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Linie 1 Eine musikalische Revue von Volker Ludwig Neuaufnahme
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Kult-Musical mit altem Charme und neuem Schwung |
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Buch und Regie: Volker Ludwig Musik: Birger Heymann und die Rockband "No ticket" Regie: Musiklaische Leitung: Choreographie: Bühnenbild: Kostüme: Probenleitung: mit: |
Die Uraufführung fand am 30.4.1986 statt und schlug wie eine Bombe ein: Über Nacht wurde das fetzige Musical um ein ausgebüxtes Mädchen aus Westdeutschland, das in Berlin seinen Freund sucht, und dabei auf der U-Bahnlinie 1 mit allerlei merkwürdigen Typen zusammentrifft, weltberühmt. Ein Kultstück ist es bis heute geblieben, und es gibt Theaterfreaks, die haben angeblich alle 1158 Aufführungen angesehen, in denen auch Thomas Ahrens jedes Mal mitgewirkt hat. Weder er noch das Stück haben dabei an Charme eingebüßt. Beide haben ihren Schwung, ihren Mutterwitz, den man auch gern als Berliner Schnauze bezeichnet, beibehalten. Vielleicht sind manche Szenen der provokativen Darstellung unserer Tage deutlicher angepasst, auch in ihrem Bezug zur sozialpolitischen Wirklichkeit etwas drastischer; aber nach wie vor sieht und spürt man den Funkenschlag der Begeisterung für all diese skurrilen Sonderlinge, die da jäh im morgendlichen Alkoholnebel aus der Welt der Untergrundbahnhöfe auftauchen, die Dealer und Penner, die feinen Damen, die es auch mal ein bisschen brutaler mögen. Da sind die längst zur saga gewordenen Wilmersdorfer Witwen und die spießigen und intoleranten Kleinbürger. Ihnen allen begegnet das junge Mädchen mit großen Kinderaugen, aber auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein, das sie diese neu- und fremdartige Welt in gewinnender Herzlichkeit erobern lässt. Liebenswerte Punker und hintergründige Penner, ausgeflippte Teenies und ein schüchterner Dichter, gerissene Dealer und ein treuloser Liebhaber sind die Mitspieler in der Suche nach dem Glück. Die Seele des Stückes ist die alte geblieben, auch wenn einige Politparolen längst einen langen Bart haben, die Mauer gefallen und die Not der Obdachlosen durchaus kein Grund zum Spaßmachen ist. Auch der Kapitalismus von einst, den Ludwig und seine 68er Freunde mit ebensolcher Heftigkeit geißelten wie die alten Nazis, hat längst als Zielscheibe ausgedient, man wäre mittlerweile froh, wenn die Wirtschaft wieder boomte. Die Freude am Sozialismus ist einer neuen Realität gewichen, und die Berliner sind längst nicht mehr so witzig und hilfsbereit wie vor 18 Jahren. Aber "Linie 1" birgt auch Nostalgie und Hoffnung, ist auch eine Aufforderung zu einem freundlicheren Miteinander, ein Traum, den man niemals aufgeben sollte. Ein gutes Eigengeschenk zum 35. Geburtstag des Grips-Theaters. A.C.
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