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Draußen vor der Tür
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Das Schicksal einer verlorenen Generation
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Regie: Matthias Huhn; Bühnenarrangement: Michael Graessner; Kostüme: Jutta Kreischer; Dramaturgie: Ludwig Haugh Beckmann: Ronald Kukulies; Der Andere: Silvio Hildebrandt; Mädchen : Iringó Réti; Oberst: Gunnar Teuber; Kabarettdirektor: Wolfgang Hosfeld; Frau Kramer: Danielle Schneider; Elbe: Stephanie Stremler
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Zur Eröffnung der neuen Spielsaison fand die Aufführung des Nachkriegsdramas "Draußen vor der Tür" wirksam im Freien statt: nämlich im Kastanienwäldchen zwischen dem Theatergebäude und dem Ehrendenkmal. Die Elbe, personifiziert bei Borchert als beschützende elementare Kraft, schenkt dem entmutigten Spätheimkehrer Beckmann (Ronald Kukulies beinahe zu vital) noch einmal neue Lebenskraft und spült den An Leib und Seele Ermatteten zurück ans Ufer. "Lebe erst einmal, Du Grünschnabel" dröhnt der Fluss - in dieser Inszenierung keine machtvolle dunkelstimmige Frau, sondern ein aufgeschossenes zappeliges Mädchen (Iringó Réti trägt ihr "Bett" wie den Panzer einer Schildkröte auf dem Rücken). Und so versucht Beckmann erneut, sich in einer völlig unbekannten Welt zurecht und für sich selbst einen Halt zu finden, schleppt sich von Station zu Station, abgerissen, müde, hungrig, mit einem geflickten Brillengestell auf der Nase, das den rüden Leuten Anlass zu Spott gibt. Zur Seite steht ihm sein zweites Ich (Silvio Hildebrandt unerbittlich), das ihn kämpferisch antreibt und ermutigt. Zunächst gerät Beckmann auf seiner Suche nach menschlicher Wärme an eine Prostituierte, die ihn jedoch nur verhöhnt und wieder fortschickt, dann an einen Gaukler, der ihn demütigt, schließlich an einen Oberst, dem er die schwere Last der Verantwortung für einen verlorenen Krieg (und die verlorene Zukunft seiner Generation) "zurückgeben" will. Doch der versteht ihn nicht und will ihn mit einem abgetragenen Kleidungsstück abspeisen. Beckmanns Alter Ego fällt noch ein allerletzter Versuch ein: eine kärgliche Lebensflamme züngelt noch einmal empor und trägt den Heimkehrer zurück in die elterliche Wohnung; aber er findet seine Eltern nicht mehr vor. Eine neue Mieterin versetzt ihm den Dolchstoß, als sie ungerührt vom Freitod der beiden Alten erzählt, die "es nicht mehr ausgehalten haben". In jenen wirklich hoffnungslosen Zeiten (siehe auch Erich Kästners "Fabian" - eine leider missglückte Inszenierung am Gorki Theater) drehte so mancher einfach den Gashahn auf...
Es gibt kein vergleichbar erschütterndes und derart kunstvoll geschriebenes Schauspiel,
das seelische Pein und physische Not im Nachkriegsdeutschland so
ergreifend beschreibt: Die absolute Ausweglosigkeit für einen Mann, der
Krieg und Gefangenschaft überlebte und nun in eine aus den Fugen geratene Gesellschaft in einem zerstörten Deutschland zurückkehrt, der nirgendwo mehr zuhause ist, keine Arbeit, kein Verständnis findet - weil die Skrupellosen sich mit ihren Ellenbogen längst wieder zurechtgefunden und alle freien Plätze belegt haben. Für ihn, Beckmann, scheint es keine Aussicht, keine Hoffnung auf ein neues Leben mehr zu geben, und so findet er sich wieder ein an dem dunklen, aufgewühlten Fluss, der ihm die letzte Ruhe nun nicht länger verweigern kann... |