ist höchst professionell. Dazu stehen ihnen 11 Schauspieler und 13 Musiker, sowie mit Sabine Paßow eine feinfühlige Sopranistin zur Verfügung, welche anscheindend mühelos und blitzschnell in mehrere Rollen und Kostüme schlüpfen - in stets passenden Kostümen des Spätbarock. Die Bühne wird schnell und schlicht umdekoriert, mit wenigen Handgriffen verwandelt sie sich in eine Kirche, auf deren Orgelempore Bach seine erste Frau Maria Barbara kennen lernt (anmutig und selbstbewusst Erika Spalke) oder in einen Markplatz, auf dem der 12jährige Johann Sebastian zum erstenmal öffentlich singen darf und zur Belohnung die Geige seines Vaters erhält oder in eine Schenke, wo die reichlich unbedarften Ratsherren lieber lebhaft zechen anstatt sich für die sozialen Anliegen ihres Kantors zu interessieren. Ebenso ist das Tribunal der ehrwürdigen Mitglieder des Konsistoriums, die den jungen Bach vor sich zitieren, um ihm die Leviten zu lesen (Damenbesuch in der Kirche, Prügelei mit Schülern, moderne Musik!) wie ein Gewitter, das das Dunkel jener Jahre zu Beginn des 18. Jahrhunderts beleuchtet - als unvorstellbare Sittenstrenge und Abhängigkeit von den Landesherren dem Bürger das Leben fast unerträglich machten. Freiheit war noch ein Wort, das Bach wohl für sich beanspruchte und auch querköpfig lebte, aber wofür er viele Nackenschläge, Prügel, Ehrentzug und ein Leben lang Armut hinnehmen musste. Er kämpfte den Kampf eines jeden Künstlers, der seiner Zeit voraus ist: den Kampf um Verständnis für seine Kunst! Kein Wunder also, dass die Obrigkeit mit der intensiven Ausgestaltung der alten langweiligen Choräle durch J.S. Bach irritiert wurde. Diese Musik, voller Innigkeit, Seele, Leidenschaft und Hingabe, diese Gefühlsintensität war gerade der streng lutheranischen Kirchenordnung fremd. Doch Bach, den Kopf voller Noten, das Herz voller Liebe zur Musik, zu seinem Schöpfer und zu seiner Familie, polterte und kämpfte gegen jedwede Sturheit und Ignoranz. Leider und tragischerweise meistens vergeblich und nicht zu seinem Vorteil! Aber, dass diese Inszenierung nicht zu einem Jammerbildnis a la Volksbühne wird ( was angesichts der Armut, des stets gegenwärtigen Todes und der elenden Zustände an den Schulen damals durchaus denkbar gewesen wäre), dafür garantieren Mirko Böttcher als der junge, überschwängliche bisweilen sogar charmante Johann Sebastian ( den man hier auch als "Amadeus" sah?) die beiden Jungen Marvin Bethke und Jasper Kemeny, die als Kinder Johann Sebastians und schließlich Mathias Eysen als der sterbende alte Bach. Noch immer nicht gebeugt, obwohl vom Schicksal gebeutelt, trotzt der Erblindete dem Todesboten, der ihm als Schutzengel (Eva Blum) mal in zärtlicher Nähe mal in beobachtender Distanz ein Leben lang zur Seite stand, noch einen letzen Wunsch ab: Er möchte noch einmal das Gesicht seiner Anna Magdalena (Sabine Paßow wahrlich aufopfernd und hingebungsvoll!) erblicken dürfen. Ein nahegehender, wunderbarer Schluss, der ganz ohne Sentiment auskommt, zumal vorher die routinierte Operation eines wandernden amerikanischen Augenarztes knapp und sachlich zeigt, wie man oft anno 1750 zu Werke gegangen wurde. Wenn man überhaupt in diesem im guten Sinne frommen, charismatischen und fröhlichen Spiel einzelne Leistungen hervorheben sollte, dann ganz sicherlich die exzellente Verwandlungsfähigkeit von Michael Meyer, von vielen Vorstellungen im Grips-Theater und anderen bekannt! Ob er freche Lüneburger Primaner oder raufende, verlauste Thomaner spielt, ob Fürsten und Fürstinnen, ob Pfarrer, Ratsherren oder Bürger - stets sind die Rollen mit Verve gezeichnet, überzeugend im Dialog, oft spaßig und spannend, eindringlich, einfühlsam, Der rasante Lebensweg, von Chorälen oder weltlichen Kompositionen Bachs umrahmt, und zwar durch das Kammerorchester der Musikschule Fanny Hensel, das entweder als ausstaffierte Hofkappelle oder als Begleitung im Hintergrund die Handlung begleitet. Eine lehrreiche, unterhaltsame Unterweisung in Sachen Johann Sebastian Bach und seiner Historie, von einem sehr informativen Programmheft ergänzt, dass seine 3.50 Euro als Bildungsgut wert ist! A.C. |