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André Chénier von
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Leben und Liebe gegen Machtwillkür und Heuchelei |
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Musikalisches Drama mit historischem
Hintergrund Inszenierung: mit: Kurz und kritisch
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"Ich war ein Dichter und machte meine Feder zur scharfen Waffe gegen die Heuchelei" schrieb André Chénier (1762-1794). Das hat ihn seinen Kopf gekostet. Einhundert Jahre später wird sein Schicksal von dem italienischen Komponisten Umberto Giordano (1867-1947) als kritisches Revolutionsdrama mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis zur alles überwindenden und andauernden Liebe in Mailand gefeiert. Beides, die Vergegenwärtigung des scheiternden Revolutionärs, der irgendwann zum Opfer der neuen herrschenden Klasse und ihrer pervertierten Ideologie wird, und die einzigartige Bindung zweier Menschen aneinander bis in den Tod, sind Themen, die zeitlos berühren und aufwühlen, wie es nur in der Oper möglich ist. Langanhaltender Szenenbeifall also für den stimmgewaltigen Lado Ataneli, der als ehemaliger Diener Charles Gérard, der mit der Revolution zu Amt und Einfluss auf der Seite der Jakobiner gekommen ist, jedoch zu spät erkennt, wie Unschuldige im Namen Marats gemeuchelt werden und wie die Revolution "ihre Söhne frißt". Mit Gérards menschlich großartigem Verzicht auf die von ihm seit seiner Kindheit geliebte und begehrte Tochter seiner Herrschaft, Madeleine, ist Giordano eine einzigartige musikalische Darstellung der Selbstüberwindung und der Nächstenliebe gelungen. Auch
Maria Guleghin`s Madeleine wird mit einem langen Szenenbeifall für ihr
glut- und leidvolles Liebesbekenntnis gefeiert; Mit ungeahnter, sich von Satz
zu Satz steigernder Kraft und Inbrunst fordert ihre wie ein
Sturm anwachsende Leidenschaft zu Chénier die Aufgabe ihrer selbst.
Als sie bereit ist, sich Gérard als Preis für ihre
Liebe hinzugeben und mit dem Verurteilten in den Tod
zu gehen, wächst sie über sich und Gérard hinaus. Ihr
Verzicht ist ein zeitloser Sieg der Liebe über jegliche menschliche Niedertracht.
Selten hörte man einen so kraftvollen und energischen Tenor-Bariton wie den von Zvetan Michailov, der damit ein völlig anderes Persönlichkeitsbild sehen ließ, als es wohl auf den sensiblen und weltfremden Dichterjüngling in Wirklichkeit gepasst hätte. Denn dieser Chénier flieht nicht in die Sicherheit des Auslands, weil er auf die Liebe von Madeleine hofft, sondern weil er und der Verfolgten und Verfemten Sicherheit und Hilfe bieten will. Dass er von seinem alten Freund Gérard verraten und durch dessen Helfershelfer denunziert werden wird, ahnt er natürlich nicht. Und Atanelis Gérard bezwingt mit seinem fulminanten Bariton mühelos und ausdrucksvoll Raum und Zeit - und sich selbst, als er schließlich über menschlichen Machtstreben und die daraus entspringende Gewaltherrschaft triumphiert. Neben dem vollen dramatischen, sich in triumphierenden Schwingungen ausdehnenden Sopran Maria Guleghinas funkelt hell und klar Ulrike Helzels glitzernder Sopran. Dunkelglühend und aus tiefstem Herzen dringt das Leid von Madelon (Ute Walther) im Namen aller Mütter dieser Erde zu uns, die dem Bürger Gérard ihren letzten Enkelsohn für die Todesmaschinerie des Freiheitskampfes übergibt. Die Bühne wird beherrscht von einer ebenen und einer angehobenen Fläche, auf der sich zuerst die adelige Gesellschaft tanzend vergnügt und später der monumentale Kopf Marats als schreckliche Maske drohend herrscht. Unter der Fläche lauern Spione, die hier Geisteswächter heißen und das blutrünstige Straßenproletariat (wie immer als glänzender Chor!) sowie in deren Schatten die Verfolgten und Geächteten. Davor, im Halbdunkel oder von hellem Lichtstrahl verfolgt die Protagonisten. Auf der Bühne ist es wie im wirklichen Leben; wer abseits steht, wird nur schwer verstanden. Aber das ließe sich ja ändern. A.C.
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