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Von Mäusen und Menschen
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Die Ballade einer großen Freundschaft
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Regie: Gil Mehmert, Bühne: Claudia Karpfinger, Kostüm: Kissi Baumann
mit:
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John Steinbecks weltberühmte Geschichte von dem ungleichen Freundespaar Lennie und George bewegte und berührt gestern wie heute Leser und Zuschauer gleichermaßen. Da Steinbeck die Ballade einer großen Freundschaft selbst dramatisierte und das Münchner Gastensemble klug genug war, diesem kleinen Wunderwerk nichts "Modernisiertes" aufzusetzen, kann man bis Mitte März (2008) einmalig kraftvolles und zärtliches Theater auf dieser Berliner Bühne sehen. Der bärenstarke, aber geistig stark behinderte Lennie wird von seinem Freund George hingebungsvoll betreut und, da die beiden sich als Wanderarbeiter durchschlagen müssen, ist beider Leben recht kärglich und - zudem von der ständigen Sorge bedroht, dass die "Chefs" Lennies Zustand aufdecken und die beiden fortschicken könnten. Denn der große tollpatschige Junge hat eine ausgeprägte Schwäche für alles, was weich und kuschelige ist; zärtlich streichelt und tätschelt er kleine Mäuse, junge Hunde und, auch junge Mädchen, was schreckliche Folgen haben kann. An seiner ungelenken Zärtlichkeit und unkontrollierten Körperkraft wird letztlich beider Traum von einer besseren Welt, dem Besitz einer eigenen kleinen Farm bitterlich scheitern... was als tumbe Wiederholung von Anfang an erscheint, nämlich Lennies sehnlichster Wunsch nach Kaninchen, die er dann eines Tages füttern und streicheln könnte, wird zum Schicksalstrauma John Steinbeck wäre nicht der große Erzähler Amerikas, Schriftsteller, Kriegsberichterstatter, Nobelpreisträger, beherrschte er nicht die Kunst der spannend sich aufbauenden, unsentimentalen, beinahe selbstverständlichen Gabe, menschlichen Alltag und Schicksale hart und realistisch, aber zugleich liebe- und hoffnungsvoll zu erzählen. Da er selbst als junger Bursche als Wanderarbeiter durch Kalifornien gezogen war, später mit einem Wohnwagen und seinem vierbeinigem Reisebegleiter (Hund "Charly") durch die Staaten reiste, um über Land und Leute mit scharfer und kritischer Beschreibung zu berichten, sind seine Protagonisten keine Phantome, sondern in ihrer ausgeprägten Eigenart Menschen aus Fleisch und Blut.
Hannes Jaenicke, der in dieser
Inszenierung den tumben Lennie so unbeholfen, so kindlich
anrührend, so naiv verkörpert, gelten die Sympathien des Publikums nicht
weniger als seinem temperamentvollen und zupackenden Freund George, der
mit Roman Knizka wie ein vitalisierter James Dean wirkt und dessen
strahlend blaue Augen bis in die letzten Publikumsreihen blitzen.
Gespannt wie ein Flitzebogen beobachtet er seine Umgebung, die neuen
Leute, den mächtigen "Chef", der wie ein schwarzer Cowboy mit malmendem
Unterkiefer im Türrahmen lehnt, in ständiger Obacht seines Freundes
Lennie, dessen Regungen er scharf beobachtet und steuert, um nicht
sogleich in Misskredit zu geraten. Glücklicherweise stehen Lennie und George eine Handvoll Charaktere zu Seite, die sich hören und sehen lassen können als da ist: der eigentlich gar nicht unsympathische Curley, Sohn des "Chefs", der in permanenter Eifersucht und Kampfbereitschaft lebt, könnte doch seine lebenslustige junge Frau - Patrizia Margaliotta ist eher eine sorglose Göre als ein ausgekochtes Flittchen - ein oder gar zwei Augen auf die kräftigen jungen Burschen werfen; natürlich wird die Kleine dem armen Lennie zum Verderbnis werden, und damit ist kein Geheimnis verraten, denn das Stück bereitet den Zuschauer von Anfang an auf diese Konsequenz vor. Der Maultierpfleger Slim ist der nachdenkliche, verantwortungsbewusste Vorarbeiter auf dieser Farm- ein Mann, der sorgsam abwägt, die Temperamente ausgleicht, die Leute vor sich selbst und ihrem Rauswurf schützt und dennoch von allen unerbittlich fordert, was getan werden muss. Der farbige Stallknecht Crooks, ein Krüppel, seit ein Pferd ihn schlug, tröstet sich in seienr Ausgrenzung als "Nigger" mit seinen Büchern. Da sind da noch der skurrile alte Candy mit einem großen Herzen und versehrter Hand, sowie der ebenso handfeste wie unsensible Carlson, der Menschen wie Hunde behandelt. Der schönste Beifall ist sicher die atemlose, spannungsgeladene Stille während der letzten zehn Minuten dieser Aufführung, die ein Publikum erfreut, das den Glauben an die unvergängliche Qualität dieser Stücke nicht verloren hat. A.C.
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