|
Die Vögel von Aristophanes (um 445 -385 v, Chr.) In einer Bearbeitung von Sören Voima |
...Der Broiler hat zu Tode mich erschreckt...
|
|
|
z.Zt. nicht im Spielplan Kammerspiele
Masken: Melanie Sowa, Ulrike Gutbrod, Andreas Müller Regie: Christian Weise, Christian Tschirner Bühne: Alex Harb Kostüme: Ulrike Gutbrod Musik: Hagen Matzeit, Friedemann Matzeit Video: Julia Oschatz Mit: Winnie Böwe, Martin Reinke, Christian Tschirner und Studenten des 3. Jahrgangs der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch": Sophie Bristell, Eve Kolb, Corinna Horn, Anne-Christiane Schneider, Sesede Terzióglu, Antje Trautmann, Robert Besta, Ludwig Blochberger, Thomas Braungardt, Tino Mewes, Matthias Reichwald, Oktay Tuncbilek
|
Da gibt es zwei ungewöhnliche Dinge an den Kammerspielen, die zum Besuch dieser Aufführung animieren könnten: Zum einen bedient sich das DT einer echten antiken Komödie und scheut sich auch nicht, diese als solche zu inszenieren; zum zweiten fließen keine Kaskaden von Blut, und die üblichen Brutalitäten und Obszönitäten sind geradezu rar - beziehungsweise nur dann und wann als flapsige Gags oder Kalauer eingemischt. Das ist, wenn man an die durchaus vitalen Darstellungsweise dieses Genres in alten Zeiten denkt, heute ein seltenes Regie-Phänomen. Dass sich hier ein großes Ensemble aus der Ernst-Busch-Hochschule mit Begeisterung ins absurde Vergnügen stürzt, ist außerdem ein Qualitätsschub, mit dem sich diese Inszenierung von den meist verbiesterten Aufführungen in diesen Räumen lobenswert frisch abhebt. Das oftmals sich leichthin zum Musical mausernde Geschehen im Reich zwischen Himmel und Erde, das von Vögeln und sich aufschwingenden Menschen gelenkt wird, läßt der antiken Komödie ihren gedachten spielerischen Witz und führt zu sprachlich federleichten Höhenflügen. (Derartige Inszenierungen kannte man eigentlich bisher nur von der Neuköllner Oper). Die Geschichte ist zeitlos und zeitnah: zwei Athener Bürger, des Lebens unter ihresgleichen überdrüssig, wollen allen menschlichen Misslichkeiten wie dem Streben nach Reichtum, Geltung und Macht entfliehen und begeben sich in das Reich der Vögel, zu mythologischen Wesen, die in einer märchenhaften Welt leben, in der die Tiere sprechen können und die Menschen fliegen lernen. Nun, in wohlklingende Dialektik und satirische Wortspalterei verpackt, blenden die Menschen die gutgläubige Vogelschar mit Versprechen, die den Argwohn der Tiere gegenüber ihren alten Feinden tilgen: Die Vögel sollen in einem eigenen, unabhängigen Reich künftig alleinige Herrscher sein - frei von den Machtansprüchen der Menschen und der Götter. Doch hier nun gereicht die heitere Farce zur bitterernsten Warnung! Um das neue Reich zu schützen, lassen die beiden Männer genau nach dem System, dem sie entfliehen wollten, um das Vogelparadies herum eine starke Mauer(!) errichten. Dann rufen sie zum Kampf gegen die Götterwelt auf und vertreiben die nachkommenden Menschen ( warum auch den Papst und Jesus bleibt ein geheimnisvoller Anachronismus) aus diesem Reich, Wolkenkuckucksheim mit Namen, in dem sie sich zu den absoluten Herrschern aufschwingen! Es ist ein Spieglein an der Wand, das alle hässlichen Bilder zu vereinen scheint, das die Vögel von den Menschen (und diese in manch einsichtiger Minute auch von sich selber) hatten: selbstsüchtig, verlogen, machtgierig, schlau und verschlagen, heimtückisch und unbelehrbar, voller Illusionen, doch unfähig, sie zu verwirklichen und über sich selbst hinauszuwachsen. Es gibt der Gags viele, über die man herzlich lachen kann, wenngleich auch dann und wann die Scherze ein bisschen zu platt werden und man der Menge der überbordenen Einfällen ruhig hätte Einhalt gebieten können. Großartig aber sind die von den Schauspielschülern selbst erstellten großen bunten Vogelmasken, die gewaltig und Respekt einflößend die eigentliche Kraft dieser Inszenierung ausmachen. Auch die begleitenden Videoeinspielungen, die des Menschen trügerische Wortgewandtheit köstlich karikieren, sind hier ein zusätzliches, gut placiertes Stil- und Gestaltungsmittel. Die schauspielerischen, gesanglichen und eleganten körperlichen Darstellungen von Mensch und Tier tragen zum Gesamtvergnügen bei, solange sie deutlich vernehmbar auf die Wirkung des originalen Textes vertrauen. A.C. |