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Ein Teil der Gans von Uraufführung |
Teilen mit Fremden
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Regie: Philipp
Preuss mit:
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Es ist Martinstag. Ein Tag, an dem Kinder Laterne laufen, von Haus zu Haus ziehen und um Gaben bitten, indem sie an den heiligen Martin erinnern, der seinen Mantelumhang mit einem frierenden Bettler teilte. Geblieben sind neben netten Kindergartenspielen vor allem die Tradition des Gänsebratens, den man gern mit Freunden und geladenen Gästen teilt. Aber wie steht's mit Fremden, mit ungebetenen Gästen? Martin Heckmanns läßt sein makabres
Spiel zunächst recht aufregend, spannend und witzig anlaufen; man möchte
meinen, ein neuer Vertreter der so rar gewordenen Kunst spritziger und
hintergründiger Dialoge sei aufgetaucht, die man bisher lediglich von
der französische Erfolgsautorin Jasmina Reza kannte. Auch das Gastpaar ist kurios; er, braun angemalt, sie braun angemalt, schlank, groß, jung und völlig unangepasst nehmen sie die noch unfertige Wohnung ihrer Gastgeber in Beschlag. Nora von Waldstätten mit blitzenden Augen als verführerische femme fatale im violetten Kleidchen mit hohen Pumps und Gabor Biedermann als Deus ex Machina, der jede Art von Unterhaltung in ein Verhör verwandelt und die Gastgeber seinen Wünschen gefügig macht. Das könnte nun eigentlich ein infames Spiel werden - beispielsweise mit dem weiterzuführenden Thema, inwieweit sich einfache Leute manipulieren lassen, nur um anderen zu gefallen, um einen Job zu bekommen, um glänzend dazustehen oder um Karriere zu machen; Wie lange lassen sie mit sich und ihrem Selbstwertgefühl spielen, wann siegt ihr Stolz oder ihre Menschenwürde, wann explodieren sie - oder gehen sie einfach unter: als ein Nichts in einer manipulierbaren Masse? Doch das Spiel bricht jäh auseinander - Soufflé und Gans sind längst misslungen, die Hausfrau ist endgültig in Tobsuchtsanfälle verfallen, der ungebetene Gast wird freundlich hereingebeten und bewirtet, dann jäh brutal wieder hinauskatapultiert, man ist irgendwie ratlos. Und auch dem Autor ist an dieser Stelle wohl nichts Rechtes mehr eingefallen. So hat er das südländisches Paar und die Martins-Sänger draußen vor der Tür schnell in eine Phalanx von Emigranten verwandelt, die sich als Vertreter der armen Flüchtlinge aus der Dritten Welt den Pannenmann als absoluten Ramborächer auserwählt haben, der alle niederschießt. Doch irgendwie sind die Gastgeber nur halbtot und versprechen sich zwar nicht die Ehe, aber ihre Liebe. Ist das nur als zynischer Schlussakkord zu verstehen? Gedankliche Saltos bei modernen Autoren sind nicht selten; auch bei der oben erwähnten Reza ("Der Gott des Gemetzels" am Berliner Ensemble und am Hans Otto Theater in Potsdam) stellt sich inmitten einer Ehe- und Erziehungsproblematik plötzlich die Frage nach unserem ehrlichen Engagement gegen die weltweite Armut und Unterdrückung in der Dritten Welt, nach unserer christlichen Fürsorgepflicht gegenüber den hungernden und kranken Menschen in Asien und Afrika, doch man ist ein wenig irritiert, dass hier nun eine andere Dimension ins Spiel kommt, die dramaturgisch nicht konsequent vorbereitet und aufgebaut wurde. Trotzdem hat man durchaus einen vergnüglichen Abend! A.C.
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