Das Erdbeben in Chili MG

von
Heinrich von Kleist

 

 

...aber gefährlicher ist der Mensch


Maxim Gorki Studio

 mit Monika Lennartz

Regie: Erich Sidler

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"Das Erdbeben in Chili" ist eine der rätselhaftesten Erzählungen der Weltliteratur und bedient sich einer historischen Naturkatastrophe. Donna Josephe, Tochter eines reichen Edelmannes, die vom Vater in ein Karmeliterkloster gesteckt wurde, fällt während einer feierlichen Prozession der Nonnen in Mutterwehen und entbindet auf der Stufe der Kathedrale einen Sohn, den sie mit ihrem ehemaligen Hauslehrer Jeronimo Rugera des Nachts im Klostergarten zeugte. Josephe wird zum Tode verurteilt und Jeronimo ins Gefängnis gesetzt, wo er mit unendlicher Inbrunst die Heilige Mutter Gottes um Rettung anfleht. Am Tag der Hinrichtung bricht plötzlich die "zerstörende Gewalt der Natur" in Form eines gigantischen Erdbebens aus, das eine grausame Zerstörung über das Land bringt, die Liebenden aber wieder zueinander führt und zu einer Seligkeit, "als ob es das Tal von Eden gewesen wäre". Wenn jedoch am Schluss des Stückes der Zorn der aufgeputschten Menge losbricht, wird die zerstörende Kraft der Naturgewalten von der Brutalität und Herzlosigkeit der Menschen überboten.

Monika Lennartz, spricht und erzählt dieses erschütternde Geschehen mit ungemein feiner, unaufgeregter und dennoch um so eindringlicherer Intonation, fernab jeglichen Pathos. Mit behutsamer Gestik und, wenigen Requisiten lässt sie ein Szenario vor den Augen der Zuschauer entstehen, das zugleich entsetzlich realistisch und doch von ferner Mystik durchwoben ist. Man leidet, erschaudert, liebt und erlebt hautnah, was sich da vor dreihundert Jahren  abspielte. Und ein Schaudern und Grauen bleiben ganz leise zurück, ob dieser menschlichen Strenge und Erbarmungslosigkeit, wo doch selbst die Schöpfung ein Einsehen hat. A.C.