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Warum trägt John Lennon einen Rock?
von Claire Dowie Uraufführung 1990 in Edingburgh (ab 14 Jahren) |
Wenn ich ein Junge wär'... Wenn ich ein Mädchen wär'...
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Es spielt: Ann-Rebekka Düsterhöft Regie: Kerstin Lorisz Regieassitenz: Tom Tonndorf Kostüme: Düsterhöft/Lorisz Lichtdesign: Markus Witte Probebühne Theater Strahl, Kyffhäuserstr.23, Berlin-Schöneberg im Anschluss an jede Aufführung findet ein Publikumsgespräch mit der Schauspielerin statt.
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Tja, warum trägt er einen Rock? Warum überhaupt heißt diese knapp einstündige Reflexion über das, was aus einem Menschenkind werden soll und kann und was es selbst viel lieber werden möchte, den Namen von John Lennon? Seltsamerweise fragte keines der eifrig diskutierenden Mädchen und auch kein Junge danach. Die englische Autorin hat zwar die ganze Mädchenclique, die sich als coole jungenhafte Band gibt, mit den Namen der Beatles belegt, aber gerade das Mädchen, das sich John Lennon nennt, hervorgehoben. Denn auch dieser war der absolute Außenseiter seiner Truppe, unangepasst, eigenwillig, und stets auf der Suche nach sich selbst, und nach einem politischen wie persönlichen Standort; den versuchte er mit einem aufregenden und spektakulären Lebenswandel, einigen Hits, großer Selbstdarstellung, und viel Drogen zu erreichen, bis ihn am 8. Dezember1980 ein Geisteskranker auf offener Straße erschoss. Lennon blieb legendär, vor allem, weil seine Witwe Joko Ono es verstand, ihn nicht ganz uneigennützig ( nämlich mit gutem Geschäftssinn ausgestattet) für seine Fans - ähnlich wie es Elvis Presleys Ehefrau und Tochter machten - am Leben zu erhalten. Aber seine Geschichte selbst tut in
diesem Stück eigentlich nichts zur Sache, nur, dass er derjenige unter den
vier Beatles war, der früh ausscherte und seinen eigenen Weg suchte.
Für Anna-Rebekka Düsterhöft, eine behende schlanke junge Schauspielerin
mit flachsblondem Wuschelkopf (geeignet sicher auch als Pumuckl und andere
reizende Kobolde!) trägt den vergleichbaren Konflikt des Mädchens
in ermutigender, humorvoller Weise vor, gleichsam spielerisch und erzählend,
mit sparsamen Requisiten, einem Pult, einem Stuhl, einer Kleiderstange und
einem Pappkarton, aus dem sie ihren ganzen Fundus herauszieht: Schuhe aller
Art, dünne Teeniefähnchen im Wechsel mit praktischem Hosenrock und
einem Pullover der Größe XXL! Nicht schwer zu erraten, in welchen
Klamotten sie sich wohler fühlt: Da das Äußere ja bekanntlich ein Spiegelbild
des Innenwelt darstellt, also Gefühle und Standort widerspiegelt, ist natürlich
klar, dass dieses aufmüpfige Mädchen weder zur Discoqueen neigt, noch
als plappernde Büroangestellte geeignet ist, und dass sie auch als
stereotyp ihren Kram verrichtende Fließbandarbeiterin nicht so gut
zurechtkommt. Aber wo gehört sie hin? “John“ wächst heran, aber noch immer ohne zu wissen, welche Richtung sie einschlagen soll. Sie träumt sich in verschiedene Rollen hinein, was gründlich schief geht, schließt sich Frauengruppen an, findet auch deren Einseitigkeit als Anti- und Abwehrhaltung gegen alles Männliche blöd und verliebt sich eines Tages in einen jungen Mann, der auch nicht so recht weiß, welche Rolle er in diesem verflixten Spiel " Ich Tarzan - du Jane" eigentlich übernommen hat. (Siehe auch "Caveman" in der Arena!) Eine sanfte, ironische kleine Revolution gegen gesellschaftliche Normen, Klischees und festgefahrene Verhaltensweisen. Der Mensch ist doch von jedem etwas, hat diese oder jene Begabungen, Intentionen, Charakterzüge und Wünsche. Gibt es eine Antwort? Vielleicht für jeden, der dies Stück sieht, eine ganz persönliche - für alle aber sicher die, dass es wichtig ist, seine eigene Persönlichkeit zu finden und zu leben, auch wenn man damit nicht immer beulenfrei durchs Leben kommt. Aber das schaffen die anderen doch auch nicht oder? Viel Spaß bei John Lennon! A.C.
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