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Eine linke Geschichte Theaterstück mit Kabarett von Volker Ludwig und Detlef Michel |
Mit dem Rolls Royce in die Uckermark |
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Regie: Kurzkritik Es gibt aber noch einige wenige Momente aus der
ersten Fassung, die mitreißen: Da ist der idealistische Elan der jungen Studenten,
die sich Hals über Kopf in die studentische Opposition stürzen,
alle Mittel der Revolution (auch und gerade Gewalt und Terror und Mord!)
verteidigen. Sie schmettern die "Internationale" mit so viel Inbrunst, dass man
mitsingen möchte; was folgt ist - auch
in der Neufassung - die entmutigende banale Wirklichkeit: Eine abgewirtschaftete
Studenten-WG, in der nur noch Sprüche geklopft werden, verschmutztes Geschirr und
kalte Kaffeereste das Sein und der Sex das Bewusstsein
bestimmen! Der Protest wird von einer weiter existierenden kommunistischen Partei diktatorisch
aufgesogen. Mit träger Behäbigkeit richten sich die alt gewordenen 68er in
Wohlstand ein, andere kämpften in Elterngruppen und Kinderläden, in der Politik oder an der Universitäten weiter - gleichermaßen glücklos und unzufrieden. |
Diese - neue- Inszenierung ist laut und grell, plakativ und schmuddelig und zu lang! Nach wie vor zwar mit scharfen Wortspielen und manch guten Bonmonts garniert, klebt der Brei doch im linken Allerlei. Gar unerträglich sind die neu bearbeiteten Schlussszenen und ihre platten Witzchen. Da hat man von den Autoren mehr erwartet. Wer die letzte Bearbeitung (von 1994) der "linken Geschichte" noch in Erinnerung hat, wird sich an seine Betroffenheit erinnern, mit der er der Desillusionierung der älter gewordenen enttäuschten Studenten von einst folgte, die sich jäh all ihrer Hoffnungen und Ideale beraubt sahen; Der Vietkong war ihnen verloren gegangen, die Arbeiterklasse hatte es sich längst im sozialen Kuschelraum gemütlich gemacht, und die komplizierten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in der sogenannten Dritten Welt waren auch nicht mehr das, was sie einst waren. Was blieb 1994 den fäustedrohenden, kämpferischen Frauen und Männern von damals? Psychogruppen, um den Frust eigenen Versagens rauszulassen, gute Jobs in Wirtschaft und Wissenschaft; verbale Attacken gegen die Strategen der politischen Parteien. In der Neubearbeitung schwimmt das Gripstheater nun recht gut mit dem Zeitgeist: Die antiamerikanische Strömung hat durch den Irakkrieg neue Nahrung erhalten, die Globalisierungsgegner gießen Wasser auf die alt und rostig gewordene Mühle des politischen Kampfes, und angesichts der wirtschaftlichen Desasters in Deutschland und anderswo kann die Linke wieder jubeln: Hat der Sozialismus hat den Kapitalismus letztendlich doch besiegt? Jedenfalls ist es den Apo-Opas und -Omas erfolgreich geglückt, sich in die zuständigen Gremien zu setzen, den Marsch durch die Institutionen gut voranzutreien. Verantwortung ist ein Fremdwort geworden; Geld und Resourcen der Allgemeinheit werden schamlos ausgegeben und erbrauchtsolange noch etwas im Topf ist. Und wenn er leer ist? Dann hat die Weltwirtschaft schuld, und natürlich die USA - so einfach ist das wieder.
Kaum weiterführend sind hierbei die Szenen, in denen der polnische Arbeiter die Freizeitgesellschaft der Deutschen wieder lehrt, wie man die Wirtschaft (ohne Steuern zu zahlen) in Schwung bringt, und dass der Chinese mit einem Rolls Royce vor die Datsche in der Uckermark fährt. Auch die eingestreuten Beiträge des "Reichskabaretts" stören mehr den Handlungsablauf, soweit noch vorhanden, und sind kaum kabarettistisch zu nennen. A.C. |