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Der Biberpelz von
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Regie: Ronny
Jakubaschk/Armin Petras mit: Andreas Leupold, Horst Kotterba, Michael Klammer, Sebastian Godzick/Léonce R. Zako, Robert Kuchenbuch, Ursula Werner, Wolfgang Hosfeld, Anika Baubann, Wanda Perdelwitz, Ulrich Anschütz/Gunnar Teuber, Tim Hoffmann
Gerhart Hauptmanns 1893 im
Deutschen Theater uraufgeführter Biberpelz ist ein
politisch historisches Stück von äußerster Milieutreue, mit dessen
naturalistischer Form sich das moderne Theater sehr schwer tut.
Die von allzu absichtsvoller Witzig- und Munterkeit geprägte
Inszenierung besitzt zwar manch unterhaltsame Szenen, zieht sich aber
insgesamt doch arg dahin. Statt Hauptmanns Sozial- und Charakterstücks
wird letztlich nur ein soziales Klischeestück geboten.
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Krach im Hause Gorki - Regieteam und Ensemble haderten mit einander in Fragen eines neuen Inszenierungsstils. Der Regisseur, der Bühnenbildner und ein Hauptdarsteller warfen wenige Wochen vor der Premiere das Handtuch. Nun übernahmen Ronny Jakubaschk und Intendant Armin Petras die Regie und inszenierten nach Art des Hauses, das heißt: sie dekorierten die Bühne mit einem volksbühnenartigen Ambiente (Stuhl, Tisch, Herd, Kühlschrank, Sofa, Holzstapel, Teppich Fenster, Türen) und stellten das Geschehen auf ein langes schmales Podest, auf dem sich die Szenen von Gag zu Gag wie in TV-Comedys über den Abend schaukeln. Man weiß nicht so recht: ist das nun sozial-politisches Agitationsklischee oder ein Volksstück à la Ohnesorg-Theater mit Heidi Kabel, die hier Ursula Werner heißt, und ohne die man die ganze Inszenierung vergessen könnte, die sich folgendermaßen darbietet: Grell gekleidete und punkartig geschminkte Girlies (Anika Baumann und Wanda Perdelwitz als nervig-minderbemittelte Töchter von Frau Wolff), ein lahmer und schweigender Hausherr (Wolfgang Hosfeld), der nichts weiter tut als seinen Hamster zu streicheln und Schnaps hinunterzustürzen, des weiteren die bieder-blöden Vertreter der amtlichen Obrigkeit, ein Edelzuhälter und seine Dirne aus Fernost, ein Spreefischer, ein windiger Unterförster und sehr viel Schneesturm, der durch alle Türen fegt und die Spielmannschaft zeitweilig zu Boden wirft und unter- und übereinander purzeln läßt. Ein Flickenteppich mit lauter Narren darauf, die einander bestehlen und betrügen, dealen und dem Diener des Kaiserstaates die Hose runterziehen. So hat
Hauptmann seine Diebskomödie sicher nicht gewollt, und auch Armin Petras'
weit fliegende Gedanken, die er stets im Programmheft ausführlich
darstellt, können in dieser Art von Turbulenzen keine aktuelle Version
des Stückes herüberbringen. Im Gegenteil: in der kaugummiartigen
Ausdehnung des Berliner Mutterwitzes und in der endlos ausgespielten, in
Sozialdramatik verzerrten Situationskomik zerstört er eine der herrlichsten klassischen
Volks-Komödien Berliner Mundart. Er hätte bei der Sache bleiben sollen
und können; denn Hauptmanns "Biberpelz" ist ein Meisterstück an Komik,
an Kritik, an Offenlegung kleiner und großer menschlicher Charaktere und
ihrer Schwächen. Die große Enttäuschung aber ist der
Gegenspieler dieser hinterfotzigen Wolffen, der
Amtsvorsteher Wehrhahn, mit Andreas Leupold geradezu eine klassische
Fehlbesetzung als ein freundlich devoter, irgendwie ständig hilflos
begossener Pudel, der seine Sätze mehr schüchtern als
militaristisch-stramm hervorbringt. Ein blindwütiger preußischer
Gerechtigkeitsfanatiker, der sich ja in seinem maßlosen Ehrgeiz geradezu
lächerlich macht, in dem er sich von den kleinen Gaunern auf der Nase
herumtanzen läßt, während er den vermeintlichen Spionen nachläuft - dazu
bedürfte es schon eines anderen Kalibers. |