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Romeo und Julia von William Shakespeare
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Ein Cooler Romeo und eine liebreizende Julia |
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Regie: Katharina Thalbach Die Aufführung, in der die Regisseurin selbst keine Rolle übernimmt, ist deutlich weniger pornografisch. Wer die Derbheit einer solchen Shakespeare-Inszenierung nicht mag, sollte sich vorher die Besetzungsliste ansehen. Aber alles in allem eine fetzige, moderne Variante!
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In Veronas Straßen lauert der Tod; Leichenbestatter karren die Pestopfer fort, Ratten flitzen ungehindert von Haus zu Haus, verfeindete Familien tragen ihren Hass in die Öffentlichkeit. Und das inmitten der schönsten Renaissance-Kulisse, die Ezio Tuffolutti malerisch an beiden Seiten des Zuschauerraumes entlangführt, um ihr dann auf der Bühne einen kleinen Platz vor eleganten Palazzi einzuräumen. Dort entfaltet sich das klassische Liebessdrama zwischen Julia aus dem Hause Carpulet und Romeo aus dem Hause Montague. Zum Auftakt pilgern plappernde Touristengruppen zum Liebes-Heiligtum, das sich in der Realität(als tausendfach begrabschte Bronzestatue der Julia) inmitten Veronas befindet und überhaupt kein bisschen romantisch ist; dennoch wandern die Besucherströme tagaus, tagein zur imaginären Stätte der unvergänglichen Liebe. Warum? Rückblende: Zunächst hat man berechtigte Sorge, dass inmitten all der vulgären und hasserfüllten Pöbeleien (mit denen sich der Nachwuchs der beiden Familien gleichwohl wortgewandt und gestenreich produziert), für zarte Liebesgefühle kein Platz mehr wäre. Doch das glückliche Zusammenspiel von Katharina Thalbachs flotter Regieführung und Thomas Brasch’s frivoler Übersetzung ergibt eine gelungene Balance zwischen witzig-cooler Diktion und der originalen Deklamation. Dazu eine eingepasste musikalische Untermalung von Sabine Worthmann - unter anderem fetzt eine schrille Band auf dem Ball der Carpulets die Generationen in ihren feinen Gewändern poppig auf. Natürlich ist denn dieser Romeo Fabian Krügers auch kein jugendlicher Held, der sich der ritterlichen Reimkunst bedient, sondern ein flapsiger, langer Lulatsch, der mehr haspelt und kaspert als schönversig rezitiert; und er verliert auch schon mal die stimmliche Balance, wenn er versucht, für seine Gefühle die richtige Gangart zu finden. Und auch Julia, keck und knapp 14 Jahre alt, empfindet den Liebesblitz, der beide trifft, eher wahnsinnig aufregend und spannend, wenngleich sie sich auch glücklicherweise hin und wieder noch der schönen alten Shakespeare-Metaphern bedient, die ihre Liebe über das Gewöhnliche hinausheben. Das wird auch bildlich treffend dargestellt, indem Heike Warmuth sich nicht vom Balkon herabneigt, sondern unter freiem Himmel auf dem Dach ihres Bett-Baldachins die eigene Freiheit in ihrer Liebe erlebt. Umgeben von rüden Freundes- und Feindesgesellen, die sich einen Kampf mit Messern und Degen liefern, bleiben die Gefühle, die das Paar in einen realitätsfernen Taumel versetzt, vom Geschehen seltsam unberührt. Doch Romeo versetzt Julias Vetter Tybalt die Todesstiche - und das nicht nur so beiläufig, sondern rasend vor Rachedurst, weil dieser soeben seinen Freund Mercutio tötete. Wie überhaupt diese Veroneser doch ein außerordentliches Temperament aufweisen, das die Konsequenzen ihres Handelns heraufbeschwört (und das das Publikum permanent in Atem hält!). Nun wird es brenzlig für das junge Paar. Heimlich werden sie schnellstens von Pater Lorenzo getraut, bevor Romeo nach ihrer ersten und einzigen Liebesnacht nach Mantua eilen muss, wohin ihn der Fürst als oberster Richter für seinen Mord an Tybalt verbannt hat. Dass die guten Absichten des Paters letztlich scheitern, ist wiederum ein Kunstgriff des Menschenkenners Shakespeare – sonst wäre es ja auch keine ewige Liebe, und der Mensch hätte sein Schicksal vollends selbst in der Hand. Aber Gottes Werk und Teufels Beitrag sind unwiderruflich miteinander verknüpft. So sind denn leider das eine Gift, das der Mönch Julia gibt, um sie durch Scheintod der Hochzeit mit dem blass-arroganten Grafen zu entziehen, und das andere Gift, das Romeo zu sich nimmt, als er die leblose Julia in den Armen hält, von zweifacher Art. Romeos Extrakt ist echt und wirkt unverzüglich, und die eben erwachte Julia kann nun nur noch von den Lippen des Geliebten die letzten tödlichen Tropfen aufnehmen, um ihm in eine andere Welt zu folgen. Diese weltberühmte Szene ist wunderschön. Doch Gott behüte uns vor Rührseligkeit - dennda pilgern nun schon wieder die Touristen an dem Grabmal der Liebenden vorbei, deren Auferstehung ja glücklicherweise mit jeder neuen Aufführung stattfindet. Die Rollen in dieser ungewöhnlichen Inszenierung sind zum Teil mehrfach verteilt: als hinreißend frech-liebevolle Amme entzückt Jacqueline Macaulay, als viel zu junge Mutter Julia`s gibt Anna Kubin die liebesferne, zu Eiseskälte erstarrte Ehefrau eines alten, bösartigen Macho-Ehemanns (Rainer Kühn), zeichnet Norman Schenk als Benvolio ein heldenhaftes Freundesbild. Monika Lennartz ist Prinz und Diener zugleich, Piere Besson ist als Pater eindrucksvoll, als Mercutio ordinärer als nötig. Thomas Bischofberger als gräflicher Nebenbuhler wird von Romeo kurzerhand erdolcht. Die krachenden Kampfszenen hat Guntbert Warns einstudiert. A.C.
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