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Der eingebildete Kranke 08
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Keine Frage - es ist immer die Milz!
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Fassung
und Regie: Barbara Abend Ensemble: Jens-Uwe Bogadtke; Gabriele Streichhahn, Carl Martin Spengler, Gundula Köster, Daniel PP Komma
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Nach der beeindruckenden Version von Molières "Der Geizige (Geiz)" gibt es jetzt im kleinen Kammerspiel eine Neufassung von "Der eingebildete Kranke", dem letzten Stück des großen französischen Komödiendichters, das zugleich sein eigenes Requiem bedeuten sollte. Denn Molière starb, nur 51jährig, kurz nach der Premiere - krank an Leib und Seele. Dass der geistreiche Witz, der tief wurzelnde Zynismus, die aufgespießten Dummheiten und Eitelkeiten des einzelnen homo sapiens und die kollektiven Schwächen einer jeden Gesellschaft der Lächerlichkeit so schonungslos preisgeben indem sie so ungemein amüsant daherkommen, ist vor allem dem leicht fließen Versmaß und dem treffsicheren Reim des Dichters zu verdanken. Wer sich auf die Prosa verlegt, wie die hoch geschätzte Frau Abend in dieser Version, der geht sehr bewusst einen anderen Weg; ob man allerdings neue Dimensionen erschließt, wenn man den Ablauf mit neuen Schwerpunkten inszeniert, bleibt die Frage; denn ob nun, wie hier, vorrangig die Ärztezunft mit ihren geldgierigen Machenschaften, ihren Bluffs und ihren arroganten Allüren an den Pranger gestellt wird oder der vermeintlich so schrecklich kranke Argon, der sich mit Wehleidigkeit Aufmerksamkeit und Macht erkauft, als ein unerträglicher Despot daherkommt - ist letztlich von zweitrangiger Bedeutung. Gilt Argon doch in den meisten Interpretationen als ein armer Teufel, der, völlig gefangen in den Klauen und Klistieren der unfähigen Mediziner, ein bemitleidenswertes Dasein fristet. Hier aber ist er mit dem schlanken, ganz in Schwarz gekleideten Uwe Bogadtke ein vitaler, hochgradig hypochondrischer Mann, der wie Rumpelstilzchen aus der Haut zu fahren versteht, wenn es um die Durchsetzung seiner Interessen und engstirnigen Lebens- und Familienauffassung geht. Dass seine clevere Haushälterin Toinette so eindeutig die Fäden in der Hand hat, ist nicht immer der Fall; hier zwingt die quietschlebendige, allzeit anwesende, wissende und geschickt agierende Gabriele Streichhahn mit ihren klug eingefädelten Schachzügen die relativ einfältige Mannschaft zum glücklichen Ende; und das kann natürlich nur gelingen, weil sie, zugleich als Bèlinde, der geldgierigen Ehefrau Argans, die Machenschaften ihres Dienstmädchens nicht durchschaut, weil sie selbst viel zu sehr mit den eigenen beschäftigt ist: nämlich einer Liebelei mit dem vorgeblichen Herrn Notar, der Argon dazu überredet, sein Testament frühzeitig zu Bèlindes Vorteil aufzustellen. Carl Martin Spengler in den Rollen von Bonnefois, Diafoirus sen. und Béralde, argumentiert hochfahrend und in selbstsicherer Würde - im Kalkül nur eines: das liebe Geld, das ihm als Arzt, Notar und Apotheker sicher ist. Gundula Köster spielt zugleich Angélique und Louison, die beiden Töchter des Herrn Argon, und sie ist gar allerliebst anzuschauen mit ihren kleinen roten Pausbäckchen, den Schleifchen im Haar und dem artigen Gewand - doch geschickt und voller Eifer, dem Papa die Liebesheirat mit dem armen Schlucker Cléante abzuluchsen. Der gefällt weit mehr in der Rolle des zwar ziemlich einfältigen, aber dann doch nicht ganz so blöden Sohn des alten Diafoirus, der schnell gelernt hat, wie man Krankheiten rundweg sicher diagnostiziert (es ist immer und nur die Milz) und den Damen schmeichelt. Daniel PP Koma ist so skurril wie sein Name. Wiebke Horn hat ein passendes hübsches Bühnenbild gezaubert: die rot bespannten Seitenwände umfassen einen käfigartigen kleinen Raum, der hell erleuchtet und von Jalousien eingefasst ist, mit einem Krankenstuhl als einzigem Requisit. Ute Rathmann hat mit wenigen Aufsatzstücken die prachtvollen Roben jener Zeit verziert und die Frisuren und Perücken leicht verrückt karikiert. Dass sich durch diese neu erdachte Version das Stück zum Teil mit Längen hinzieht, tut dem Vergnügen, dass sowohl die Spieler als auch die - an diesem Abend überwiegend jugendlichen Zuschauer - haben, keinen Abbruch. Aber wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann ist die allerletzte Szene eigentlich die allerbeste - denn sie löst sich vollends von der Vorlage und zeigt die Möglichkeit einer erweiterten Interpretation. A.C
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