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Fülle des Wohllauts aus Der Zauberberg von |
Der Sprache Leben eingehaucht |
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mit Dieter Mann Regie: Marcus Mislin Bühne: Elisabeth Pedros
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Wer einen vergnüglich-besinnlichen Abend ohne anstrengende Lesemühsal erleben möchte, dem sei die theatralische Umsetzung des Kapitels "Fülle des Wohllauts" aus Thomas Mann`s "Der Zauberberg" wärmstens empfohlen. Man muss kein Mann-Enthusiast sein, um diesen doppelten Mann-Abend zu genießen, an dem Dieter Mann seinem Auditorium mit wunderbarer Diktion einen (Gert Westphal ebenbürtigen) Hörgenuss vermittelt. Seine ausgefeilte Sprachkunst wird eindrucksvoll mit sparsamem, ausgewähltem und sich anpassendem Körpergestus unterstützt. Auf großer, offener Bühne, die altmodische, verstaubt-gemütliche Atmosphäre eines Lese- und Musikzimmers in einem Sanatorium vor etwa 100 Jahren in Davos widerspiegelt, denkt Hans Castorp - der vor sieben Jahren lediglich seinem lungenkranken Cousin einen Besuch hatte abstatten wollen, dann aber, gefangen von einer seltsam mystischen, traumverlorenen Welt, ebendort hängen blieb - über die verlorene Liebe zu der schönen Russin Clawdial nach. Die aber ist leider aber endgültig abgereist und hat Castorp vereinsamt zurückgelassen. Jetzt ist der "große Stumpfsinn" eingetreten, nur durch die "Fülle des Wohllauts" gemindert, die ein altes Grammophon hervorbringt, auf dem Castorp vornehmlich "Aida" und "Carmen" zu hören pflegt, vor allem aber Schuberts "Am Brunnen vor dem Tore" , wobei er sich nach und nach lästiger Mithörer entledigend. Er ist ein gemütskranker Romantiker, dessen Schicksal endgültig mit dem "Donnerschlag" des 1. Weltkrieges besiegelt sein wird. Dieter Mann allerdings verleiht diesem Träumer und gleichgültigem Philosophen Castorp, der dem Leben letztlich doch den Vorrang vor dem Tode einräumt, zusätzlich eine egozentrisch sich im Kreis drehende, kräftig geformte Persönlichkeit. Mit Begeisterung und Hingabe an die Musik, an die Unglücklichen in seinen Lieblingsopern, versucht er, seine Leidenschaft zur verlorenen Freundin zu kompensieren. Das alles muss man nicht wissen, wenn man diesen Abend besucht. Er ist allein durch Dieter Mann ein Erlebnis. A.C.
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