|
Baumeister Solness
von
|
Die Angst vor dem Sturz |
|
|
Regie: Armin Petras; Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth, Dramaturgie: Carmen Wolfram; Video: Konny Keller mit Peter Kurth (Solness); Christin König (Aline); Andreas Leupold (Arzt und Architekt); Peter Moltzen ( Ragnar, Sohn des Architekten); Iringo Reti Katja Fosli, Buchhalgterin); Anja Schneider (Hilde Wrangel). |
Es muss schon etwas Besonderes an diesem massigen Baumeister mit den strähnigen Haaren sein, dem erfolgreichen Emporkömmling, der seinen alten Lehrmeister, den Architekten Knut Brovik skrupellos zur Seite geschoben hat, weil er allein über die architektonische Gestaltung der Stadt bestimmen will. Auch dem talentierten Sohn Broviks, Ragnar, der in seinem Büro zeichnen "darf", lässt er weder eine Chance noch Anerkennung zukommen. Doch die Frauen reißen sich um diesen Mann, den Peter Kurth als differenzierte, konfuse Persönlichkeit durchaus akzeptabel darstellt, jedoch leider mit recht unansehnlichen "Einspielungen". Seine verhuschte, verhärmte, ständig hilflos das Gesicht zu einem Lachen verzerrende Frau Aline (Christin König) ist ihm fahrig und unbeholfen ergeben und auch die Verlobte Ragnars, Kaja Fosli (Ringo Reti aufgepeppt als mannstolle Popdiva), ist seiner schlichten Vitalität verfallen; Solness jedoch hat weder moralische noch sonstige Probleme, sich beiden Frauen zuzuwenden, was Armin Petras nach allgemeiner Regieauffassung brutal darstellen lässt; für die Botschaft des Stückes und seiner künstlerischen Analyse allerdings zeugen Einschübe dieser Ausprägung eher von Einfallslosigkeit.
Fasziniert von der krassen, unverblümten Neugierde der jungen Wilden, öffnet Solness ihr
sein Herz und beichtet ihr die familiäre Tragik, die seine Frau
und ihn getroffen hat: nachdem das Haus der Schwiegereltern zufällig niedergebrannt war,
hatte Aline einen schweren Schock erlitten. Sie konnte nun die
Zwillinge nicht mehr stillen, und beide Kinder starben. Solness fühlt sich in
seinem tiefen Innersten, an das er eigentlich niemanden herankommen lässt, zutiefst
schuldig an dem Geschehen. Doch Hilde bringt den hilflosen Mann
durch ihre ungestüme, naiv insistierende Art dazu, sich ihr mitzuteilen und
mehr noch: die Hausentwürfe von Ragnar anzuerkennen, und Hilde selbst
an die Stelle von Kaja, Ragnars Verlobter, zu
setzen.
Das Eindrucksvollste an dieser eher undramatischen, trotz einiger
interessanter Videoeinspielungen sich mühsam dahinstreckenden
Inszenierung findet unten in der Eingangshalle statt: da steht ein
kleiner Fernsehapparat, auf dem ein Puppenfilm abläuft. Er dauert nur
wenige Minuten: Eine Figur, dem Solness-Darsteller Peter Kurth verflixt
ähnlich, klettert geschwind einen großen roten Backsteinturm hinauf,
taumelt ein bisschen und purzelt wieder hinunter: Tief unten flutet eine
Menschenmange vorbei, die den Gestürzten mit sich fort trägt. Aus,
vorbei; Wiederholung. A.C. |