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Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von Edward Albee
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Wenn der Teufel einlädt: Im Feuerofen der Gefühle |
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Regie: Jürgen Gosch Bühnenbild und Kostüme: Johannes Schütz mit: Corinna Harfouch, Katharina Schmalenburg, Alexander Khuon und Ullrich Matthes Kurzbetrachtung Vier exzellente Schauspieler verkörpern zwei Ehepaare, die sich im Laufe einer späten Nacht wie besessen alle nur möglichen Gemeinheiten und Widerwärtigkeiten an den Kopf und um die Ohren peitschen und nicht aufhören können, gegeneinander Gift und Galle zu speien. Am Ende gehen sie auseinander - in diesem Spiel gibt es keinen Sieger. Wie und in welcher Art sich heutzutage eheliche Kampfszenen abspielen, kann man in entschärften Varianten zur Zeit an verschiedenen Berliner Bühnen sehen, z.B.: " Freunde zum Essen" am Renaissance-Theater, und "Die Zimmerschlacht" an der Vaganten-Bühne". |
Je roher desto besser - so lautet
eigentlich die Devise heutiger Theatermacher. Wenn allerdings das Stück
selbst schon an Gemeinheit und Grausamkeit nicht mehr zu überbieten ist, dann
tut man gut daran wie Johannes Schütz, auf jegliche Zutaten zu verzichten
und eine kühle, lang in den Hintergrund auslaufende leere Bühne zu bauen,
in deren Vordergrund lediglich ein provisorischer Heimwerkertisch mit einer
Unmenge hochprozentiger alkoholischer Getränke den Fortlauf der Zerstörung
und Selbstzerstörung bestimmt. sie einander die Verbände von
ihren seelischen Wunden und ziehen nach und nach das
junge Paar in ihre Schlinge, bis auch dieses seine Unbedarftheit
verliert und seine gut gehütete, noch gar nicht einmal
so bewusste Privatsphäre nach und nach der Vergiftung preisgibt. Er schlendert zunächst hinter seiner keifenden, stark angetrunkenen Frau herein, mit wehendem Mantel und Schal, beinahe unbeteiligt wie ein fremder Gast, und versucht, ihre Beschimpfungen zu ignorieren, allerdings ohne Erfolg. Martha zieht nun das erste Mal an diesem Abend die Schlinge ihrer Enttäuschungen um seinen Hals. Noch wirkt alles ein bisschen albern, am Rande des guten Benehmens, wie nach einer Party, auf der man zuviel getrunken hat. Aber dann eröffnet Marthe ihrem Mann, dass sie noch Gäste eingeladen hat... Corinna Harfouch's Martha ist mal Furie, mal Schlange, umzüngelt kaltschnäuzig den Gegner, schürt die schmerzhaften Flammen des Schicksals, speit Verachtung auf den Verlierer und kreischt wie eine Wahnsinnige, die außerhalb jeglicher Kontrolle steht. Während sie sich im Wechsel des Schlagabtauschs scheinbar geschlagen gibt und als heulendes Elend am Boden krümmt und windet, von George nur teilnahmslos in ihrem erbärmlichen Zustand betrachtet, sammelt sie bereits neue Kraft für das nächste Duell der Niederträchtigkeiten. Daran scheint kein Mangel. Zwischendurch schnappt sie sich, nun als Vamp verkleidet, den nicht einmal abgeneigten Nick; der kommt in der athletischer Gestalt von Alexander Khuon zunächst herrlich nett und naiv als freundlicher Sportsmann daher - dann aber plaudert er im heimtückischen small talk seine kleinen ehelichen Geheimnisse aus, die später im Fleischwolf der Gemeinheiten zerrieben werden. Die Reserven an Bösartigkeiten bei Martha und George scheinen schier unerschöpflich. Die kleine Honey, deren ganze Naivität und Unschuld in den wenigen nächtlichen Stunden zum Teufel geht, hält sich wacker neben den Über-Ich-Gestalten der teuflischen Gastgeber. Ihre Reaktion auf das Inferno ist körperliche Übelkeit, und wem würde nicht schlecht angesichts solcher Hirn- und Herzwäsche! Doch dank ihres freundlichen und naiven Wesens behält sie trotz vieler Brandys und black outs auf dem Badezimmerboden bis zuletzt einen klaren Kopf. (Für Katharina Schmalenberg endlich der Durchbruch am Deutschen Theater). Sie versteht es, ihre Mädchenhaftigkeit mit einer intuitiven Erfahrung zu ergänzen, die jenseits aller Bösartigkeiten steht; letztlich ahnt sie als Tochter eines berühmten Predigers vielleicht viel mehr von den dunklen Tiefen der menschlichen Seele als alle anderen! A.C. |