Der letzte Vorhang

 von
Maria Goos

 

 

In diesem Kampf kann keiner gewinnen

 

 


aus dem Niederländischen von Rainer Kersten

Regie: Antoine Uitdehaag, Bühne und Kostüme: Tom Schenk,

mit:

Susanne von Borsody und Guntbert Warns

 

 

Zurück

 

 

 
Dieses Stück ist ein Selbstläufer, das heißt, es bedarf keines Werbens und Beurteilens; es lebt von einer geschliffen scharfen Übersetzung und der nicht minder pointierten und kristallharten Interpretation der beiden Protagonisten, die sich einen sezierenden Persönlichkeitskampf  à la Elisabeth Taylor und Richard Burton in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" wie auch in deren realem Schauspielerleben liefern. Mehrmalige Versöhnung und Trennung zeichneten in den   70iger Jahren ein erschütterndes Profil eines außergewöhnlichen Künstlerpaares. Das Thema also ist alt und beinahe schon zu oft geprobt, wie zur gleichen Zeit auch im Theater am Ku'damm, wo das unverdrossen liebende und hassende Paar mit Katja Riemann und Peter Renè Lüdecke die alte Zimmerschlacht nach Edward Albee, allerdings in der Fassung von Vater und Tochter Walser erprobt.

In diesem Stück also kämpfen Liz und Richard als trefflich auf einander eingespielte und abgestimmte ehemaligen Kollegen nach zehnjähriger Bühnentrennung erneut, wie einst, um zwei Dinge: Er um die totale Liebe und Hingabe der geliebten Partnerin, sie um seinen Alkoholentzug und ihre Wiederbelebung der vergangenen Bühnentriumpfe. Die beiden haben einander zwar nie wirklich richtig geliebt, das Feuer eher unterschwellig als intensiv einander verbundene Kollegen schwelen lassen; Doch schließlich entfloh Liz dem zermürbenden Konkurrenzkampf und heiratete einen - vielleicht - langweiligen, aber begüterten Kunsthändler; Richard blieb dem Alkohol und seinen verbalen Exzessen treu, verschliss mehr als eine Partnerin durch stete Trunkenheit und vernichtenden Sarkasmus. Aber, und damit läßt der hervoragende Guntbert Warns keinen Zweifel an dem instabilen Charakter seines Richard, dieser war und ist immer noch ein egozentrischer, zerstörerischer Mensch, der seine - auch für ihn selbst viel zu hoch gestellten Ansprüche - niemals hat verwirklichen können und die Schuld daran stets den wechselnden, wohl gutwilligen, aber nicht annähernd so talentierten Partnerinnen wie Liz gab.

Nun hat er die letzte vergrault, und das ist angesichts der bevorstehenden Premiere mehr als eine Katastrophe; Liz kommt und rettet die Aufführung allerdings nur für einen Abend; dann begibt er sich wieder in seine alte Lodderkneipe, und sie hält einem wunderbaren Ehemann die Treue, wenn auch ihr Herz sicher nicht zum ersten Mal einen Sprung bekommt. Susanne von Borsody ist eine hinreißende, vielseitige, hoch dramatische wie auch der Komik verbundene Bühnenschauspielerin, was man ihr immer wieder bescheinigen  möchte; sie gibt hier eine unglaublich nuancenreiche, wandelbare, umwerfend differenzierte Darstellung, die mit Guntbert Warns zusammen ein tolles Paar auf die Bretter stellt - sich steigernd, hineinsteigernd, die verschiedenen Stadien des Effekts, die zum Gipfel der Spannung führen, vollauf beherrschend

Das Renaissance Theater hat mit ähnlichen, sehr personenbezogenen, psychologisch tiefgründigen und gesellschaftlich konformen Stücken ein gutes Repertoire aufgebaut, das, bleibt es diesem Genre treu  (und die Schauspieler dem Theater!), eine Lücke füllt zwischen platten Komödien und angestrengt entseelten Klassikern. Auch der vorläufige Verzicht auf unzureichende Romanbearbeitungen sollte beibehalten werden, um das eigene Profil zu stärken und die Zuschauer zu binden. A.C.