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Mirandolina
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Wenn Herzen Feuer fangen
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Regie: Ernst Stötzner, Bühne: Petra Korink, Kostüme: Christine Mayer, Dramaturgie: Gesine Schmidt: Mit: Mathis Reinhardt als Ritter, Jörg Gudzuhn als Marquis, Stephan Grossmann als Graf, Constanze Becker als Mirandolina, Katrin Klein und Lotte Ohm als "Komödiantinnen", Gabor Biedermann als Fabrizio, Recardo Koppe als Dienter des Ritters |
"Mirandolina" gehört zu den entzückendsten Komödien des vielseitigen italienischen Arztes, Impressarios, Dichters und Komödienschreibers Carlo Goldoni. Er muß ein leidenschaftlicher Frauenfreund, Kenner ihrer Psyche, ihrer Kaprizen und Launenhaftigkeit und stets ein Bewunderer von Witz und Skurrilität gewesen sein, um dieses Urweib zu zeichnen, eine einfache Gastwirtswitwe, die alle Männer um ihren Verstand bringt. Nicht ohne Grund lautet der Titel im Italienischen: "Locandiera" - verliebte sich Goldoni doch stets heftig in junge Frauen, deren kokette Schlichtheit ihn in ihren Bann schlugen. Da er die Commedia dell' arte von ihrer Stereotypie, der klassischen Rollenfestlegung eines Arlecchino, eines Pantalone, einer Colombina, eines Dottore und anderer Figuren durch eine weiter gedachte und gefasste Analyse und Darstellung menschlicher Charaktere befreien wollte, hatte er nicht nur Befürworter und Freunde unter den Theaterleuten und Kritikern, die, wie zu jeder Zeit, am Althergebrachten nicht rütteln wollten. Doch dessen ungeachtet, schuf Goldoni eine Vielzahl an Komödien, die denen Molières zwar nicht an politischer Schärfe gleichkamen, aber an Spaß ähnlich, Jahrhunderte überdauern sollten. Ob und wie sie auch heute noch bühnenwirksam inszeniert werden können, ohne ihren eigenen Charme zu verlieren, daran versuchte sich jetzt in seiner zweiten Premiere in dieser Saison das Deutsche Theater unter der Regie von Ernst Stötzner, einem alten Theaterhasen, bei dem man sicher sein kann, weder im Schlamm waten noch in Peinlichkeiten ersticken zu müssen. Allerdings regt diese Inszenierung auch nicht wirklich auf und bleibt ein wenig diffus. Im nach frischem Holz duftenden Bühnenhalbrund stolzieren die beiden adeligen Bewerber um Mirandolinas Gunst wie bunt schillernde Kampfhähne umher: Der Graf von Albafiorita (Stephan Grossmann) ist ein neureicher, mit Geld protzender Edelmann, der mit Preziosen für die Angebetete nur so um sich wirft; der andere, der verarme alte Marquis von Forlipopoli blendet und wirbt vor allem mit seinem Titel und jenem dümmlichen Snobismus, der sowohl im manierierten Habitus als auch in der nasalen vornehm zerquetschten Stimmführung zur absoluten Lächerlichkeit führt. Mit Jörg Gudzuhn ist dieser Marquis in allen Facetten eine spitzenmäßige Karikatur seines Genres! Der Dritte im Bunde der Gäste, die zur Zeit in dem kleinen Wirtshaus logieren, ist ein absoluter Hagestolz und Frauenfeind, der Cavaliere di Ripafratta, der sich beinahe mit Molièreschen Wut und Hassausbrüchen vehement gegen alle weibliche Beeinflussung standhaft zur Wehr setzt. Mit Mathis Reinhardt steht einmal mehr ein junger Vollblutschauspieler auf der Bühne, der - wahrscheinlich entgegen der Originalvorstellung dieses Typs - überaus sympathisch, männlich und so voller Leidenschaft über die Bühne wirbelt und wütet, dass man mit seiner unerfahrenen heftigen Liebesverwirrung und seinem brennenden Kummer wahrhaftig Mitleid verspürt. Und Mirandolina, dieses naiv-teuflische Rasse- und Klasseweib, dass sich seiner Wirkung sehr wohl bewusst ist und es geschickt versteht, die Glut der Freier zu schüren und damit ihren Hausdiener Fabrizio höllisch eifersüchtig zu machen, führt uns in einem entzückenden kleinen Lehrstück die Einfältigkeit "der Männer von Welt", die Selbstgefälligkeit der adeligen Gecken, der alten Buhler und jungen Liebhaber nach dem Motto: "Wie verführe ich einen Mann und jage ihn anschließend zum Teufel" vor. Constanze Becker, die sich eher sportlich und kumpelhaft denn als durchtriebene Evastochter gibt und deren spröde Koketterie gerade dennoch Funken in der Männer Herzen schlägt, führt ihre Rolle brav zu einem überraschenden Ende. Denn die Variante, die Stötzner in diese Inszenierung einbaut, nimmt dem Stück dann letztlich doch die absolute Lächerlichkeit und Absurdität: Er gibt seiner Mirandolina beides: Herz und Verstand, was sie weit über den Durchschnitt der Frauen in jener Zeit wohl hinaushebt, gleichwohl aber auch das Selbstbewusstsein der Künstlerinnen aller Zeiten markiert. Herz also, um sich doch ein wenig in den von ihr jäh so kopflos vorgeführten Ritter zu verlieben und Verstand, um ihn mit aller Schärfe und Härte, die ihr möglich ist, in seine - und sich in ihre Grenzen zu verweisen. Auch wenn zwei Menschen hier sichtbar schrecklich leiden. Und so wirft sich Mirandolina letztlich als ein Opfer ihres Übermuts in eine langweilige Ehe mit ihrem Hausdiener. Es bleibe ein jeder in seinem Stand, und vor allem, er treibe kein beliebiges Spiel mit der Liebe! Das ist dann wohl doch die - hier tragische - Botschaft jenseits aller Kapriolen in diesem flotten Rondo, bei dem auch schon mal die flatternden Volants der Hemdblusen Feuer fangen und die Herzen sowieso lichterloh brennen. A.C.
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