Albert Herring von
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Nach einer schamlosen Butterfly - ein Lustspiel als Labsal für die Seele
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Wiederaufnahme Komische Oper in drei Akten. Text nach einer Novelle von Guy de Maupassant, Kurz gesagt:
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Dieser Albert ist wirklich ein
bedauernswerter Bursche, ein Mann in bereits reiferen Jahren, ein
Muttersöhnchen, ein tüchtiger Ladenbetreiber und Tugendbold aus Mangel
an Mut, und von einer heuchlerischen Gesellschaft in England 1900
luchsartig beäugt und überwacht. Ein Weichei, würde man heute sagen -
lächerlich und bemitleidenswert, doch gerade dies soll ihn zum
prädestinierten Opfer der Honoratioren des kleinen Städtchens Loxford
machen. Deren Oberhaupt und Obermoralistin, Lady Billows, entscheidet
sich nach innerem Kampf und Krampf, da keine geeignete Jungfrau mehr zur
Verfügung steht, den Titel des Maienkönigs in diesem Jahr Albert
Herring zu verleihen - samt einer goldenen Prämie. Dermaßen
ausgepreist, seinem eigenen schwachen Willen zuwider als Tugendkönig
mit albernem Maiengrün und lächerlicher Bekränzung garniert, ist
Alberts Verzweiflung gar grenzenlos. Von den Mädchen verhöhnt, von der
Mutter geprügelt, fügt sich der große Kind-Mann in sein auswegloses
Schicksal - es sei denn, er nähme es selber in die Hand. Das alles geschieht in schmeichelndem, vielfarbigen Ambiente: Eine lindgrüne Konzertmuschel, in der das prächtig gekleidete kleine Dorforchester immer wieder, von der Lady unterbrochen, aufzuspielen versucht, davor zartgrün bespannte Liegestühle, auf denen man sich dem Musikgenuss hingibt. Dahinter eine andere Welt: schwarz und düster türmt sich Muschelwand, und am Boden zeigen Getränkekisten und Kühlschrank den mühseligen Alltag in Alberts kleinem Geschäft. Sid (Michael Nagy mit kräftigem Bariton) und Nancy (Elisabeth Starzinger mit sanftmütigem Sopran) zeigen ihm, wie schön es ist, verliebt zu sein und wecken Sehnsüchte in dem verkorksten alten Knaben. Als die Festgesellschaft sich nach üppigem Maien-Mahl teils trunken, teils liebesselig nach und nach verabschiedet, bleibt Herring allein zurück, wälzt sich unter dem Tische und findet sich grenzenlos bemitleidenswert. Bis ihn jäh die ganze feine Truggesellschaft, mit Schweinsköpfen ausstaffiert, halluzinatorisch aus dem Langzeitdämmern weckt - er zertrümmert das rosarote Sparschwein und macht sich munter auf den Weg, auf der Suche nach Liebe und Leben. Ob es nun gefällt oder nicht - jedenfalls ist Andreas Conrad perfekt in dieser zweifachen Rolle - zunächst als sanftmütiger Junggeselle, später vor allem mit gesanglich starkem Selbstbewusstsein als ein Mann, der zumindest schon einmal in das nächtliche Großstadtmilieu hineingeschnuppert hat... Albert Herring (1947) ist sicher nicht Brittens bedeutendstes Opernwerk. Er wollte vor allem die britische Gesellschaft und die Unterdrückung eines Außenseiters karikiert wissen wollte. Musikkritiker mögen ihm Flachheit, Gefälligkeit, fehlende Stringenz und eine zu lockere Handhabung der (von deutschen Tugendwächtern gern gesehenen) kompositorischen Ernsthaftigkeit vorwerfen. Auch ist die Ausstattung in ihrer farbigen Fröhlichkeit mehr eine flotte Wiederholung der 60er Jahre. Und die Mädchen und Mannsbilder sind in ihrer Überzeichnung als skurrile englische Prototypen durchaus amüsant, wie die glasklar an der mangelnden Musikalität ihrer Mädchentruppe verzweifelnde Miss Wordswoth (Majca Erdmann) , die den leut- und redseligen Reverend Mr. Gedge (Nanco de Vries) gar zu gern in den Ehestand ziehen möchte.
Die Musik wird erzählerisch den variationsreich gestalteten Rezitativen angepasst und zugleich pointenreich eingesetzt: beschwingt begleitet die Flöte die Vorbereitungen für das Frühlingsfest, schrammelt das Orchester unheilvoll aus dem Graben als die Herrschaften den armen Alfred bekränzen, wiederholt die Geige das Signal Sids für das nächtliche Rendezvous mit seiner Nancy, klingt es wie Schadenfreude, als der Maienkönig als Popanz auftritt, begleitet Tafelmusik das Fressgelage. Herrlich übermütig pfeifen die Flöten bis sie vom Klavier zur Räson gebracht werden, schläfert die Klarinette den verwirrten Albert ein und schweigt verblüfft, als dieser vom weinerlich- zirpenden Tenor zum kräftigen Tenor-Bariton mutiert. Da kann man nun sagen, was man will: die Wiederaufnahme scheint nicht nur einige erfolgreiche Korrekturen angebracht zu haben bis hin zur besseren Textverständlichkeit. Die Inszenierung biet vor allem einen heilsamen Opernabend, nachdem so manche sensible Seele an der von Calixto Bieito's als Bordell-Drama verwursteten "Madame Butterfly" Schaden genommen hat. A.C. |