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Cherry Docs von
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Mehr als eine Handvoll Hass
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Regie:
mit: |
Mike Downey ist ein kanadischer Skinhead und hat einen Jungen, einen Inder, zu Tode geprügelt, mit 30 Fußtritten. Er sitzt in Untersuchungshaft und hat sich als Pflichtverteidiger Daniel Dunkelmann ausgesucht, weil er von ihm weiß, dass er "ein Liberaler" ist. Was er nicht weiß: dass dieser Rechtsanwalt zwar viele Nationalitäten in seinem Stammbaum hat, aber nur eine Religionszugehörigkeit: die jüdische. Rainer Winkelvoss spielt diesen Anwalt
und lässt seinen Klienten von vorn herein spüren, dass er ihn und alle
skinheads, die sich mit verbaler und körperlicher Gewalt gegen
Ausländer, Farbige und Juden äußern, aus ganzem Herzen hasst. Er
schleudert ihm seine Abneigung so unverhohlen entgegen, dass man
erschrickt. Ganz anders der "Mandant" Mike Downey, ein großer,
sportlich durchtrainierter, kahlköpfiger, an Armen, Schulter und Hals
tätowierter und gepiercter Mann, dem man nicht gern im Dunkeln begegnen möchte.
Er verfügt über eine Selbstsicherheit, die geradezu verblüfft.
Er beschreibt seine Stiefel mit zärtlicher Genauigkeit - dass
sie Mordinstrumente sind, stärkt nebenbei seine Identität. Die
Stahlspitze, absolut sicher, bedarf keines Waffenscheins und bleibt
unsichtbar, ist dafür schmerzhaft spürbar, zumeist tödlich für den, den
sie trifft. Mike ignoriert die "brillanten" Hasstiraden des Anwalts
mit scheinbar schnöder Lässigkeit, doch in seinem Gesicht zuckt es merklich;
es bedarf schon einiger Anstrengung, so cool zu bleiben, wenn man als
Abschaum und Dreck bezeichnet wird. Das sind für Mike
und seine "Organisation" doch eigentlich die anderen. Er rächt sich auf seine Art,
indem er den Juden, der sich outet, mit niederträchtigem
Vokabular beschimpft. Beide schreien sich an, zur Tätlichkeit fehlt nur eine
Sekunde. Beide verfügen über eine breite Palette von Vorurteilen und
Demütigungen für- und gegeneinander. Ein hartes Spiel. Danny Dunkelmann hat den Skin, wo er ihn haben will. Dieser wird das Gericht nicht um Gnade bitten, er wird auch nicht leicht dahin gesagte Reue heucheln, sondern er wird eine Strafe beantragen, um einen Psychologen und um die Chance einer neuen Weltsicht bitten. Das ist viel. Der Anwalt hat dabei viel verloren, seine Frau, seine Gesundheit, vorerst. Auf lange Sicht hat er gewonnen: Einen gefährlichen Radikalen, den er zum Nachdenken gebracht hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Stück, das vom Autor noch genauer ausgefeilt werden müsste; dann könnte auch die Regie mehr damit anfangen. So bleibt es ein eindrucksvolles Fragment, ein Mosaiksteinchen allerdings in der Reihe der Anti-Gewaltinszenierungen an den Berliner Theatern. A.C. |