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im Gruselkabinett
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Regie: Sebastian Nübling
mit: Bibiana Beglau, Bruno Cathomas, Robert Beyer, Jörg Hartmann, Lea Draeger, Felix Meyer-Christian, sowie Franziska, Sophia, Angelina, Thekla, Marie, Marie-Luise, Carly, Madita, Lisanne und Vivien (Kinder)
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Das ist die
Geschichte eines Gruselkabinetts, dem etwa folgender Spot zugrunde
liegt. Muriel Gerstner hat inmitten des dunklen, mit Teppichboden ausgelegten Raumes einen großen runden Konferenztisch mit sechs Stühlen und vier Mikrophonen aufgebaut. Das Mädchen Regine schaukelt lässig auf einem Stuhl und lernt offensichtlich französische Vokabeln. Ein gleichfarbig gekleideter (violett und schwarz) Bediensteter, der ansonsten schweigend im Hintergrund auf einem Stuhl verharrt, schleudert Drehaschenbecher auf den Tisch. Nach geraumer Zeit klettert ein Mann unter dem Tisch hervor und outet sich, nicht als verstoßener Liebhaber wie man zuerst - angesichts der Koketterie des Mädchens glauben möchte, sondern als unerwünschter, aufdringlicher Vater Regines. Jakob Engstrand möchte seine Tochter überreden, ihm beim Aufbau eines Seemannsheimes zu helfen und sich dabei einen reichen Offizier zu angeln. Das Mädchen zieht es dann doch lieber vor, im neu errichteten Kinderheim der Hausherrin arbeiten, auch wenn sie bei diesem Gedanken wenig begeistert das Gesicht verzieht. Der Vater wird wieder zur Tür hinaus gejagt, beziehungsweise unter den Tisch abgedrängt. Dafür taucht jetzt der Pfarrer Manders hervor, dessen Selbstgerechtigkeit und starres Welt- und Gesellschaftsbild Robert Beyer mit klirrender Kälte veranschaulicht. Die Stimme der Hausherrin erklingt fest aus dem Off, und Manders setzt sich, aktenblätternd, an den Konferenztisch. Dann erscheint Frau Helene Alving selbst, um Einzelheiten der bevorstehenden Denkmalseinweihung zu besprechen. Bibiana Beglau wirkt eher mager als schlank in einem unvorteilhaft engen hellgrünen Kleiderfummel, doch ihre Stimme schwingt nuancenreich auf den Gefühlsebenen ihres vergeudeten Lebens. Mehr auf als neben dem Tisch dreht sich jetzt das Karussell ihrer Beziehung zurück in die Vergangenheit. Frau Helene eröffnet dem Pfarrer jäh die schonungslose Wahrheit über ihren verstorbenen Mann, den alle Welt als Gönner und Wohltäter verehrt. Eine traurige Familiengeschichte kommt da ans Tageslicht: Untreue, Alkoholismus, Syphilis. Ganz kurz, plötzlich weit außerhalb der realen Welt, nähern sich Manders und Helene in langsamen schmiegsamen Tanztakten. Dann meldet sich, die Idylle brutal zerstörend, aus dem seitlichen Lehnstuhl der aus Paris heimgekehrte, verlotterte Sohn (Bruno Cathomas als erbarmungswürdiger moralisch verkommener Musiker, der trotz seiner Körperfülle zu einem weinerlichen Wicht zusammenschrumpft), abwechselnd Trompete spielend, sabbernd, spuckend und permanent saufend, praktischerweise gleich aus der Flasche. Dann zieht er sich unter den Tisch zurück, also in die unteren Räume, um dort mit Regine gut vernehmbare Liebesspiele zu treiben. Helene erschrickt zu Tode und weiß, dass die Gespenster der Vergangenheit zurückgekehrt sind, und sie sich ihnen wird stellen müssen.. So geht es weiter, anderthalb Stunden lang ohne Pause.; es wird viel gesprochen, aber nichts be-sprochen, dann und wann mit Sekt herumgespritzt und laut schmatzend (einziger Sinn und Zweck der Mikrophone?!) Salat gefuttert; Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich. Die Blindheit, die jahrelang eingeübte Verleugnung all dessen, was in dieser Gesellschaft nicht wahr sein darf, und die Blindheit der Frau bleibt allgegenwärtig; was Helene damals verleugnete, sieht sie jetzt auch nicht: Oscar ist das Ebenbild seines Vaters; er sitzt und säuft und schmatzt ihr gegenüber. Regisseur Sebastian Nübling hat diese von Ibsen als bösartige gesellschaftliche Karikatur eines verlogenen und selbstgerechten Sittengemäldes einer Kleinbürgergesellschaft schonungslos - und damit leider auch wirkungslos überzeichnet. Zum Gipfel und Höhepunkt dieser seelischen Pein betreibt er das Ableben des Sohnes Oscar, der in dicken Mehlschwaden beinahe erstickt und auch seine Mutter sabbernd mit Mehlpulver überschüttet, das er praktischerweise unter dem Unterhemd bereithält. Ob nun das Mehl den Rauch des unheilbaren Kettenrauchers symbolisiert oder vielleicht den Nebel des Nordens oder, ob er alle Lügen nun angesichts des Todes gnädig einhüllt, wer weiß. Jedenfalls verpasst die nun ebenfalls irrsinnig gewordene Helene ihrem Sohn alle acht Morphiumspritzen langsam und gezielt nacheinander und ringelt sich zum Schluss wie eine grüne Schlange auf seinem Schoß zusammen. Dann fährt der Tisch auf die Bühnenebene herunter, und rundherum wandern gleichgekleidete kleine Waisenmädchen mit Regine, die, vielleicht schon von Oscar infiziert, einer voraussehbaren Zukunft im Seemannsheim entgegen geht A.C.
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