Die Cocktailparty

von
 T.S. Eliot

 

Unbekömmliche Mixturen 

 

 

 

Deutsches Theater

 

  

 

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Psychoanalyse und Religion durchsetzen dieses komplizierte Beziehungsgeflecht, das im flirrenden Zwielicht auf eher langweiligen Parties an die Oberfläche gespült wird. Im Durcheinander der Gedankengänge und ihrer Interpretationen wandelte nicht nur Eliot auf dem steinigen Weg zwischen Religion und Psychoanalyse, sondern auch Kruse und seinem Ensemble gelang es in dieser Spiel- und Spaß- Inszenierung nicht, deren gegenseitige Ergänzung und Bereicherung ernsthaft herauszuarbeiten bzw. abzugrenzen.

 

Der Anglo-Amerikaner Thomas Stearn Eliot (1888-1965) schrieb 1949 eine als Komödie gedachte Auseinandersetzung mit der tiefenpsychologischen Erkenntnis unserer unbewussten Wünsche und Handlungen und damit zugleich der möglichen Befreiung von seelischen und religiösen Schuldgefühlen. Regisseur Jürgen Kruse befand, dass dieses mit heftigen Sarkasmen durchsetzte und mit kühlem Witz pointierte Psycho-Puzzle Eliots einer Aufpeppung bedürfe, die sowohl englischen Humor als auch die Freudianische Schule mit deutscher Gründlichkeit verständlich machen soll. Dazu setzte Steffi Bohn ein verschachteltes Bühnenbild mit allerlei seltsamen Errungenschaften ein: ein handy-mobile, eine schiefe Dali-Wanduhr, mit bunten Urwaldszenen bebilderte Stellwände und räumliche Verschachtelungen, die möglicherweise ein Symbol für das Seelenlabyrinth darstellen.

Zwischen diesen schmalen Durchgängen agieren die Personen oder liegen hinter und neben einer Couch schlafend herum. Die wachen Gäste sprechen die belanglosen Sätze, die auf Parties üblich sind, wobei die ältliche Lady Julia (Barbara Schnitzler) alle schrecklich mit ihrer impertinenten Neugierde nervt. Denn, das ist der Clou der Party, sie findet ohne die Hausfrau Lavinia (Inka Friedrich) statt. Lavinia hat ihren Mann Edgar ganz plötzlich ohne Erklärungen verlassen. Nur einer weiß offensichtlich mehr - der geheimnisvolle Fremde (Bernd Stempel), der die Party Gin trinkend beobachtet und mit dialektischer Kunst bei Edgar die Einsicht auslöst, das er seine Frau zurückhaben möchte. So bricht dieser mit seiner Geliebten Celia (Katharina Schmalenburg), die wiederum von Peter (Martin Brauer) geliebt wird, einem jungen Künstler, der ausgerechnet seinen alten Freund Edgar um Vermittlung bittet. Nichts unpassender als das.

Lavinia also kehrt zurück, die Affäre mit Celia wird beendet, und alle landen nacheinander im Zimmer des Analytikers Sir Henry, des unbekannten Partygastes. Jetzt erfährt Edgar, dass auch Lavinia eine Affäre hatte, nämlich mit Peter, der sie dann Celias wegen verließ. Edgar und Lavinia versuchen, in der eigenen wie in der gegenseitigen Akzeptanz ihrer Unzulänglichkeit ihre Einsamkeit zu überwinden. Peter geht zum Film nach Kalifornien und Celia, die im religiösem Sühne- und Sündenwahn gefangen ist, versucht, ihre vermeintliche Schuld auf anderem Wege aufzuarbeiten. Sie entscheidet sich für die Krankenpflege in der Mission.

Jahre später erneut eine Cocktail-Party. Ein alter Freund und Wissenschaftler Alex (Gerd David) kehrt aus Afrika zurück und berichtet Entsetzliches. Celia ist von christenfeindlichen Eingeborenen grausam ermordet worden. Peter kehrt als Filmmann zur Stippvisite nach London zurück, wo er sich Celia als wartende Filmenthusiastin erhofft und völlig ausrastet, als er von ihrem Tod erfährt. Edgar und Lavinia haben aus ihrer Ego-Isolierung zu einer annehmbaren Partnerschaft gefunden, und Julia erscheint nun als längst vertraute Gehilfin des Seelendoktors, der zugleich auch noch die priesterliche Instanz darstellt. Das alles ist keine durchdringende Charakter- und Gesellschaftsanalyse wie bei den großen russischen Dichtern – es soll wohl eher ein beiläufiges, leichtes Spiel mit Schicksalen sein – ohne jeden dramatischen Tiefgang? A.C.