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Maria Magdalena von Friedrich Hebbel
(1813-1863) |
Man versteht diese Welt nicht mehr
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Maxim Gorki Theater Regie: Jorinde Dröse mit:
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Das Sozialdrama aus dem Milieu der rechtschaffenen Handwerkfamilie aus dem frühen 19. Jahrhundert hat Generationen von Zuschauern sicher zu Tränen gerührt; und es könnte auch heute noch - zumal die strenge Moral gerade im preußischen Land noch lange Zeit fort herrschte - zum Nachdenklichwerden anregen. Aber das Blitzgewitter, das über diese Familie vernichtend hereinbricht, liegt unserem heutigen Verständnis wohl doch gar zu fern; und so muss man denn die vielen Lacher verstehen, die das traurige Bühnengeschehen deutlich kommentierten, das sich zwischen glatten nußbaumfurnierten Wänden in einem abstrakten Raum abspielte. Wenn man etwas aus der Klassikerkiste hervorholt und glaubt, eine Aussage aus fernen Zeiten so problemlos mit ein paar Inszenierungsgags ins Heutige versetzen zu können, stellen sich logischerweise etliche Brüche ein. Dazu kommen verwirrende Klischee-Vokabeln wie "Überlebensdruck in Zeiten eines entfesselten Kapitalismus", die zwar eine Absicht verkünden, aber die Erleuchtung missen lassen, denn zu Hebbels Zeiten konnte von Entfesselung in diesem Bereich noch nicht so recht die Rede sein konnte. Der Kapitalismus ist übrigens weder im Hebbel-Original noch in der jetzigen Bühnenversion relevant - lediglich im Programmheft glaubte man, auf diesen Satz nicht verzichten zu können. Aber es steht noch etwas anderes dort geschrieben, und das ist höchst faszinierend und wäre in diesem Fall eine effektive Bereicherung: Würde man die Geschichte von M.M. neben die der folgenden Frauengenerationen stellen, die sich nach und nach aus dieser alten Unfreiheit in neue, äußerlich oder selbst auferlegte Zwänge begeben, wobei die absolute Freiheit wohl weiterhin als Utopie am Horizont leuchtet. Nein, es ist die überaus strenge
gesellschaftliche Moral, die hier vernichtend und emporhebend die
Schicksale - und damit natürlich auch das Einkommen und das Wohlergehen
einer jeden Familie bestimmt. Fehlt der Sohn - wenn auch nur angeblich -
so ist die Familie eines Diebes fortan geächtet. Bekommt die Tochter ein
uneheliches Kind, ist nicht nur ihre Familie fortan gebrandmarkt,
sondern das Mädchen selbst auch zur ewigen Buhlerin verurteilt. Stirbt
die Mutter an all diesen schrecklichen Aufregungen, so trägt die Familie
allein Last und Schuld. Bis dahin stimmt die Inszenierung in der
realistischen Wahrnehmung, dass die so genannte "Gesellschaft" sich zum
engherzigen Tugendwächter ihrer Mitglieder aufschwingt und erbarmungslos
vernichtet, wer aus diesem Korsett ausbricht. Wenngleich auch alles eher
altersschwach als aufrüttelnd daherkommt. Als am Ende das Chaos komplett ist, der Sohn den Vater verlässt, das Mädchen irgendwohin geht (vielleicht ins Wasser, vielleicht ins Ausland, man weiß das nicht so genau) und die beiden Kontrahenten einander das übliche, wahnsinnige tödliche Duell liefern, wühlt der Vater hilflos in seinen Papieren, um uns nach einer ganzen Weile müde mitzuteilen, dass er die Welt nicht mehr verstehe! Wir auch nicht. Jedenfalls nicht d i e s e! A.C.
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