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Cengiz & Locke von
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Vielleicht gibt es doch noch ein kleines bisschen Hoffnung |
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Jugendstück
Regie: Frank Panhans mit: Janko Danailow (Krca), Frank Engelhardt (Marco/Sascha), Sonja Hausséguy (Jasmin); Daniel Jeroma (Cengiz); (Christoph Letkowski (Kolok/Rico); Jens Mondalski (Locke); Serkan Sahan (Vater von Cengiz/Daniel); Regine Seidler/Laura Leyh (Lockes Mutter, Elke); Jörg Westphal (Tadi, Ulrich und dj Vela) Es wird also immer weiter Gewalt und Verbrechen geben - doch eines kann mit den vielen Mitteln und Möglichkeiten, die unser Staat für Präventivmaßnahmen auf dem Gebiet der Sozialarbeit, Psychologie und Kultur ausgibt, ein kleiner tröstlicher Ausblick sein: Je mehr sich die Verantwortlichen um Herkunft, Schicksal und die seelischen Deformationen der jugendlichen Straftäter sorgen und sowohl mit deren Eltern( wenn überhaupt möglich!) als auch mit den Jugendlichen selbst daraus gemeinsam Perspektiven entwickeln, desto größer wird in einzelnen Fällen auch die Möglichkeit einer sozialen Integration sein.
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Wenn derartige Romane und Theaterstücke einen Sinn haben sollen, dann doch wohl den: Junge Menschen, Eltern, Lehrer und Ausbilder nicht nur darauf aufmerksam zu machen, welch katastrophale Schicksale und Zustände es in unserer und allen anderen Gesellschaften gibt, und mit welch brutaler Gewalt Jugendliche versuchen, aus ihren verzweifelten Situationen auszubrechen, sondern auch und vor allem: zweckentsprechende, adäquate Maßnahmen und Methoden zu entwickeln, damit Eltern und Erzieher auf eine gewaltfreie Einstellung und Erziehung einwirken können. Überdies ist zu unseren Strukturen eine neue Dimension hinzugekommen: Die harten autoritären patriarchalischen Herrschaftsstrukturen anderer, vornehmlich Ost- und Südstaaten, befinden sich seit Generationen, wenn nicht Jahrtausenden, in einer auf strengste Unterordnung ausgerichteten Daseinsform und werden sich nicht in wenigen Jahrzehnten eines Anderen belehren lassen. Was ist die Konsequenz dieses brutalen Bandenkrieges, in dem sich Cengiz, Locke und Co mit ihren Widersachern, den Yugos, immer tiefer in den sozialen Abgrund ziehen? Es gibt einen kleinen Lichtblick, der sich wie ein Sonnenfleck aus dem grau überzogenen Himmel plötzlich aus den Wolken löst und nicht nur den beiden Jungen, sondern auch uns, die wir betäubt und betroffen das unsägliche Geschehen auf der Bühne - wie im wahren Leben - ohnmächtig verfolgen, hoffen läßt. Aber der ist auch wirklich nur ein Gefühl, ein schimmernder Lichtfleck, er könnte in eine andere, bessere Zukunft weisen, wenn die noch formbaren Charaktere der beiden ungleichen Freunde stark genug sind. Frank Panhans, erfolgreicher Regisseur am Grips, führt seine Banden mit viel Krach und Discogetöse, Rap und Breakdance wie toll durch die Szenen - die jungen Männer und Mädchen tanzen und kämpfen schweißtreibend und ohrenbetäubend, und allein ihre körperliche Fitness ist schon beeindruckend. Was zunächst noch nach Disco aussieht und harmloser Balgerei, wird plötzlich zum blutgerinnenden Ernst: Die "anderen" ballern auf die Disco, die sich blitzschnell leert und auch fortan als Freizeitdomizil für die jungen Leute geschlossen bleiben wird - ihr zweites Zuhause sozusagen ist tot. Da kommt übermäßige Wut auf und die unreflektierte Frustration gebiert den Gedanken an Rache. Der Junge, der geschossen hat und sich seiner Heldentat rühmt, - schließlich ist er ja nun der Held -, ist Cengiz, deren moslemische Eltern sowohl ihrer östlichen Heimat als auch ihren alten Herrschaftsstrukturen verbunden bleiben. Cengiz leidet wie ein Hund unter der mächtigen Dominanz des Vaters. Seine Muttter wird als stumme, verschleierte Sklavin gehalten. Locke, sein schlaksiger Freund, hat ein anderes Zuhause: Seine zeitweilig verwirrte Mutter pflegt sich mit Tabletten betäubt in die Badewanne zu legen, um hernach sich an nichts mehr zu erinnern und ihrem Mann nachzutrauern, der die beiden vor Jahren verlassen hat. (Man erinnert sich an die Geschichte "About a Boy"). Zeigt Locke sehr viel liebevolle Substanz, so wird bei Cengiz die Sehnsucht nach Anerkennung und Zuneigung als Grund für seine ihn selbst gefährdende Coolness deutlich. Alle Bandenmitglieder sind cool, und irgendwie gleichen sie alle verlorenen, streunenden, raufenden Hunden, die einander ärgern, herumalbern und sich zeitweilig agressiv wie eine ganze Affenbande gebärden, so, wenn sie sich ein herrliches "Wagenrennen" im Supermarkt in ihren Einkaufswagen liefern. Doch leider wird es weitaus ernster - denn eines der Mädchen von den Yugis erkennt Cengiz als Täter beim Schuß auf die Disco, und nachdem es "ihren" Jungs gelungen ist, Cengiz aufzulauern, wird dieser lebensgefährlich verprügelt. Zuhause schlägt der Vater weiter auf ihn ein, und der entsetzte Locke, ebenso naiv wie solidarisch mit dem Freund, klaut seines Vater eine Pistole aus dessen Wohnung und gibt sie Cengiz fortan zur Verteidigung. Die Geschichte eskaliert. Das Mädchen, das Cengiz erkannte, hat erst Zoff mit ihrem Freund und wird dann von Cengiz zur Rede gestellt. Später wird es tot, erschossen, in der Wohnung aufgefunden. Jetzt ist der Bandenkampf zum Krieg eskaliert, und die Konsequenzen sind Gefängnis, falls man Cengiz nicht vorher beseitigt. Denn eines ist allen klar, das er der Täter war. Aber wer rächt das Mädchen, wie verantwortlich ist der Bandenchef selbst, der, man merkt es bald, eigentlich ein Weichei ist und nur gerne den großen Macker herauskehrt - was ihm aber in dieser Situation nicht viel nützt. Und wer der wirklich einzig und wahrhaftig gefühlskalte Gangster in dieser Bande ist, wird sich erst ganz zum Schluß herausstellen. Somit ist dem Autor zugleich auch ein spannender Krimi gelungen, der in seinem Realismus mehr unter die Haut geht als das ganze TV-Programm. Dass alle Spielerinnen und Spieler wahrhaft beeindruckend sind, erschüttert mehr als dass es erfreut. Und dass die Straßenbanden so und nicht anders funktionieren - immer ist da ein Boss, immer die Suche der Mitglieder nach einer starken Führungspersönlichkeit, der sie notfalls ihr Leben opfern würden - das zeigt deutlich ihren Grad der sozialen Vereinsamung und Verwahrlosung, womit dieses Stück eben doch ein Lehrstück ist zur Ursachenforschung! Es gibt eine Reihe von Inszenierungen zu diesem Thema, die ebenso eindrucksvoll, aber nicht halb so brutal in ihrer äußeren Machart sind, jedoch durchaus von inhaltlicher Brisanz und Bewegung (z.B. am Caroussel, Vagantenbühne, Maxim-Gorki usw.) Immer aber sind die Dialoge spärlich, von Fäkalausdrücken bestimmt, niveaulos, und zeigen, wie arm diese Jugendlichen wohl auch an innerer Orientierung, an Wissen, an Substanz sind. Ist das wirklich so? Schule und Arbeit sind abgeschrieben, die Perspektivlosigkeit ist erschütternd. Der Autor (übrigens mitverantwortlich auch für den Buck-Film über Gewalt) und Verfasser mehrerer ausgezeichneter Jugendbücher, sagt, dieses Stück sei zwar von "Drogen, Schlägereien und Diebstahl bestimmt, aber worauf es ihm ankomme, sei das Thema der Freundschaft und der Glaube des Menschen an sich und eine Zukunft." Das kam dann wohl leider in dieser atemlosen Schlammschlacht etwas zu kurz! A.C.
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