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Woyzeck von nach einer historischen Begebenheit
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Keine Chance für Woyzeck und Co |
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Regie: Daniel Kraus Bühne: Jan Miller Musik: Jan Giese mit: Anmerkung: Der historische Woyzeck wurde nach mehreren gerichtspsychiatrischen Untersuchungen für zurechnungsfähig erklärt und des Mordes an seiner Geliebten schuldig befunden. Er wurde 1824 hingerichtet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Leipzig.
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Die Vagantenbühne hat bis auf wenige Ausnahmen sehr sehenswerte Inszenierungen, mit denen sie gegenüber den großen Berliner Bühnen oftmals ein beachtenswertes Gegenangebot liefert. Für Gäste, Schüler und Studierende gleichermaßen eindrucksvoll ist vor allem, wie sie mit klassischen Stücken, aber auch mit zeitkritischen Problematiken umgeht. Dabei ragen sowohl schauspielerische und inszenatorische als auch bühnentechnische Besonderheiten heraus. Allerdings fällt nun auf dieses Lob ein Wermutstropfen, denn der "Woyzeck", den sich Daniel Kraus und seine Mannschaft ausgedacht haben, leidet leider an Langeweile und an Längen. Gefährliche Textkürzungen, sehr lange Atempausen, magerer Bewegungsraum: Da die Bühne seltsamerweise vorne mit kleinen Bartischen arrangiert ist und sich daran die Besucher vis á vis gegenübersitzen, bleibt nur ein schmaler Zwischenraum für die Darsteller, und für die arme Marie gar an der rechten Wand nur eine Schaukel und eine kleine Kinderwiege. Aber da Petra Bernhardts Marie überwiegend nur durch Schönheit, rote Haare und einen tollen grünen Kleiderfetzen auf sich aufmerksam machen darf, hat man sie wohl so an die Seite gedrängt. Man sah diese Rolle auch schon anders interpretiert. Auch für den armen geschundenen Soldaten Woyzeck, der seinen Körper und damit seine Gesundheit der Wissenschaft und seine Seele dem miesen Militär zur Verfügung stellt, bleibt nicht viel Möglichkeit, seine außerordentliche Leidensfähigkeit bis zum panischem Schluss auszuspielen. Obwohl auch Rüdiger Klink ein ausgesprochen bemerkenswerter Woyzeck ist, von etwas schwerer Figur (wie es einseitige Ernährung oft mit sich bringt!), mit wilder dunkelhaariger Mähne, loddriger Lederjacke und ausgebeulten Jeans. Im bärtigen Gesicht ein wirklich ständig gehetzten Ausdruck, der sein ganzes armseliges Schicksal so offen legt, dass es einen jammern könnte. "Du siehst so vergeistert aus", sagt die ängstliche Marie in schlichter Mundart zu ihm, als er zwischen permanent einseitiger Erbsenkost beim Arzt und sklavischem Friseurdienst beim Major mal schnell bei ihr und dem Baby vorbeischaut. Seine philosophisch wirren Gedankengänge über das Los seinesgleichen sind nur im Ansatz präsent, so dass sein geistreich-verwirrtes Innenleben, das letztlich konsequenterweise zum Ausflippen führen muss, nicht in sich schlüssig ist. Für die beiden anderen
Darsteller hat der Autor nicht ohne Grund solch seltsame Namen gewählt,
die nicht nur des Dichters Sinn für surrealen Humor zeigen, sondern auch,
wie widerlich diese Vertreter von Wissenschaft und Militär sein können.
Ob diese allerdings gar so schrecklich schreien und ihre
Sauforgien laut lärmend über die Bühne bringen müssen, weiß der
Regisseur allein. So bleibt das erste bedeutende deutsche Sozialdrama, das
die Armut und Aussichtslosigkeit der kleinen Leute beschreibt, was es
immer war: ein Fragment - von keiner Seite richtig beleuchtet
wird. Es wird nur angedeutet, was sein könnte, wenn man
daraus eine dramatische Inszenierung machen würde. Die
Themen wissenschaftlicher Ausbeutung (legal und illegal) liegen nicht nur bei
der Gentechnik (Klonen und Ausschlachten von menschlichen Embryonen) auf
der Hand. Auch eine neue gesellschaftliche Armut und Orientierungslosigkeit
in unserer Gesellschaft wird oft genug beschworen; und Eltern, die nicht in
der Lage sind, für sich selbst, geschweige denn für ihre
Kinder Verantwortung zu tragen (Kinderarmut!), füllen unsere Medien.
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