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Sobald 5 Jahre vergehen von Federico Garcia Lorca
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Leichtes Spiel mit schweren Gedanken
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BAT
Studiotheater
Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Regiearbeit
von mit Jan Thümer, Maximilian Löser-Hügel, Anna Eger, Francesca Tappa, Johannes Winde, Daniel Jeroma, Stefko Hanushevsky, Iris von Kluge - alle in mehreren Rollen
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Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Studenten und Absolventen mit ihren Produktionen - oft auch gemeinsam mit dem Gorki Studiotheater - Beachtliches vorzuweisen vermögen. Sie bieten in dem zwar quantitativ mit Theatern gut ausgestatteten Berlin vor allem einen qualitativen Lichtblick. Es lohnt also immer, auch mit kritischem Blick, in die Belforter Straße am Prenzlauer Berg zu reisen, um eines der kleinen oder größeren Schau-Stücke zu begutachten. Bewundernswert sind in der Tat stets der Einfallsreichtum der mit wenigen Mitteln realisierten Bühnenbilder und Kostüme und der gut gesetzten Beleuchtungseffekte, sowie vor allem die sich bereits sehr deutlich herauskristallisierenden differenzierten Begabungen. Sebastian Schug, Jahrgang 1979, hat sich, wie alle anderen hochstrebenden Regiestudenten, bereits in vielen Projekten engagiert und auch ausgezeichnet. Mit diesem Stück stellt er nun seine Diplominszenierung vor. Dazu muss man wissen, dass die Aufgabe darin besteht, alle möglichen Regievarianten (mit ihren strengen Regeln) auch mit kreativen Assoziationen und mit den technisch und schauspielerisch gegebenen Möglichkeiten zu verbinden. Das hat notwendigerweise eine etwas diffuse Artenvielfalt zur Folge; und der Jungregisseur ist gut beraten, sich ein gut zu gestaltendes Stück auszusuchen, das eine derartige Vielfalt an Inszenierungseinfällen verkraften kann. Bei Lorcas Vorlage scheint das der Fall zu sein. Denn der Autor, hat sein abstruses Spiel um Liebe und Tod, Warten und Vergehen, Hoffnung und Enttäuschung, intellektuelle Tagträumerei und um handfeste Realitäten trotz allerlei dramatischen Effekte und Einfälle für skurrile Interpretationen offengelassen. Das nutzen Schug und seine Leute kräftig, oft vielleicht zu eifrig, wenn der spielerische Überschwang Körper und Sprache nicht mehr am Zügel hält. Denn zu schreien und zu toben braucht man bei Lorcas Themen nicht, die sich durchgängig mit der Ausweglosigkeit, sich aus den gesellschaftlichen Ketten zu befreien, befasst. Immer leuchtet die Tragik des eingeengten Handelns, der gnadenlosen Überwachung aller Regeln und Riten schmerzhaft tragisch durch die Geschichte. In diesem bereits vergangenen Zukunftsdrama ist es durchaus erlaubt, mit Spott und Häme über die durcheinander gebrachte Gesellschaft herzufallen, auch wenn dies mit den Mitteln des absurden Theaters erfolgt. Aber das wäre eine hohe Kunst; solange diese jedoch nicht perfektioniert ist, scheint die Plattform zur überschäumenden Selbstdarstellung doch gar zu verführerisch. Iris von Kluge ist eine äußerst differenziert tändelnde und abstrahierende Darstellerin einer Stenotypistin, Feminina
und ferne Phantasie- und Realfigur in einer Peron. Während Anna Eger zwar
sehr verführerisch ihren Lover auf der Matte
beherrscht, aber weitgehend doch abseits ihrer Rollen als Braut,
totes Kind und Mädchen steht. Auch die temperamentvolle Francesca
Tappa sollte ihrer Bühnenpräsenz stärker vertrauen und sich ohne künstlerische
Einbuße zurücknehmen. Dass der kleine Stefko Hanushevsky alle anderen um mehrere Häupter schauspielerisch überragt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Wie er in seinen vielen Rollen den nachdenklichen Freund, die skurrile Haushälterin, den makabren Fellini-Clown und schließlich den klugen Gangsterboß meistert, das zeigt schon eine breit angelegte Skala von Persönlichkeitsprofilen. Aber auch Daniel Jeroma ist außerordentlich überzeugend sowohl als Macho-Freund, der mit der Braut des Ewig Wartenden schläft, als auch als schwäbelnde Brautvater-Karikatur und als Harlekin. Für Maximilian Löser-Hügel beibt die etwas ominöse Rolle als intellektueller Freund und verneinender Geist. Diese Mannschaft also turnt und tobt durch das leichte Spiel mit seinen schweren Gedankengängen: Die Braut ist enttäuscht, weil sie so lange warten soll und vergnügt sich mit anderen Männern; der Bräutigam ist enttäuscht, weil sie ihn nicht mehr will; der Vater ist enttäuscht, weil er nur Ärger hat, und die Stenotypistin ist enttäuscht, weil niemand sie jetzt und sofort wiederliebt. Die Moral von der Geschicht': Sie ist eine Aufforderung, im Heutigen zu leben und zu lieben und zu kämpfen, und die Mahnung, die Phantasiewelt als künstlerische Förderin unseres Geistes und als Muse unserer Seele zu pflegen, aber als Feindin des notwendigen realen Handeln zugleich bekämpfen. Sonst werden wir wie das Spanien Lorcas gestern bereits gestorben sein... A.C. |