Lena in der Wüste

von Volker Ludwig und Martin Fonfara

eine Ensembleproduktion für Menschen ab 6

 

  Wie man Freundschaft schließt

 

  Grips Theater 

in der Schiller-Theater-Werkstatt

Regie: Frank Panhans

Bühne: Tom Presting

Kostüme: Polly Matthies

mit:

Regine Seidler und Kenn Phillips

 

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So heiter und unbeschwert und doch so bewegend , ganz nebenbei auch noch ein bisschen pädagogisch, so kann Jugendtheater sein. Das Grips hat wieder einmal eine entzückende kleine Produktion herbeigezaubert, und alles ist wunderbar stimmig: Ein wüstengelbes Bühnenbild samt sich verdunkelnder Sonne und erschreckenden Schattentiere, die des Nachts durch den Sand krabbeln und ein kleines europäisches Mädchen erschrecken; dazu bunte, vielfältig verwendbare Kostüme und Tücher, mit denen- oh Wunder- so vieles ganz schnell simuliert werden kann: Wind und Wellen, sogar ein Zelt! Es ist ein echter Thespis-Karren voller Überraschungen, den der braune Junge Ramu da durch die Wüste auf dem Fahrrad hinter sich herzieht. Aber noch größer ist die Überraschung als er auf Lena trifft.

Ein fremdes Mädchen, das allein und verzweifelt mitten im Wüstensand auf einem roten Koffer hockt! Denn der Touristenbus, der auf seiner Fahrt ans Meer mal eben eine Pause machte, hat Lena einfach vergessen und ist ohne sie weitergefahren. Auch für Lena ist die Überraschung groß, wenn sie auch zunächst ein bisschen Angst vor dem so fremdartig aussehenden und sprechenden Jungen hat. Nachdem sich die beiden ausgiebig beschnuppert, beargwöhnt und bekämpft haben, werden sie nach und nach Freunde.

Regine Seidler verleiht der kleinen Lena alle Eigenschaften, die den noch nicht fertig geformten (und genormten) Menschen ausmachen: Kindliche Neugier und Furchtsamkeit, Herz und Mut, vor allem aber frühen weiblichen Charme, der bereits viele kleine Tricks kennt... Der indische Schauspieler Kenn Phillips ist neu am Grips-Theater und als Schauspieler schon viel herumgekommen. Er weiß und hat erfahren, was Fremdsein bedeutet. Als kleiner Ramu besitzt er eine stolze Individualität, er ist bereits ein kleiner Weltbürger, der dem Fremden mit Blicken und Gesten, funkelnden dunklen Augen und gutmütiger Freundlichkeit, aber auch mit energischem Widerpart begegnet. So ist es zum Beispiel, wenn Lena ihn mal wieder überlistet und somit am Weiterfahren gehindert hat, obwohl doch sein strenger Vater und eine große Familie auf Wasser warten, das er in Flaschen mit sich führt. Als Lena das kostbare Gut arglos verplempert, gerät Ramu in schiere Verzweiflung. Doch dann gelingt es ihm, dem Mädchen über alle sprachlichen Hürden hinweg zu erklären, wie kostbar Wasser für ihn und die Menschen in dieser karstigen Region der Erde ist, und beide entdecken, wie man sich verständigen und einander verstehen kann, auch wenn die meisten Wörter fehlen.

Martin Fonfara begleitet die Begegnung in der Wüste auf kombinierten Klanginstrumenten mit aufregenden Wirbeln und überraschenden Tonfolgen in vielerlei geheimnisvollen Variationen.

Man kann dies kleine Theatererlebnis nur empfehlen – wirklich für alle Leute - ab 5! A.C.