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Der Kommunist vom Montmartre
von
Michael Kleeberg |
Luciano di Lammermoor auf Linientreue |
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Theater am Winterfeldtplatz Regie, Bühne und Puppen: Siegfried Heinzmann Textbearbeitung und Dramaturgie: Barbara Kilian Kostümassistenz: Ursel ArndtMusikarrangement: Wolfgang Bley-Borkowski Technik: Ehler Schulze Spieler: Christel Freudenthaler, Barbara Kilian, Siegfried Heinzmann, Stephan Hellmann, Bernd Schlarmann, Frank Sommer
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Im Abendprogramm zeigt das Ensemble von Hans-Wurst Nachfahren im Dezember neben "Play Strindberg", einem Märchenabend mit Stephan Hellmann, "Die etwas andere Weihnachtslesung". Außerdem "Der Untergeher" von Thomas Bernhard, gelesen von Stein& Sturm, und nun in neuester Produktion "Der Kommunist von Montmartre", eine gelungene Wiedergabe einer ungewöhnlichen Erzählung des Berliner Schriftstellers Michael Kleeberg. Siegfried Heinzmann hat für diese entzückende Satire auf die etwas weltfremde Ernsthaftigkeit speziell der französischen kommunistischen Partei sechs stattliche Puppen erschaffen und in rollenspezifische Kleider gesteckt, sowie einige Interieurs dazu erdacht - wie stets mit wenig Aufwand und großem Effekt. Sie zeigen nicht nur die ganze Tristesse des kleinen Büros der aufrechten Kämpfer am Montmartre, sondern auch die deprimierende Eintönigkeit der russischen Wirklichkeit. Dagegen hat der Autor dieser wunderbaren lebensklugen Geschichte ( die wohl nur von jemandem geschrieben werden kann, der dem Charme des Pariser Lebensstil erlegen ist) die Leichtigkeit des schweren Seins eines Pariser Künstlers gestellt, der unerwartet plötzlich als Reise-Mitglied der französischen Delegation zum Internationalen Kommunistischen Treffen im Jahr 1935 nach Moskau fährt. Barbara Kilian hat sich textgetreu an Kleeberg gehalten, und wirklich lässt sich die Erzählung ausgezeichnet in eine entsprechende, dramaturgische Form gießen. Da sind die drei Mitglieder des Pariser Büros: Eine emsig-geschäftige Sekretärin sowie der Büroleiter Gaspard Morand, der beauftragt ist, eine französische Delegation für Moskau zusammenzustellen - mit Vertretern aller "vom französischen Imperialismus unterdrückten Ethnien". Und damit beginnt die Katastrophe: denn nirgendwo in der Kartei findet sich ein Vertreter der schwarz-afrikanischen Bevölkerung. Und nun hat Morand eine verflixt gute Idee: er wirbt mit einem Inserat im Figaro mit einem höchst attraktiven Angebot, das irgendwie an der Wahrheit entlangschrammt - und tatsächlich meldet sich ein pechrabenschwarzer Mensch: Ein Künstler, ein Transvestit, der in zweifelhaften Etablissements am Montmartre ein überaus bourgoises Leben führt, sieht man von der elenden Existenz hinter den Kulissen einmal ab... Doch Watabe N'Komo, der sich Luciano di Lammermoor nennt und nicht "den Schimmer eines Klassenbewusstseins besitzt", wird nun von Francois, einem linientreuen Genossen, auf Marx, Engels und Lenin getrimmt, die von der Bürowand her freundlich und überaus lebendig an diesem Prozess teilnehmen. Aber auch der lernfähige Arbeiter Francois erhält vom Künstler einige Lektionen... Natürlich wird die Reise nach Moskau vor allem für den verantwortlichen Morand zur nervenaufreibenden Angelegenheit, denn so ein Künstler, der das Theater überall dort wittert, wo Menschen eine Rolle spielen, weiß sich durchaus stets überzeugend darzustellen - und endlich wird Morand auch klar, warum dieser di Lammermoor so einen riesigen Koffer mit sich schleppt. Was sich dann in Moskau weiter abspielt, sollte man selber sehen und hören... A.C.
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