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Die Clownsnummer (The Act)
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Die Macht der Kunst und die Freiheit des Künstlers
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Theater im Palais Mit: Maximilian Claus, Stefan Kleinert, Peter Rauch, Carl Martin Spengler Der Brite Richard Langridge, 64, studierte Englisch, Wirtschafts- und Theaterwissenschaften. Seine Muttersprache unterrichtete er in Neapel und Libyen. Nach seiner Ausbildung am Sherman Theatre in Cardiff freier Schauspieler. Seit 1982 tätig bei der BBC in Wales und als Lektor zahlreicher Filmdrehbücher sowie als Theater- und Filmproduzent.
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Sie sind politisch als subversiv verdächtig und haben bereits bittere Erfahrungen gesammelt, was es bedeutet, sich im Widerpart zu der herrschenden neuen Macht zu bewegen. Sie haben ihre Künstler- und Lehrerrolle abgelegt und sind in eine neue Haut geschlüpft. Hinter der weißen Maske des Clowns verkaufen sie sich nun mit amüsanten Tricks, unverdächtigen Sketches und kindlicher Komödie. Und doch, eines Tages werden die beiden Clowns anonym eingeladen, von einem schweigsamen Fahrer abgeholt und in einem fremden Gebäude in einen komfortablen Raum gebracht. Ein greller Scheinwerfer empfängt sie - ein schlechter Scherz, ein Wegweiser, eine Warnung? Wo sind sie, wer hat sie eingeladen, was sollen sie machen, vorführen, aufführen, welche Rolle ist ihnen hier zugedacht? Die beiden rätseln herum, rätseln auch aneinander. Frink ist ungewöhnlich nervös, unkonzentriert und launisch wie selten, während sich sein Freund Hansen um Gelassenheit bemüht, schon hin und wieder ein kleines Spielchen wagt, eine Probe andeutet, um sich von der Ungewissheit abzulenken. Doch für was und für wen sollen sie sich vorbereiten? Ein bisschen erinnert die Zerreißprobe an Becketts "Warten auf Godot". Die Männer ahnen irgendetwas, dass ihnen aber mehr Angst als Hoffnung macht. Und so ist ihr Gespräch von Vorsicht geprägt, ihr Spiel von seltener Unsicherheit; sie haben es seit langem gelernt, auf Ungewohntes zu lauschen, zu reagieren, Zeichen zu deuten. Ihre Sensibilität registriert jedes Geräusch mit schmerzhafter Wachsamkeit, denn dann und wann durchstreifen ungewohnte Töne das totenstille Zimmer, schrill und Nerven aufpeitschend, oder ist es nur ihre Einbildung, ihre Angst, die sie so hellhörig werden lässt? Carl Martin Spengler und Stefan Kleinert sind zwei gestandene Mannsbilder, aber wie ihre Furcht ihnen die Blässe in die Gesichter treibt, die Hände zittern lässt, die Mienen verdüstert und den Nacken beugt, sie mit wagen Vermutungen peinigt, bis ein beinahe stummer, gebeugter Diener (Peter Rauch) im mausgrauen Kittel lautlos erscheint und den kleinen Tisch mit Essgeschirr bedeckt, ist sehenswert. Das einzige, was dieser Mann sagt oder sagen darf, ist, dass in einer halben Stunde serviert werden wird. Die beiden Männer bleiben ratlos zurück und füllen die unerträgliche Wartezeit mit einer lauernden Ungeduld, die beides nicht will: Länger im Ungewissen bleiben oder diese mit einer schrecklichen Gewissheit vertauschen. Plötzlich wird Frink von dem grauen
Diener herausgebeten: statt seiner betritt, unbemerkt von Hansen, ein
smarter junger Mann im eleganten Smoking, glatt gescheitelt und
geschniegelt, mit einem strahlenden Lächeln den Raum; Maximilian Claus
ist ein perfekter Spieler; mit einer Nonchalance, die das Blut in den
Adern stocken lässt und den Raum mit Kälte füllt, verbreitet er eine
atemstockende Aura voll lauernder Gefahr. Die beiden Männer kennen
einander aus alten Zeiten, als Hansen noch Professor an der
Kunstakademie und der Besucher sein Schüler war und sie einer
gemeinsamen Idee anhingen. Mit fratzenhaft freundlicher Jovialität,
hinter deren Habitus die Mächtigen gerne und gekonnt ihren Zynismus
verbergen, bevor sie die Falle zuschnappen lassen, in die sie die
Kaninchen gelockt haben, lauert der Mann auf seine Opfer. Nach einem
kurzen Geplänkel, das sich wie ein Katze- und Mausspiel ansieht, deckt
der alerte Besucher seine Karten auf: Er möchte, dass die beiden Clowns
spielen, was er ihnen geschrieben hat, ein kleines Stück als Höhepunkt
des heutigen Galaabends, um Mitternacht. Unbedingt sehenswert!
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