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Shockheaded Peter von Dr. Hoffmann
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Schaurige Moritaten - doch wo bleibt die Moral? |
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an der Paraue Musik: Tiger Lillies Text: Phelim Mc Dermott, Julian Crouch, Martyn Jacques, Übersetzung: Andreas Marber Regie: Uwe Cramer Bühne/Kostüme: Ulv Jakobsen Musiker: Dietmar Elflein, Lou Favorite, Thomas Rehnert Dramaturgie: Odette Bereska Regieassistenz: Anne Arnz
mit Birgit Berthold, Kim Pfeiffer, Karin Reif, Lutz Dechant, Helmut Geffke, Christian Keiser, Jörg Seyer
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Was war und was ist garstiger: unüberlegte kindliche Verhaltensweisen oder autoritäre Erziehungsmethoden? Was galt zu Zeiten eines Dr. Hoffmann, der den Struwelpeter als Abschreckung gegen den kindlichen Ungehorsam verfasste, und was hat eine neue, antiautoritäre Pädagogik, die sich auch aus der Freiheitsbewegung der 68er Jugend entwickelte, der schrecklichen preußischen Zucht entgegengesetzt? Letztes könnte man übrigens in der Neuköllner Oper in dem Erfolgsmusical "Elternabend" sehr schön nacherleben, Hoffmanns schaurige Moritaten dagegen hat eine englische Autoren- und Musikergruppe ebenso skurril wie absurd modernisiert. Das Carrousel-Theater hat die schrille Musik der berühmten Tiger Lillies ( auch schon in Berlin im "Tipi") mit ihren schrägen, aufreizenden und mitreißenden Verquerungen auf einzelne Comedy-Szenen aufgeteilt, in denen die traurigen Struwelpeter-Episoden mit viel roter Farbe und abgerissenen Gliedmaßen von einem Schmierendirektor auf dem Jahrmarkt vorgestellt werden. Zur Verwirrung tragen ein seltsames Ehepaar und ein buckliger Mann bei, der wie ein Bär dressiert ist; außerdem ein riesiger rosafarbener Hase, der ja bekanntlich den Jäger erschießt, und grässliche grüne Kopfgeburten, die der Storch zum Essen bringt. Manche Einfälle sind recht witzig, vieles aber bleibt im Dunkel der Sommernacht verborgen, wie die meisten englischen Originaltexte, die im Programmheft übersetzt sind. Und letztlich gilt hier wie auch bei anderen Freiluftinszenierungen: Die reiche Phantasie der Regie führt gar zu leicht zur Überfrachtung, so dass man vergeblich nach der Kernaussage sucht. Die Bilder des Struwelpeter - Paulinchen, der böse Friederich, die bösen Buben, die der Niklas dann ins Tintenfaß steckt, der Daumenlutscher, der Zappelphilipp, der kühne Robert, der dumme Jäger, der Hans-Guck-in-die-Luft - sie alle wären doch in reizvollen Szenen darzustellen, vielleicht mit Hilfe von großen Puppen, wie sie oftmals in bewährter Zusammenarbeit mit den Puppenspielern der Ernst-Busch-Hochschule oftmals phantastisch in ein Spiel eingefügt wurden? Dann wären auch die makabren Gliederstümpfe plausibel! Die Rahmenstory des Jahrmarktschreiers, der die Moritaten darstellen und singen lässt, ist eine zugkräftige, altbewährte dramaturgische Idee und nimmt auch bewußt die Tradition der alten Wanderschausteller mit Bären, menschlichen Krüppeln und allerlei makabren Besonderheiten wieder auf. Doch hier wird zu viel des Guten getan - was wohl übrigens auch die große Bronzefigur am seitlichen Bühnenrand dachte, die mit nachdenklichem Ausdruck dem Spektakel zu folgen versuchte. A.C. |