Maria Stuart

von
Friedrich Schiller

Der Kampf der Königinnen

 

 

Deutsches Theater

Regie: Thomas Bischof

Bühne/Kostüme:  Uta Kala

 

Mit: Anika Mauer (Königin Elisabeth I.), Katharine Schmalenberg (Maria Stuart, Königin von Schottland, Gefangene in England), Peter Pagel (Wilhelm Cecil, Baron von Burley, Großschatzmeister); Ingo Hülsmann (Robert Dudley, Graf von Leicester); Martin Brauer (Wilhelm Davison, Staatssekretär), Peter Ehrlich (Mortimer, Neffe von Paulet), Michael Schweighöfer (Amias Paulet, Hüter der Maria); Michael Gerber (Pater Melvil, ehemals Haushofmeister Marias).

 

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 Diese Inszenierung zeigt den Kampf um Leben und Tod, um große Ideale, um männliche Macht und weibliche Herrschaft, um ein Land und um Liebhaber, um Freiheit, die für jeden etwas anderes bedeutet. Sie hebt aber auch und vor allem eines besonders deutlich hervor: die brutale Machtgier des alten Adels, jener Männer, die in ihrem berechnenden Doppelspiel ihre eigene Politik betreiben, indem sie die beiden Herrscherinnen arglistig, tollkühn und todesmutig für ihre Ziele einsetzen.

Auf einer sich nach vorn hin öffnenden schmalen Bühne, die von durchsichtigen hellroten Glaswänden eingerahmt ist und deren sich nach vorn neigender Grund durch einen bedeutungsschweren Graben getrennt wird, spielt das Schlusskapitel des realen Dramas, das zur Zeit der Herrschaft Elisabeth I. Englands Schicksal hin zum Protestantismus und hin zu einer Weltmacht entscheiden sollte. Friedrich Schiller hat nach  Shakespeares` Vorbild einzigartige Charaktere geformt!

Die aufrührerische Maria von Schottland hat mit ihrem katholischen Clan und der Unterstützung des Papstes zum Sturz Elisabeths (der unehelichen Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyn) aufgerufen und einen schrecklichen Krieg gegen England geführt. Sie wird ihren Treuebruch nicht überleben. Im Gefängnis, durch dessen Vorder- und Rückseiten und Geheimtüren gefährliche Briefe und harmlose Nachrichten überbracht werden, überschreiten Boten und Wächter, Gegen- und Mitspieler, Feinde und Getreue mehr als einmal den Bühnen-Abgrund, der die beiden Frauen in ihren gläsernen Gefängnissen von einander trennt. Denn Gefangene sind sie beide, auch und vor allem Elisabeth, die lediglich ein Spielball männlicher Machtinteressen zu sein scheint. (Ob sie in der Historie wirklich derart von den Lords beeinflusst wurde, wird bezweifelt, da sie sich allen politisch wünschenswerten Heiraten widersetzte und sich zur Ehelosigkeit entschloss und damit zu einer starken politischen Persönlichkeit entwickelte.)

Maria, die "stolz bis zu den Stufen des Schafotts" von ihrem legalen Herrschaftsanspruch überzeugt ist, will sich dem Urteil der Richter nicht beugen, die auch auf Grund falscher Zeugenaussagen ihren Tod beschlossen haben. Die Ausführung des Urteils ist nun die Sache Elisabeths. Maria bittet ihren Geliebten Graf Leicester, eine persönliche Begegnung mit Elisabeth herbeizuführen; und sie erhält wirklich bei dem Treffen mit der hier durchaus unschlüssigen Elisabeth eine letzte Chance, sich zu rechtfertigen. Doch als sie Elisabeths Ehre und Weiblichkeit verhöhnt, ist trotz aller zuvor bezeugten Demut ihr Schicksal endgültig besiegelt. Das ist in der Tat ein großartiges Duell, das sich die beiden Damen da auf der damaligen Weltbühne lieferten (und bei dem sie große schauspielerische Vorbilder haben) - auf der Bühne des Deutschen Theaters ist das jedoch eine schnell verpuffte Angelegenheit. Die schöne, majestätische Elisabeth und die von ihrer Haft arg mitgenommen wirkende kindliche Maria sind einander so gar nicht ebenbürtig; die eine Königin vom Scheitel bis zur Sohle, die andere ein trotziges kleines Mädchen, das seine Gedanken, die ganzen Generationen von Schülerinnen Tränen entlockten, leer herunterleiert. Da fehlt das Feuer, die Glut der Leidenschaft der einst so schönen, noch immer begehrten Frau, das brennende Verlangen nach Leben! I

 Aber leider gibt es noch andere Misslichkeiten in einer sonst durchaus beachtenswerten Inszenierung, als da sind die unpassende Kleidung des somit leicht gockelhaft daherstelzenden Paulet, der immerhin zum engeren Ratgeberkreis der Königin gehört. Seltsam gefühllos und unbeteiligt steht dieser Mann neben sich und dem Geschehen, peinigt Maria im Kerker, wirft sie zu Boden, und gehört doch zu ihrem Befreiungsteam. Sein Neffe, der vom Katholizismus überzeugte und zur Befreiung Marias heran gereiste junge Mortimer, entbrennt sogleich in Liebe zu der kleinen Schottin , verbirgt seine Gefühle jedoch hinter steifer Würde und streckt die begehrte Dame später ebenfalls zu Boden. Warum er mit einem Pistolenschuss auf der Bühne umgebracht wird, obwohl er sich doch laut Schiller selbst ersticht, bleibt unklar und irgendwie unsinnig. Den Meuchelmord an Elisabeth hätte man ihm auch so geglaubt, geht es doch um Leicesters doppeltes Liebesspiel, mit dem er beide Königinnen zu lenken versteht. A.C.